Keine Abstellungen? Länderspiele während der Corona-Pandemie sorgen den BVB

Borussia Dortmund

In der nächsten Woche steht die erste Länderspielpause des Jahres an. Die Sorge beim BVB und der gesamten Bundesliga ist wegen steigender Coronazahlen groß, die Macht jedoch beschränkt.

Dortmund

, 15.03.2021, 14:42 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die BVB-Profis Julian Brandt und Nico Schulz (r.) könnten in der nächsten Woche mit der deutschen Nationalmannschaft auf Länderspielreisen gehen.

Die BVB-Profis Julian Brandt und Nico Schulz (r.) könnten in der nächsten Woche mit der deutschen Nationalmannschaft auf Länderspielreisen gehen. © dpa

Die ersten Drohungen haben gleich funktioniert. Nachdem Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola angekündigt hatten, ihre Spieler nicht zu den Länderspielen Ende März reisen zu lassen, sagte der südamerikanische Verband CONMEBOL kurz entschlossen alle Spiele ab. Doch das Thema ist damit längst nicht vom Tisch.

Auch BVB betroffen: Zahlreiche Corona-Fälle in der Bundesliga nach den vergangenen Länderspielen

Noch immer werden in der nächsten Woche Hunderte Spieler durch die Welt fliegen und im schlimmsten Fall durch Corona-Fälle oder Quarantäne ganze Teams lahmlegen. Die Vereine sind in der Regel machtlos. Jürgen Klopp etwa sagte: „In den letzten Monaten, immer wenn jemand die Blase verlassen musste, gab es nach der Länderspielpause mehr Fälle als vorher.“ Leverkusens Trainer Peter Bosz gab zu, „ein bisschen Angst“ zu haben, wenn die Spieler auf Reisen gehen. „Ich würde jeden Spieler, den ich jetzt noch im Kader habe, am liebsten hierbehalten“, sagte er.

Bereits bei den Länderspielen im vergangenen Jahr hatte es in der Bundesliga zahlreiche Corona-Fälle gegeben. Die Infektionen der Hoffenheimer Andrej Kramaric und Kasim Adams, der Leipziger Amadou Haidara und Hee-chan Hwang, von Leverkusens Edmond Tapsoba sowie von Wolfsburgs Marin Pongracic wurden direkt mit Länderspiel-Reisen im Oktober und November in Verbindung gebracht.

BVB-Profis Akanji und Reinier kamen nach Länderspielen mit Corona zurück

Bei Borussia Dortmund waren im vergangenen Herbst der Schweizer Manuel Akanji und der Brasilianer Reinier nach Länderspielen mit positiven Corona-Tests heimgekehrt. Die Corona-Infektionen der beiden weiteren Dortmunder Emre Can und Axel Witsel waren dagegen unabhängig von Länderspielen.

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Beim BVB blicken die Verantwortlichen der Länderspielpause deshalb ebenfalls mit Sorgen entgegen. „Als Vereinsfunktionär hat man ein leicht ungutes Bauchgefühl, weil es in der Vergangenheit die ein oder andere Infektion in Verbindung mit Länderspiel-Reisen gab“, sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Aber man müsse zwischen Bauchgefühl und Vorschriften unterscheiden.

BVB behält sich vor, einzelne Spieler nicht abzustellen

„Es besteht ja weiterhin eine Abstellungspflicht für uns“, betonte Zorc. Während der Corona-Pandemie greife nur dann eine Ausnahme, „wenn sich aus der Abstellung nachfolgend eine Quarantäne ergeben würde, dass Spieler Trainingseinheiten oder Spiele verpassen würden“, so Zorc. „Dann würden wir nicht abstellen und von diesem Recht Gebrauch machen. Aber solange, wie wir abstellen müssen, tun wir das auch.“

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Seitdem die Bundesregierung Ende Januar spezielle Regelungen für Einreisende aus besonders von Corona-Mutationen betroffenen Gebieten erlassen hat, ist die Sache noch unübersichtlicher geworden. Zu den Staaten auf der roten Liste gehören Großbritannien, Portugal, Brasilien und Irland. Zudem hat jedes Bundesland andere Bestimmungen und letztlich ist es am Verein, mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu verhandeln.

DFB gibt Kader für die Länderspiele am Freitag bekannt

Auch Borussia Dortmunds zukünftiger Trainer Marco Rose hat sich am Montag zu dem Thema geäußert. Auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Rückspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Manchester City, das nach Budapest verlegt worden ist, sagte er: „Wir haben uns als Verein entschieden, nach Budapest zu gehen und zahlen dafür auch eine Menge Geld, eine Art Konventionalstrafe, weil wir die Reise nach Manchester nicht antreten, um den 14 Tagen Quarantäne aus dem Weg zu gehen. Für den Fall, dass unsere Jungs nach Länderspielen in eine ähnliche Situation kommen, glaube ich schon, dass es nur gerechtfertigt ist, wenn sich der Verein vorbehält, dementsprechend zu reagieren und zu intervenieren.“

Welche Profis von Borussia Dortmund sich tatsächlich in der nächsten Woche mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen begeben, entscheidet sich gegen Ende der Woche. Der DFB etwa gibt seinen Kader für die drei WM-Qualifikationsspiele gegen Island (25. März, in Duisburg), Rumänien (28. März, in Bukarest) und Nordmazedonien (31. März, in Duisburg) am Freitag bekannt. Fest steht allein, dass Reinier - zuletzt im Einsatz für die brasilianische U21 - dieses Mal in Dortmund bleiben darf. Der südamerikanische Verband hat seine Länderspiele schließlich alle abgesagt.

BVB-Youngster Moukoko reist zur U21-EM

Sicher unterwegs sein wird dafür BVB-Youngster Youssoufa Moukoko, der am Montag von Trainer Stefan Kuntz für den deutschen Kader bei der U21-EM in Ungarn und Slowenien nominiert worden ist.


mit dpa-Material

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