Das Hinspiel gegen Leipzig war für den BVB mit 4:1 eine klare Angelegenheit - am Samstag steigt die Revanche. RB-Kapitän Willi Orban freut sich auf eine besondere Partie.

Dortmund

, 18.01.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Winterpause ist vorbei. Wie sehr kribbelt’s?
Die Vorfreude ist riesig. Die ganze Mannschaft ist heiß auf Samstag. Es ist nicht nur die erste Partie im neuen Jahr, sondern auch direkt das Spiel gegen den Tabellenführer. Das ist schon besonders. Wir haben in der Vorbereitung gut gearbeitet. Ich bin überzeugt, dass wir bestens vorbereitet sind und gegen den BVB auf den Punkt da sein werden.

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Ist es schöner, mit einem echten Kracher in die Rückrunde zu starten - oder wünscht man sich eher einen leichteren Auftaktgegner?

Ich find’s super, direkt gegen eine Top-Mannschaft zu spielen. Danach wissen wir sofort, wo wir stehen. Ich glaube, wir haben in der Hinrunde bewiesen, dass wir gerade zuhause unheimlich stabil und konstant gepunktet und gespielt haben. Deswegen denke ich auch nicht, dass wir am Samstag Außenseiter sind, sondern glaube, dass vor unseren Fans alles möglich ist.


Sie sehen also eher die Chancen eines solchen Topspiels als die Gefahr, einen Fehlstart in die Rückrunde hinzulegen?

Wir haben schon viel Respekt vor Borussia Dortmund, so ist es nicht. Aber sie haben eine Mannschaft, die immer Fußball spielen möchte. Das kommt uns grundsätzlich entgegen. Auch deswegen sehen wir die Chance zu zeigen, was wir drauf haben – und uns direkt zu beweisen nach der Winterpause. Wir haben eine gute Hinrunde gespielt und wollen unsere Chance gegen den BVB nutzen.

Leipzig-Kapitän Willi Orban im Interview: Der BVB hat gute Chancen auf den Titel

Am Samstag trifft die beste Abwehr der Liga auf die beste Offensive. Wird’s eher Spektakel oder eher Abwehrschlacht?

Es ist beides möglich. Beide Mannschaften bringen viel Qualität mit. Wir haben uns defensiv enorm stabilisiert in dieser Saison, das stimmt. Wir wollen natürlich auch gegen den BVB gut verteidigen und wenig zulassen. Trotzdem treffen am Samstag zwei Mannschaften aufeinander, die nicht unbedingt für Defensiv-Fußball stehen.


Was muss RB auf den Platz bringen, um in der Bundesliga zuhause weiterhin ungeschlagen zu bleiben?

Es wird darum gehen, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Das müssen wir schaffen. Die Grundlage dafür ist die Arbeit gegen den Ball. Wir müssen griffig sein und den BVB nicht zur Entfaltung kommen lassen. Auch die Standards werden eine wichtige Rolle spielen. In der Hinrunde (4:1 für den BVB, Anm. d. Red.) haben wir zwei Gegentore nach ruhenden Bällen bekommen und das Spiel aus der Hand gegeben.


Paco Alcacer war im Hinspiel noch nicht dabei beim BVB. Der Spanier hat insbesondere als Einwechselspieler eine irre Torquote. Frage an Sie als Abwehrspieler: Bekommt man Angstschweiß, wenn er sich draußen aufwärmt - und wie verteidigt man ihn?

(lacht) Die Bilanz ist beeindruckend. Er braucht so gut wie keine Chancen, um Tore zu erzielen. Ich mache mir trotzdem keine allzu großen Sorgen. Wir müssen aufmerksam, konzentriert und wachsam sein. Das gilt aber nicht für Paco Alcacer, dafür hat der BVB in der Offensive viel zu viel Qualität. Mario Götze kann den Unterschied ausmachen, Marco Reus sowieso, Jadon Sancho auch. Wir müssen 90 Minuten voll auf der Hut sein.


Ich stelle mal eine These auf: Der BVB wird Meister und RB Leipzig spielt in der kommenden Saison in der Champions League. Stimmen Sie zu?

Äh. Ja.


Das kommt zögerlich. Warum?

Wir wollen in die Champions League, das steht fest. Und ich glaube auch, dass der BVB gute Chancen hat, Deutscher Meister zu werden. Trotzdem ist es noch so eng an der Tabellenspitze, dass ich nichts für entschieden halte. Ich bin gespannt, wie der BVB damit umgeht, in der Rückrunde von allen gejagt zu werden. Sie haben genug Erfahrung und Qualität, um diese Situation sprichwörtlich zu meistern. Aber einfach wird’s nicht.


Und RB Leipzig? Blick nach oben oder Blick nach unten? Sie sind Tabellenvierter.

Blick auf uns. Alles andere ergibt keinen Sinn. Wir müssen uns von Spiel zu Spiel verbessern, dann werden wir am Saisonende auch belohnt werden.

Willi Orban (l.) hat sich „voller Überzeugung“ für die ungarische Nationalmannschaft entschieden.

Willi Orban (l.) hat sich „voller Überzeugung“ für die ungarische Nationalmannschaft entschieden. © imago

Blick auf Sie: Sie haben in der Hinrunde Ihr Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert. Warum haben Sie sich für die ungarische Nationalmannschaft entschieden? Haben Sie nicht mehr an einen Anruf von Joachim Löw geglaubt?

Das war keine Entscheidung gegen den DFB. Ich habe mich voller Überzeugung für Ungarn entschieden.


In der U21 haben Sie noch für den DFB gespielt.

Ich hatte die Chance, in Ungarn auf Anhieb zu spielen. Auch eine wichtige Rolle zu spielen. Der Plan ist aufgegangen. Ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl, konnte schon Erfahrungen in der Nations League sammeln. Jetzt freue ich mich auf die EM-Qualifikation. Einmal bei einem großen Turnier dabei zu sein, das wäre ein Traum.


Sie sind seit 2015 in Leipzig, sind Kapitän, im Sommer kommt Julian Nagelsmann als Trainer: Wie groß sind die Sorgen, die sich die „etablierten Spitzenklubs“ machen müssen?

Das hängt ja nicht nur von uns ab, sondern auch von den anderen Klubs (lacht). Der BVB hat eine sehr konstante Entwicklung hingelegt in den vergangenen Jahren, über die Bayern müssen wir nicht sprechen. Für uns ist es so: Man sieht von Jahr zu Jahr, dass wir Fortschritte machen - und ich glaube, dass wir mit Julian Nagelsmann noch einmal einen weiteren Sprung nach vorne machen werden in unserer Entwicklung. Ich freue mich sehr darauf, aber bis dahin gibt es ja noch ein bisschen was zu tun.


Die Kritik - auch der Traditionsklubs - am Modell von RB Leipzig ist nicht neu. Sie wurden in Kaiserslautern ausgebildet. Die Roten Teufel kicken mittlerweile am Abgrund in der 3. Liga, Sie mit Leipzig international. Wenn Sie die Entwicklungen in Kaiserslautern und Leipzig vergleichen, wie bewerten Sie sie?

Ich glaube, dass man RB Leipzig nicht dafür verantwortlich machen kann, dass einige Traditionsvereine abgestiegen sind. Ich finde es total schade, dass gerade der 1.FCK so schwierige Zeiten durchmacht. Aber die Gründe dafür liegen bestimmt nicht in Leipzig. In Kaiserslautern ist zuletzt wahrscheinlich auch nicht alles optimal gelaufen . Da sehe ich die Ursache - und niemand muss den Schwarzen Peter deshalb nach Leipzig schieben. Man muss schon selbst seine Hausaufgaben machen und gut wirtschaften.


RB Leipzig muss nicht gut wirtschaften.

Ich denke, gutes Arbeiten geht mit gutem Wirtschaften einher. Es gibt genügend andere Beispiele, wo Klubs mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden und trotzdem zu wenig aus diesen Vorteilen machen. Hier in Leipzig wird gute Arbeit geleistet und es gibt eine ganz klare Philosophie, das sollte man anerkennen.

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