Schon früh in der Saison kommen BVB-Spieler wie Erling Haaland, Jude Bellingham oder Manuel Akanji in puncto Belastung gefährlich nahe an den roten Bereich. © imago / RHR-Foto
Meinung

Marco Rose gelingt BVB-Drahtseilakt – Belastung im roten Bereich

Borussia Dortmund kommt ohne größere Schrammen durch die erste Saisonphase. Marco Rose gelingt ein Drahtseilakt - doch die Belastung vieler BVB-Spieler befindet sich schon jetzt im roten Bereich.

Drei Siege in dieser Englischen Woche zeugen von (fast) perfekten acht Tagen für Borussia Dortmund. Anders als einige hoch ambitionierte Konkurrenten (Gladbach, Leipzig!) hat der BVB die schwierige erste Phase nach einer zerstückelten und wenig produktiven Vorbereitung ohne größere Beulen und Schrammen erfolgreich hinter sich gebracht. Auf den ersten Blick zumindest.

Denn der Weg bis hierhin war ein absoluter Kraftakt, der im Spiel gegen Union Berlin noch um ein weiteres Kapitel bereichert wurde. Unnötig, darin waren sich alle einig, die sich über 60 dominante Minuten der Borussia zunächst freuen durften, die dann aber mit ansehen mussten, wie dem BVB dieses Spiel beinahe noch aus den Händen glitt.

Personelle Besserung ist beim BVB nur langsam in Sicht

Trainer Marco Rose kam mit der Aufzählung der Spieler, die in der Schlussphase wahlweise „müde“, „kaputt“ oder „sehr müde“ waren, kaum noch hinterher. Es ist die Kehrseite der sehr ordentlichen Bilanz bis hierhin: Diejenigen, die gerade nicht verletzt sind, haben die meisten Partien wegen der seit Saisonbeginn stattlichen Belegung des BVB-Lazaretts mehr oder weniger durchspielen müssen. Schon früh in der Saison kommen einige wie Erling Haaland, Jude Bellingham, Manuel Akanji oder Marco Reus in puncto Belastung gefährlich nahe an den roten Bereich.

Andere wie Mats Hummels, Thomas Meunier oder Axel Witsel, die aus unterschiedlichsten Gründen noch gar nicht bei 100 Prozent sein können, müssen länger spielen als eigentlich aus Verletzungsprävention angeraten wäre. Und Besserung ist nur langsam in Sicht. Thorgan Hazard stand gegen die Köpenicker immerhin wieder im Kader. Auf BVB-Allrounder Emre Can und Giovanni Reyna hingegen wird man noch mindestens zwei Wochen warten müssen, auf Julian Brandt ebenso. Personelle Hilfe, die Rose sehnlichst erwartet.

Partie in Freiburg dient als warnendes Beispiel für den BVB

Die Fans honorieren den bislang erfolgreichen Drahtseilakt. Es gab viel Unterstützung und Anerkennung nach dem Abpfiff, was dafür spricht, dass die Anhängerschaft respektiert, wie schwierig die Situation trotz der sportlich guten Zahlen gerade ist. Murren über die 30 Minuten, in denen die Partie fast noch gekippt wäre, hörte man kaum.

Auch die Spieler zeigen sich selbstkritisch genug. Erneut gab es zwei Gegentore, beide waren vermeidbar. Und einen Kontrollverlust, der einer trotz der Ausfälle immer noch gut besetzten Mannschaft nicht passieren darf. Nun sind es schon elf Gegentore in fünf Spielen. Besserung ist vonnöten, auch wenn Dortmund bislang auf die Widerstände innerhalb eines Spiels immer noch eine Antwort gefunden hat. Dass das nicht immer gelingen wird, darin sind sich alle einig. Die Partie in Freiburg dient als warnendes Beispiel.

Fragiles Miteinander von Ultraszene und BVB-Klubführung

Verzeihen die Fans derlei sportliche Nachlässigkeiten momentan sehr gerne, auch weil die Ergebnisse sie ein Stück weit kaschieren, gehen sie in einem anderen Punkt sehr klar auf Konfrontation zum Klub. Die Art und Weise, wie Borussia Dortmund ein Trikot durchgeboxt hat, dessen Design und Ausgestaltung schon vor Monaten heftigen Unmut in der Anhängerschaft ausgelöst hat, ruft in Teilen der Fanszene Fassungslosigkeit hervor. Auch am Sonntag gab es im Stadion dazu eine deutliche Meinungsäußerung der Ultra-Szene.

Das letztlich uneingelöste Versprechen, sich diese Kritik zu Herzen zu nehmen und darauf zu reagieren, sowie letztlich auch die fehlende Kommunikation in diesem Punkt könnte zu einer neuen Zerreißprobe im stets fragilen Miteinander von Ultraszene und Klubführung führen. Sportlich befindet sich die Borussia allen Widrigkeiten zum Trotz auf Kurs – an Glaubwürdigkeit gegenüber denen, die diesen Verein ausmachen, hat der Klub in der vergangenen Woche aber einiges verloren.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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