"Knallharte Linie" nach 0:3

DORTMUND Borussia Dortmund bleibt in der Fußball-Bundesliga nur Mittelmaß. Vor 72.300 Zuschauern im Signal Iduna Park verlor der BVB nach der Niederlage in Berlin (2:3) am Samstag auch das Heimspiel gegen den Hamburger SV. Guerrero (7.), van der Vaart (42.) und Olic (64.) schossen einen ungefährdeten 3:0-Erfolg für die Gäste heraus.

von Von Sascha Fligge

, 25.09.2007, 21:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während sich die Hanseaten in der Tabelle zumindest bis Mittwoch auf Platz drei verbesserten, bleiben die Schwarzgelben Neunter. Der BVB, bei dem Florian Kringe in der 51. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote-Karte sah, kassierte bereits zum vierten Mal im siebten Saisonspiel mindestens drei Gegentore und zeigte sich gegen den HSV in bemitleidenswertem Zustand.

Vor dem Anstoß seines ersten Karriere-Duells mit den Nordlichtern hatte Thomas Doll Fans und Experten überrascht. Um der zuletzt beim 2:3 in Berlin quälend apathischen Raute wieder das Gesicht des 3:0-Sieges gegen Bremen zu geben (Kringe halblinks, Tinga in der defensiven Zentrale), beorderte der BVB-Trainer Mehmet Akgün (21) – gelernter offensiver Mittelfeldspieler und zuletzt Linksverteidiger im Regionalliga-Team – auf die rechte Verteidigungsbahn. Bezeichnend: Akgün, seit drei Jahren ohne jeden Profi-Einsatz, sollte an diesem Abend Dortmunds Bester sein. Sein Teamkollege Tinga überzeugte immerhin noch in kämpferischer Hinsicht.

Weidenfeller patzt

Bereits in der achten Minute wurden alle taktischen Planspiele über den Haufen geworfen: Torhüter Roman Weidenfeller, möglicherweise verunsichert durch die unsachliche Torhüterdiskussion der vergangenen Tage, patzte in zwei Minuten gleich zwei Mal. Sein unpräzises Abspiel landete auf dem Kopf von Hamburgs David Jarolim, der bediente Paolo Guerrero – plötzlich zappelte die Kugel im Eck, 0:1 (8.).

Doll forderte seine Mannschaft, die lediglich sieben Mal aufs Tor schoss (Hamburg: 23) und 47 Prozent aller Zweikämpfe gewann, an der Seitenlinie auf, bloß nicht in Hektik zu verfallen. Vergeblich.

Chancen spielte sich der BVB auch in der Folgezeit nur wenige heraus. Die mit Abstand beste Möglichkeit hatte Mladen Petric, dem am Montag Sonderurlaub für seine Hochzeit in Zürich eingeräumt worden war. Den Freistoß des Kroaten aus 22 Metern fischte HSV-Torhüter Frank Rost aus dem Winkel. Zuvor hatte Hamburgs Bastian Reinhardt – als letzter Mann – Diego Klimowicz gefällt. Schiedsrichter Fandel (Kyllburg) zog nur Gelb (37.).

Kurz darauf setzte Hamburg zum entscheidenden Stich gegen den Gastgeber an, der ab der 42. Minute auf seinen abermals enttäuschenden Spielmacher Giovanni Federico verzichtete und stattdessen mit Delron Buckley sowie der „Doppel-Sechs“ und zwei vorgeschobenen Außen antrat: Guerrero überlief Christian Wörns, schob die Kugel in den Rücken der BVB-Abwehr – und Rafael van der Vaart lochte mutterseelenallein zum 2:0 ein (42.). Pfiffe von den 72.300 zur Pause.

"Körperlos gespielt"

Erst fünf Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, da spielte der BVB nur noch zu zehnt. Florian Kringe hatte einen Fehler von Markus Brzenska ausbügeln müssen und war hart ins Duell mit Jarolim eingestiegen – Gelb-Rot (51.). Mladen Petric ließ sich zu allem Überfluss auch noch humpelnd gegen Nelson Valdez austauschen (61.) – es herrschte Stille im Stadion. „Heimspiel in Dortmund“, sangen die HSV-Anhänger. Und feierten.

In Überzahl erhöhte Hamburg nach Brzenskas nächstem Fauxpas gar noch auf 3:0 (64.). Erste Fans verließen daraufhin den Signal Iduna Park. Die Seele kochte. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Bejubelt wurden nur noch zwei Profis: Ex-Borusse Otto Addo, der in der 73. Minute beim HSV ins Spiel kam. Und Lars Ricken. Der Ausgemusterte.

Trainer Thomas Doll war nach dem Abpfiff bedient. "Ich muss mich für das, was wir heute abgeliefert haben, bei den Fans entschuldigen. Die erste Halbzeit war sehr hart!", sagte der Trainer. Sportdirektor Michael Zorc prangerte "kollektives Versagen" an und betonte, der Verein werde "in den kommenden Wochen eine knallharte Linie gegenüber unseren Spielern fahren. Sie waren Hamburg in allen Belangen, die den Fußball ausmachen, von der ersten Minute an unterlegen". KGaA-Boss Hans-Joachim Watzke empfand die Leistung als "eine einzige Frechheit. Das Team hat körperlos gespielt. Ich bin stinksauer. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem die sportliche Leitung Klartext sprechen muss. Wir haben unsere Spieler lange genug geschützt."

 

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