Kickers-Trainer Steffen über das Spiel des Jahres

Der BVB-Gegner

Seit dem 30. September 2013 trainiert Horst Steffen den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers. Heute (15.30 Uhr) wartet auf den ehemaligen Bundesliga-Profi die größte Herausforderung seiner bisherigen Amtszeit - die Kickers empfangen in der ersten Runde des DFB-Pokals Borussia Dortmund. Darüber hat Martin Maly mit dem 45-Jährigen gesprochen.

DORTMUND

16.08.2014, 10:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kickers-Trainer Steffen über das Spiel des Jahres

Kickers-Trainer Horst Steffen glaubt an die Überraschung gegen den BVB.

Ja, wir spielen nun ein anderes System. Ein 4-3-3 im Gegensatz zum früheren 4-4-2 oder auch dem 4-2-3-1, je nachdem, wie wir es angelehnt haben. Das ist schon eine Veränderung. Aber schon die Rückrunde, die wir als Vierter abgeschlossen haben, war im alten System nicht so schlecht.

(lacht) Kann man so sehen. Sich zu verstecken und hinten rein zu stellen, ist nicht meine Idee.

Wir wären nicht Sportler, wenn wir uns nichts ausrechnen würden. Dass die Chancen sehr gering sind, ist ja normal. Aber diese kleine Chance, die wir irgendwo vielleicht sehen, wollen wir ausnutzen. Da muss schon einiges zusammenkommen, damit wir weiterkommen. Aber wir genießen einfach ein tolles Spiel vor einer großartigen Kulisse.

Das würde ich nicht sagen. Wir haben auch unser letztes Testspiel gegen Trier 2:3 verloren und waren dann gegen Wehen sehr gut vorbereitet. Wenn es um Meisterschaft oder um den Pokal geht, ist man anders fokussiert und hat vielleicht 30 Prozent mehr drauf als im Testspiel. Ich glaube, dass Dortmund ohnehin genug zu bieten hat, egal, wie die Testspiele laufen.

Ich habe das Spiel gegen Liverpool gesehen und den Supercup, aber dann reicht das auch. Wir haben den Fokus immer auf die Meisterschaftsspiele gelegt, das andere ist ein Bonus. Natürlich bereiten wir uns auch da gut vor. Aber die Vorbereitung ist eine ganz normale, wie in der Meisterschaft auch.

Maximal dürfen 38.000 Zuschauer rein, es könnte sein, dass es voll wird.  Das wird ein Bonusspiel, das wir einfach genießen dürfen.

Natürlich gibt es die. Das sind meistens die guten, sprich auch Dortmund. Es ist ja klar, das Anlaufen, das Gegenpressing ist großartig. Im Spielaufbau geht unser 4-3-3 auch in Richtung Leverkusen. Das Ballbesitzspiel von Bayern München ist etwas, wovon wir uns etwas abgucken können. Natürlich müssen wir das runterbrechen auf die 3. Liga. Aber warum soll man sich nicht Vorbilder nehmen?

Die Frage haben mir die Kollegen schon öfter gestellt. Vor der Saison habe ich gesagt Osnabrück, Bielefeld und Münster. Die stehen bisher alle nicht besonders gut. Die drei Absteiger aus der 2. Liga zählen für mich auch immer dazu.

Wir wollen mehr erreichen als in der vergangenen Saison und orientieren uns sicher am vierten Platz der Rückrunde. Wenn ich als Trainer sehe, dass das Spiel gegen und mit dem Ball einfach viel besser wird, dann werden auch die Punkte kommen. Dann werden wir im Bereich des oberen Mittelfelds landen können. Aber dafür ist es noch sehr früh. Ich erinnere an Unterhaching, die waren am 16. Spieltag Dritter und am drittletzten waren sie so gut wie abgestiegen. Es ist sehr ausgeglichen, wir müssen gucken, dass wir früh von unten wegkommen.

Regensburg hat den MSV Duisburg am ersten Spieltag 3:1 geschlagen, uns danach richtig Paroli geboten. Manchmal hat man Spieltage, wo alles gegen einen läuft, dann kriegt man eben fünf Stück. Das passiert. Wenn eine Mannschaft, die vielleicht nicht ganz so stabil ist, zweimal verliert, ist sie schon angeknockt. Dortmund hat das gut ausgespielt, sie haben auch eine gute Mannschaft in diesem Jahr.

Vergleichen sollte man sich nicht. Der VfB ist der Erstligist, wir sind die Kickers, haben unseren eigenen Charme. Dass es in der Stadt unter den Fans eine Rivalität gibt, ist normal. Die Blauen gegen die Roten. Das ist so wie Schalke/Dortmund, HSV/St. Pauli, 1860/Bayern. Ich sehe das ganz ohne Emotionen.

Das Spiel war schon bisschen mehr Thema. Bisher konnten wir das gut weghalten von uns, aber in den letzten Tagen kam etwas Stress mit rein, Anspannung. Wir müssen mit dem Anpfiff diese Anspannung in Laufbereitschaft, in Kampf umwandeln.

Jeder betont schon, Trainer, ich bin da. Das merke ich, alle wollen mit dabei sein.

Eine ulkige Geschichte aus dieser Woche: Ich wohne in Kaarst, fahre in der U-Bahn von Neuss in Richtung nach Köln. Hinter mir steigt jemand aus, hat Kopfhörer auf und es läuft ein Song, in dem es darum geht, dass der BVB Meister wird. (stimmt an) „Ale ale ale oh, BVB 09“  Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, okay, der Fokus liegt nun auf dem Dortmund-Spiel.

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