Lucien Favres Vergleich zur vergangenen Saison hinkt gewaltig

mlzKommentar

Der BVB-Trainer erinnerte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Werder Bremen an eine schwache Phase in der Vorsaison - doch die Ansprüche haben sich geändert.

Dortmund

, 26.09.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eins wurde deutlich bei den Aussagen von Michael Zorc vor der Partie gegen Bremen: Die Wucht der medialen Kritik nach dem Dortmunder 2:2 in Frankfurt traf den BVB ziemlich unvorbereitet. Vielleicht dauerte es ja deshalb satte vier Tage, ehe der Dortmunder Sportdirektor am Donnerstag reagierte.

Zorc wirkte mühsam beherrscht, einen Ausbruch, wie man ihn unlängst in München schon mal erlebt hat, der war allerdings von ihm nicht zu erwarten. In Teilen seiner medialen Schelte hatte Zorc Recht: Die Diskussion um Marco Reus und das Kapitänsamt, wie sie der Boulevard in dieser Woche geführt hat, ist völlig überzogen.

Die Ziele sind ganz andere als vor 15 Monaten

Die Bedenken, ob es dieser Mannschaft vor allem in den engen Spielen gegen wehrhafte Gegner an der letzten Überzeugung und Gier fehlt, sind allerdings nicht neu und angebracht. Es gibt sie nicht erst seit dem Spiel in Frankfurt.

Trainer Lucien Favre verwies am Donnerstag auf die Vorsaison. 0:0 habe man da in Hannover gespielt, das war am zweiten Spieltag. Wenig später hätte man in Hoffenheim eigentlich verlieren müssen, das 1:1 war am Ende sehr glücklich.

Lucien Favres Vergleich zur vergangenen Saison hinkt gewaltig

Das 0:0 gegen Hannover 96 in der vergangenen Saison ist nicht zu vergleichen mit den Auftritten in dieser Spielzeit. © imago/Team 2

Doch der Vergleich zum Vorjahr hinkt gewaltig. Zum einen wähnte man sich eigentlich schon mehrere Schritte weiter. Zum anderen sind die Ziele ganz andere als vor 15 Monaten, als Favre diese Mannschaft übernommen hatte. Und angesichts der (selbst formulierten) hochgesteckten Ziele war auch klar, dass die kritische Betrachtung der (fehlenden) Weiterentwicklung dieser Mannschaft viel schneller einsetzen wird als im Vorjahr.

Insofern traf auch eine andere Bemerkung von Zorc nicht ganz ins Schwarze. Zwar sind tatsächlich erst fünf Spieltage gespielt, die Saison der Borussia liegt daher keinesfalls schon in Scherben.

Die interne Analyse wird wesentlich kritischer ausfallen

Doch wie knapp es am Ende zugehen kann, hat der BVB ja in der Vorsaison leidvoll erfahren. Und wenn sich alte Verhaltensmuster, die man abgestellt haben wollte, in die neue Saison hineinziehen, ist die Frage nach der Mentalität keinesfalls überzogen.

Lucien Favres Vergleich zur vergangenen Saison hinkt gewaltig

Michael Zorc stellte sich auf der Pressekonferenz vor die Mannschaft. © imago images / Thomas Bielefeld

So oder so liegt es an der Mannschaft, die Diskussion schnell zu beenden. Mit einem Erfolg gegen Werder Bremen. Und vor allem mit guten Auftritten in den beiden folgenden Auswärtsspielen in Prag und in Freiburg. „Das ist die Herausforderung“, sagte Zorc.

Dass er und Favre sich öffentlich in dieser Situation vor die Mannschaft stellen, ist verständlich und erklärbar. Es wäre allerdings fatal, wenn die interne Analyse nicht wesentlich kritischer ausfallen würde.

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