Mahmoud Dahoud spricht viel und schweigt trotzdem - schwierige Situation beim BVB

mlzU21-Nationalmannschaft

Mal genial, mal konfus: Mahmoud Dahoud hat beim BVB einen schweren Stand. Bei der U21 sammelt er Spielpraxis und Selbstvertrauen. Er spricht viel - und schweigt trotzdem.

Dortmund

, 22.03.2019, 18:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Schlusspfiff stemmte Mahmoud „Mo“ Dahoud die Hände in die Hüften. 90 Minuten Fußball spielen, das hat er lange nicht erlebt, da musste er erst einmal wieder Luft in die Lungen pumpen. Borussia Dortmunds Mittelfeldspieler war diese Abwechslung willkommen, die er im Kreis der U 21 beim 2:2 gegen Frankreich am Donnerstagabend genoss.

Beim BVB Bankdrücker, beim DFB Strippenzieher

Beim BVB Bankdrücker, beim DFB Strippenzieher. Dahoud redet und dirigiert, zeigt und instruiert. Am liebsten hätte er jeden Ball zugepasst bekommen. Im Spielaufbau, im Mittelfeld, selbst am und im gegnerischen Strafraum endete seine Spielfreude nicht.

„Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Vor allem dann, wenn er mit dem Ball am Fuß aufdreht.“
Stefan Kuntz über Mo Dahoud

„Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Vor allem dann, wenn er mit dem Ball am Fuß aufdreht“, sagte U 21-Trainer Stefan Kuntz im Gespräch mit dieser Redaktion. „Mit seinen kurzen Bewegungen gewinnt er viele Zweikämpfe und kann dadurch Überzahl im Mittelfeld schaffen.“ Wenn er diese Fähigkeiten einbringe, so Kuntz, „dann ist er für uns sehr wichtig“. Sein Wunsch: viele Spielanteile für Dahoud in Dortmund.

In seinen besten Phasen, den beschriebenen „Mo“-Momenten, ist es eine Freude, Dahoud beim Kicken zuzugucken. Das sind diese Momente, wenn er im Fußumdrehen dem Spiel eine andere Richtung gibt, ansatzlos das Tempo anzieht oder die Temperatur herunterkühlt, Raum für Kombinationen sucht und findet, wo andere nur Abwehrbeine sehen.

Komplizierte Situation beim BVB

Im Kreis der Nachwuchs-Nationalmannschaft, mit der er 2017 Europameister wurde und jetzt die Wiederholung dieses Coups im kommenden Sommer plant, ist Dahoud ein Lautsprecher. Solange er auf dem Rasen steht. Davor oder danach sagt er am liebsten – nichts. Keine Werbung in eigener Sache, kein Lob für die Mitspieler, keine Analyse. Und kein Sterbenswörtchen über die für ihn sicher komplizierte und wenig zufriedenstellende Situation bei seinem Klub.

Mahmoud Dahoud spricht viel und schweigt trotzdem - schwierige Situation beim BVB

Nach anfänglich starken Leistungen in dieser Saison ist der 23-Jährige ins Hintertreffen geraten, wenn es um die Einsatzzeiten bei Borussia Dortmund geht. Den erwarteten, erhofften, herbeigesehnten nächsten Schritt in seiner Entwicklung von einem Talent mit außergewöhnlichen Fähigkeiten hin zu einem Stamm- und Führungsspieler will sich beim BVB nicht einstellen.

Favre findet für Dahoud keine Verwendung beim BVB

Sein einstiger Mentor und Förderer zu Zeiten bei Borussia Mönchengladbach, Lucien Favre, findet nur noch selten Verwendung für Dahoud. „Das bedeutet nichts, dass wir uns kannten“, ahnte er schon im Spätsommer. „Er stellt strikt nach Trainingseindrücken und Leistung auf, das war schon immer so.“

Lucien Favre setzt im Mittelfeld auf andere Kräfte. Mahmoud Dahoud muss oft von der Bank aus zusehen.

Lucien Favre setzt im Mittelfeld auf andere Kräfte. Mahmoud Dahoud muss oft von der Bank aus zusehen. © Kirchner

An Engagement mangelt es Dahoud nicht. Er spult, sobald er von der Leine gelassen wird, ein Dutzend Kilometer ab und dreht auf wie der bekannte Duracell-Hase. Doch mit der abgebrühten Professionalität und klinischen Effizienz eines Axel Witsel kann er sich nicht messen. Zumindest noch nicht.

Es fehlt an Konzentration

Denn es gibt ja auch die anderen „Mo“-Momente. Dann fehlt Dahoud von einer Sekunde auf die andere die Konzentration. Fehler schleichen sich ein, das Spiel wirkt fahrig, hastig. Auch das gehört zu den wiederkehrenden Eindrücken, auch bei der U 21. Dort darf er, geboren am 1.1.1996, noch bis zum Sommer mitspielen. Dann endet der Welpenschutz endgültig.

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