"Lebensversicherung" Pizarro benötigt Schlaf

Der BVB-Gegner

So einen Freitag lieben die Bremer: Der wiedererstarkte SV Werder spielt unter Flutlicht, der Meister aus Dortmund kommt, und dann startet wenige Kilometer vom Weserstadion entfernt auch noch der Freimarkt. „Das kann wirklich ein Super-Spiel werden“, schwärmt Werder-Coach Thomas Schaaf.

BREMEN

von Von Björn Knips

, 13.10.2011, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Bremen ist die Stimmung wieder ausgelassen. Einen großen Anteil daran hat Stürmer Claudio Pizarro

In Bremen ist die Stimmung wieder ausgelassen. Einen großen Anteil daran hat Stürmer Claudio Pizarro

Ohne den 33-Jährigen in Topform ist der Tabellenzweite einfach nur die Hälfte wert – das hat die vergangene Spielzeit eindrucksvoll bewiesen. Pizarro fiel mehrfach wegen muskulärer Probleme aus und Werder die Bundesliga-Treppe immer weiter und weiter runter. Erst spät konnte der freie Fall gestoppt und der Abstieg verhindert werden. Doch nun ist Werder wieder da – vor allem dank Pizarro, aber auch dank des wiederentdeckten Teamgeistes. Trainer Thomas Schaaf setzte die in der Rückrunde der Vorsaison aufgenommene Zusammenarbeit mit Mentalcoach Jörg Löhr fort. Vom ehemaligen Handball-Profi sind die Werder-Akteure begeistert. Sie lieben es, im Training nach Niederlagen bei Übungsspielchen nicht mit Liegestütze bestraft zu werden, sondern eine Menschenpyramide bauen zu müssen.

Da steigt ein Clemens Fritz auf Tim Wiese – und ganz oben versucht Marko Marin das Gleichgewicht zu halten. Am Ende haben alle ihren Spaß. Das ist neu an der Weser, wo vergangene Saison Trainer Thomas Schaaf zum knorrigen, total verschlossenen Vorarbeiter geworden war. Der Coach hat sich geöffnet, lacht auch wieder in der Öffentlichkeit. Das Lachen war ihm nach einer guten Vorbereitung allerdings kurzzeitig vergangen. Das Pokal-Aus beim Drittligisten 1. FC Heidenheim schmerzte gewaltig, tat der Mannschaft in der Nachbetrachtung aber richtig gut. Nun lässt keiner mehr locker, der Konkurrenzkampf ist so groß wie lange nicht. Das Team hat sogar den Verlust der beiden letzten Kapitäne Per Mertesacker (FC Arsenal) und Torsten Frings (FC Toronto) gut weggesteckt.

Letzterer wird mit seiner zuletzt doch recht schroffen Art kaum noch vermisst, Nachfolger Clemens Fritz wählt da im Umgang mit den jungen Spielern einen wesentlich diplomatischeren Weg. Gleichzeitig haben die Neuzugänge Sokratis, Andreas Wolf und Aleksandar Ignjovski für die Abwehr gut eingeschlagen. Lediglich Fünf-Millionen-Mann Mehmet Ekici, der vergangene Saison vom FC Bayern an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen war, blieb bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Werder kann es verkraften, weil das ewige Talent Aaron Hunt aufblüht und auch Marko Marin gut in Schuss ist. Ganz vorne hat endlich der Chaot aus Österreich, Marko Arnautovic, in die Spur gefunden, ehe ihn am vergangenen Spieltag ein blöder Tritt stoppte und er Rot sah. Arnautovic ist deshalb Freitag genauso nur Zuschauer wie Keeper Tim Wiese, für ihn spielt Sebastian Mielitz.

Doch das kann der Tabellenzweite, der „kein Bayern-Jäger ist“ (Werder-Boss Klaus Allofs) verkraften. Hauptsache Pizarro ist dabei. „Das wird nicht leicht für ihn, die Erwartungshaltung an ihn hier ist sehr groß“, prophezeit zwar Schaaf, gibt sich aber optimistisch: „Claudio weiß, wie groß seine Verantwortung ist. Außerdem hat er die Erfahrung, diese Situation zu meistern.“ Und nach der Begegnung kann er noch genug schlafen – zumindest bis Samstagabend, denn dann wollen die Werder-Profis den Freimarkt unsicher machen – am liebsten als Meister-Bezwinger, wie Lukas Schmitz, der Ex-Schalker in Reihen der Bremer betont: „Siege gegen Dortmund sind am schönsten.“

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