Keine Pappkameraden: BVB verzichtet bewusst auf künstliche Unterstützung

Borussia Dortmund

Viele Fans haben sich zusammen mit ihren Klubs etwas einfallen lassen, um Geisterspiele atmosphärischer zu gestalten. Beim BVB ist das anders - aus einem ganz bestimmten Grund.

Dortmund

, 05.06.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf eine künstliche Atmosphäre wird im Signal Iduna Park verzichtet.

Auf eine künstliche Atmosphäre wird im Signal Iduna Park verzichtet. © dpa

Borussia Mönchengladbach ist vermutlich das prominenteste Beispiel. Die Pappkameraden im Borussia Park, der Heimspielstätte der „Fohlen“, die am Niederrhein seit der Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs als Zuschauerersatz dienen, haben mittlerweile internationale Berühmtheit erlangt.

20.000 Pappkameraden wurden im Borussia Park aufgestellt

Keine TV-Übertragung aus Mönchengladbach, ohne Bilder der bunten und freundlichen, aber stummen Unterstützer. Und sie werden immer mehr. Mittlerweile sind es schon über 20.000. Selbst im Gästeblock stehen Unterstützer der Auswärtsmannschaften. Sogar Fans aus Köln und Leverkusen sind vertreten.

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach bejubeln den Sieg gegen Union Berlin mit ihren stummen Unterstützern.

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach bejubeln den Sieg gegen Union Berlin mit ihren stummen Unterstützern. © dpa

Doch nicht nur in Gladbach haben sich Fans und Verein etwas einfallen lassen. So wurde zum Beispiel in Leverkusen aus Fanfotos ein Banner erstellt und entlang der Gegengerade gespannt. Andernorts hängen Fans ihre Zaunfahnen auf, beispielsweise in Bremen. Auch Protestbanner haben den Weg in die Stadien der ersten und zweiten Liga gefunden, etwa in Darmstadt oder auch in Paderborn, wo der BVB am vergangenen Sonntag einen souveränen 6:1-Auswärtssieg einfuhr. „Fußball ohne Fans ist nichts“, steht in der Benteler Arena schwarz auf weiß dort geschrieben, wo sonst die Heimfans ihre Mannschaft unterstützen.

Keine „künstliche Stadionatmosphäre“ beim BVB

Im Signal Iduna Park in Dortmund findet man von alldem nichts. Keine Pappkameraden, keine Zaunfahnen, keine Protestplakate. „Die Entscheidung, auf Fanaktionen, Banner und ähnliches zu verzichten, haben wir nicht alleine getroffen, sondern im Austausch mit diversen Fanvertretern, unter anderem aus dem Fanrat und dem Bündnis Südtribüne“, sagt Björn Hegemann, Leiter der Abteilung Fanangelegenheiten beim BVB, im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

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Hauptgrund für diese Entscheidung sei, erzählt Hegemann, „dass Stadionatmosphäre nicht künstlich erzeugt werden kann und man es auch aus Respekt vor den eigenen Fans erst gar nicht versuchen sollte“. Fans im Stadion könnten „durch nichts ersetzt werden“. Und so bleibt in Dortmund alles leer, gespenstisch eben. Die Geisterspiele bekommen, bis wieder Zuschauer erlaubt sind, den Rahmen, den sie laut BVB-Fans verdient haben. Irgendwann soll die Gelbe Wand wieder strahlen - allerdings das Original, keine aus Pappe.

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