"Kuba" knackt Hamburg

Der späte Blasczyzkowski

Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit. Einige Journalisten hatten den Pressebereich des Hamburger Stadions, von dem kaum jemand weiß, welchen Namen es gerade wieder trägt, am Samstag bereits mit dem Diktiergerät im Anschlag verlassen.

HAMBURG

von Von Sascha Fligge

, 09.04.2011, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lass dich drücken: Jürgen Klopp (r.) herzt Torschütze Jakub Blaszczykowski.

Lass dich drücken: Jürgen Klopp (r.) herzt Torschütze Jakub Blaszczykowski.

An der Seitenlinie führte Jürgen Klopp (43) einen Veitstanz auf. Völlig losgelöst von der Erde und allem Irdischen, gab er sich dem Rausch der Endorphine hin. Dortmunds Trainer hatte in Owomoyela und Blaszczykowski den Erfolg eingewechselt. "Das war ein glückliches Händchen“, formulierte Sportdirektor Michael Zorc (48), verwies Sekundenbruchteile später darauf, dass es „selten ein gerechteres Unentschieden“ gegeben habe und beschied dem Torschützen „hohe Effektivität“. Blaszczykowski wird das Lob mit Genugtuung vernommen haben. Vielleicht auch mit einem Maß an Freude, wie es in seinem speziellen Fall seit Monaten keineswegs an der Tagesordnung sein dürfte. In Borussia Dortmunds Team der Emporkömmlinge, die sich in dieser Saison von fast Namenlosen zu Gejagten des europäischen Fußball-Jetsets entwickelt haben, ist Polens Nationalspieler ein Hort der Stagnation. Vielleicht sogar einer des Rückschritts. "Meine letzte Saison war nicht gut“, sagt er selbst. Und die gerade vor dem Abschluss stehende war nicht viel besser.

Mario Götze (18) hat ihm den Platz im rechten Mittelfeld abgeluchst. Blasczykowski ist zum Edelreservisten geworden, der nicht mit der engen Ballführung des Riesentalents konkurrieren kann. Nicht mit dessen Ideenreichtum und nicht mit Götzes Effektivität im Vorbereiten von Toren. 13 hat Götze in dieser Saison schon eingeleitet, einzig Münchens Franck Ribery weist mehr auf. Es gibt kein Vorbei mehr an dem jungen Professorensohn, jedenfalls nicht für den Mann, den sie "Kuba“ nennen. Und die Situation könnte sich noch verschärfen, falls der BVB zur kommenden Saison in Ivan Perisic (22/FC Brügge) und Ilkay Gündogan (20/Nürnberg) zwei weitere Mittelfeldspieler verpflichtet, zu denen sich definitiv auch noch der Langzeitverletzte Shinjia Kagawa (22) gesellen wird.

In Hamburg hat Blaszczykowski "seine Zeit gebraucht, bis er im Spiel war“. Den Flanken des Sprinters fehlte es an Präzision. Immer und immer wieder. Bis die zweite Minute der Nachspielzeit einen milden Schleier auf alles Vorausgegangene legte. "Kuba ist brutal wichtig für diese Mannschaft“, sagte Trainer Jürgen Klopp später während der Pressekonferenz. Ob seine Worte vor allem punktuell zu verstehen waren, oder ob sie auf Nachhaltigkeit gründen, ist eine Frage, die vor dem Saisonende niemand in Dortmund beantworten wird. Über Blaszczykowskis Treffer in Hamburg jedenfalls werden Fans, Bosse und Spieler womöglich noch lange sprechen. "Es kann sein“, sagt Sven Bender (21), Dortmunds störrischer Wellenbrecher im defensiven Mittelfeld, "dass wir in einigen Wochen sagen: Dieses Tor hat die Meisterschaft entschieden.“ Manch ein Journalist hätte es schon deshalb gern live gesehen. Und nicht nur am Monitor.  

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