Labbadia bringt dem VfB Stuttgart Erfolg

Der BVB-Gegner

Auf den VfB Stuttgart ist kein Verlass mehr. In den vergangenen Jahren spielten die Schwaben häufig eine ernüchternd schwache Vorrunde und arbeiteten sich nach der Winterpause durch einen bemerkenswerten Kraftakt in der Tabelle hoch – gerne auch mal begleitet von einem Trainerwechsel. Ganz entgegen seiner Gewohnheit haben die Schwaben nun aber einen gelungenen Start hingelegt. Fünf Siege aus zehn Spielen bedeuten Rang fünf und: Europacup-Kurs.

STUTTGART

von Von Elmar Neveling

, 28.10.2011, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bruno Labbadias Arbeit beim VfB Stuttgart wird vom schwäbischen Publikum geschätzt. Unter der Leitung des impulsiven Trainers haben die Schwaben eine funktionierende Grundordnung entwickelt.

Bruno Labbadias Arbeit beim VfB Stuttgart wird vom schwäbischen Publikum geschätzt. Unter der Leitung des impulsiven Trainers haben die Schwaben eine funktionierende Grundordnung entwickelt.

Ein Wiedersehen mit seinem Ex-Klub wird am Samstag der Spielmacher Tamás Hajnal feiern, der von 2008 an zweieinhalb Jahre lang das schwarzgelbe Trikot getragen hatte. Weil dem feinen Techniker hinter Mario Götze, Shinji Kagawa und Interims-Regisseur Robert Lewandowski nur ein Reservistendasein blieb, wechselte er im vergangenen Winter nach Stuttgart. Dort entwickelte sich der 30-Jährige zum Stammspieler, trug wesentlich zum Klassenerhalt bei. Gemeinsam, mit dem Japaner Shinji Okazaki, der ebenfalls Anfang des Jahres zu den Schwaben stieß und sich rasch als die erhoffte Verstärkung erwies, sorgt Hajnal für das Kreative im VfB-Spiel.

Vor dem Heimspiel gegen seine früheren Kollegen äußert er sich respektvoll, aber zugleich selbstbewusst. „Dortmund spielt sehr starkes Pressing und arbeitet gut gegen den Ball. Das hat die Mannschaft verinnerlicht. In der Champions League hat der BVB Probleme, aber dafür ist er in der Bundesliga wieder in der Spur“, sagte Hajnal. Und: „Auch wir arbeiten defensiv gut. Ich erwarte ein sehr intensives und spannendes Spiel, bei dem die Fans auf ihre Kosten kommen werden.“Dass diese Begegnung für ihn keine gewöhnliche ist, verhehlt Hajnal nicht: „Für mich ist das schon ein besonderes Spiel. Ich freue mich sehr auf diese Partie vor ausverkauftem Haus und hoffe auf ein erfolgreiches Ende dieser Englischen Woche.“

Eine Englische Woche, auf deren Beginn mit dem 2:2 in Nürnberg ein souveräner 3:0-Pokalerfolg über Zweitligist FSV Frankfurt folgte. Nun gastiert in der Liga also der Titelverteidiger beim VfB. Labbadia und Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic (auch ein Ex-Dortmunder) haben getreu dem Motto „Schaffe, schaffe, Mannschaft baue“ nicht nur in den Fällen Hajnal und Okazaki ein feines Näschen bewiesen: Aufgrund der langwierigen Verletzung von Kapitän Matthieu Delpierre sicherte sich die VfB-Führung zuletzt auch die Dienste des mexikanischen Verteidigers Maza, der mit vollem Namen Francisco Javier Rodriguez Pinedo heißt.

Nach drei Jahren beim niederländischen Klub PSV Eindhoven war der 30-jährige Nationalspieler bereits mit dem europäischen Fußball vertraut und verhalf der Stuttgarter Defensive direkt zu mehr Stabilität. Auch offensiv setzt Maza Akzente, wie sein spätes Ausgleichstor am vergangenen Wochenende verdeutlichte, das dem VfB in Nürnberg zumindest einen Zähler sicherte. Die Vorlage zu diesem Kopfballtreffer stammte übrigens von William Kvist, einem weiteren Volltreffer, den die Baden-Württemberger auf dem Transfermarkt gelandet haben. Vom FC Kopenhagen gekommen, sicherte sich auch der 26-jährige Däne direkt einen Stammplatz – als Kampagnon von Zdravko Kuzmanovic auf der so genannten Doppel-Sechs.

Stuttgarts zentrales Duo ist bislang ein Muster an Harmonie. Wie Meister Dortmund setzt auch der VfB auf ein 4-2-3-1-System, in dem (zum Beispiel) Cacau als einzige Spitze agiert. Der Nationalstürmer ist jedoch ebenso wie Abwehrspieler Serdar Tasci angeschlagen. Ob die Beiden gegen den BVB auflaufen können, ist noch ungewiss. Müsste Cacau tatsächlich passen, droht Stuttgart ein Stürmerengpass: Denn in Julian Schieber und Pavel Pogrebnyak stehen zwei weitere Angreifer verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

Gegen Dortmund feierten die Schwaben einst einen ihrer höchsten Bundesliga-Siege: Beim 7:0 vor gut zwanzig Jahren, im Februar 1991, lag der VfB bereits nach elf Minuten mit 3:0 in Führung. Borussias heutiger Torwarttrainer Wolfgang „Teddy“ de Beer stand damals im BVB-Kasten; Sportdirektor Michael Zorc versuchte im Mittelfeld vergeblich, die unzähligen Löcher zu stopfen. Beide werden sich mit Unbehagen erinnern und lieber an den 3:1-Auswärtssieg vom letzten Jahr denken, mit dem der BVB am zweiten Spieltag eine beeindruckende Siegesserie einläutete. Eine, die schließlich bis zur Deutschen Meisterschaft führte.

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