Lernen wie in der Schule

BVB-Akademie

DORTMUND In der BVB-Akademie sollen Talente sich künftig ganztags mit dem Lernfach Fußball beschäftigen. Dabei ist der Unterschied zum normalen Schulalltag gar nicht weit entfernt

von Von Dirk Krampe

, 08.10.2009, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein echter Hingucker: Das BVB-Trainingsgelände Hohenbuschei.

Ein echter Hingucker: Das BVB-Trainingsgelände Hohenbuschei.

 Der Wunsch der Vereine, eigene Talente früh und schnell in die Kader zu integrieren, ist nun nicht neu. Und einleuchtend. Sie im Klub zu entwickeln, ist weitaus günstiger, als „fertige“ Kicker kaufen zu müssen. Dazu haben eigene Nachwuchskräfte naturgemäß eine viel höhere Identifikation mit dem Verein und sind bei den Fans beliebter. Mit Jugend-Internaten haben alle Bundesligisten versucht, diesen Weg erfolgreich zu gehen. Borussia Dortmund  geht nun noch einen Schritt weiter. Die „BVB-Akademie“ wird sich in absehbarer Zeit um die Fußballer kümmern, die auf der Schwelle zum Profifußball stehen. Die die Schulzeit hinter sich haben – und ausreichend Zeit, ihren Traum zu verwirklichen. Die aber auf der anderen Seite genau in dieser Entwicklungsphase oft allein gelassen werden.

 „Warum“, fragt sich Chef-Trainer Jürgen Klopp, „ist der Übergang vom Junioren- in den Profibereich so schwierig?“ Die Antwort meint er zu kennen: „Jugendförderung endet in der Regel in der U19. Das ist aber viel zu früh. Mit der BVB-Akademie sprechen wir die Spieler im Alter zwischen 19 und bis zu 23 Jahren an.“ In einer Lebensphase, in der sie noch geformt werden müssen, in der sie sich gern formen lassen. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass sie gerade dann Hilfestellungen und Anleitungen erfahrener Trainer und Betreuer brauchen. Wie in der Schule sollen die Akademie-Schüler Tages füllend auf dem Trainingsgelände beschäftigt sein und sowohl im fußballspezifischen als auch im taktischen Bereich geschult werden. „Sie werden“, sagt Klopp, „den ganzen Tag in ihrem Lieblingsfach Fußball unterrichtet. Und zwar in allen denkbaren Bereichen.“

 Eine ganze Reihe von Spielern, die beim BVB Perspektive besitzen, kommen für einen Platz in der Akademie in Frage. Spieler wie Marc Hornschuh, Mario Götze oder Marco Stiepermann beenden in absehbarer Zeit ihre schulische Laufbahn – sie könnten die ersten Nutzer der neuen Strukturen sein. Angesprochen sind freilich auch die, die schon auf dem Sprung sind oder ihn geschafft haben. Wie ein Julian Koch, wie ein Daniel Ginczek. Ein hohes Eigeninteresse ist Voraussetzung: „Das Ganze“, sagt Klopp, „ist eine Ganztagsbeschäftigung. Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen.“ Drei Millionen Euro lässt sich der BVB das Projekt, das von Klopp, Sportdirektor Michael Zorc und den Scouts wie Sven Mislintat entwickelt wurde, kosten. Alle beschäftigen Trainer im BVB werden künftig eingebunden. Viel lernen aus vielen verschiedenen Perspektiven ist das Motto.

 Auf dem Trainingsgelände wird noch im Herbst der Spatenstich für ein neues Gebäude erfolgen. Dorthin sollen später die Profis umsiedeln, die Akademie würde dann in die Hauptgebäude einziehen. Dazu soll ein weiterer Rasenplatz entstehen. „Dann“, sagt Zorc, „sind wir endlich in der Lage, alle Teams an einem Ort zu trainieren.“ Derzeit weichen immer noch wechselweise Junioren-Teams an den Rabenloh aus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erhofft sich wie Klopp und Zorc langfristige Effekte. Deutlich mehr Talente aus den eigenen Reihen sollen den Sprung zu den Profis schaffen. Das Trio ist zuversichtlich, dass sich die Investitionen mittelfristig auszahlen.

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