Mario Götze über Positionen, Vorbilder und Alleinunterhalter

Interview

Er ist 19 und wohnt bei Mama. Er spielt an der Playstation die spanischen Stars und will sie schon bald ganz real abschütteln. BVB-Mittelfeld-Feingeist Mario Götze (19) gilt als Speerspitze einer neuen Generation perfekt ausgebildeter deutscher Fußballer. Und doch ist auch sein Weg ins Nationalteam kein Automatismus.

DORTMUND

von Von Sacha Fligge

, 04.10.2011, 22:06 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mario Götze trifft im August für Deutschland gegen Brasilien. Weltklasse-Leistungen, ob im Dress von Borussia Dortmund oder dem des Nationalteams, hat der 19-Jährige bereits gezeigt. Das weckt auch Erwartungshaltungen.

Mario Götze trifft im August für Deutschland gegen Brasilien. Weltklasse-Leistungen, ob im Dress von Borussia Dortmund oder dem des Nationalteams, hat der 19-Jährige bereits gezeigt. Das weckt auch Erwartungshaltungen.

In der Bundesliga hat Borussia Dortmund wieder Fahrt aufgenommen, auf europäischem Terrain wurde der BVB zuletzt allerdings bitter für seine Naivität bestraft. Nagt die Champions-League-Niederlage bei Olympique Marseille noch an Ihnen? Mario Götze: Wir waren in Frankreich über weite Strecken dominant – und nach dem Schlusspfiff stehen wir trotzdem mit einer 0:3-Niederlage da. Ich hatte so viele Möglichkeiten, zwei Tore hätte ich mindestens machen müssen. Diese nun wirklich nicht prickelnde Chancenverwertung kreide ich mir an!Wobei Sie im Mittelfeld abermals der BVB-Alleinunterhalter waren. Verlangen Sie von sich ernsthaft, regelmäßig den Ball zu erobern, ins Dribbling zu gehen, im Strafraum ein, zwei Gegenspieler auszutanzen und dann noch die nötige Konzentration im Abschluss zu haben?Götze: Das ist mir ehrlich gesagt völlig egal, ob ich 30 oder 70 Meter mit der Kugel zurücklegt habe – diese Konzentration vor dem Tor muss einfach da sein. Und wenn sie fehlt, gibt es dafür keine Ausrede. In der vergangenen Saison habe ich ja gezeigt, dass ich im Abschluss effektiv sein kann.

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Fußball-Länderspiel: Deutschland - Brasilien

Achtzehn Jahren nach dem letzten Erfolg gegen Brasilien besiegte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Seleção in Stuttgart mit 3:2 (0:0).
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Mario Götze bejubelt seinen ersten Treffer im DFB-Trikot.© foto: dpa
Deutscher Jubel nach dem 2:0 durch Mario Götze (Nummer 8).© foto: dpa
Mario Götze (l.) erzielt das 2:0.© foto: dpa
Andre Schürrle (M.) behubelt seinen Treffer zum 3:1.© foto: dpa
Joachim Löw (l.) klatscht Bastian Schweinsteiger ab.© foto: dpa
Mario Gomez (r.) bedrängt Thiago Silva.© foto: dpa
Mats Hummels (2.v.r.) steigt zum Kofball hoch.© foto: dpa
Fernadinho (unten) foult Mario Götze.© foto: dpa
Thomas Müller (r.) im Zweikampf mit Andre Santos.© foto: dpa
Holger Badstuber (r.) im Duell mit Ramires.© foto: dpa
Joachim Löw (M.) gibt Christian Träsch (r.) und Mats Hummels Anweisungen.© foto: dpa
Alexandre Pato (r.) behauptet den Ball gegen Bastian Schweinsteiger.© foto: dpa
Beim BVB spielen Sie in der Regel im rechten Mittelfeld, Joachim Löw sieht Sie eher als klassischen Regisseur. Hat er sich zu früh festgelegt?Götze: Das kann ich nicht beurteilen. Der Bundestrainer hat mit mir gesprochen und erklärt, dass meine Stärken seiner Meinung nach besser zur Geltung kommen, wenn ich im Zentrum spiele. Wenn Sie mich fragen, bedeutet das nicht automatisch, dass ich in der Nationalelf nur auf der Position zum Einsatz kommen kann.Löw bevorzugt nach eigenen Angaben auf den Außenpositionen Spieler, die auch ohne Ball mit viel Tempo in die Tiefe ziehen. Profis wie Podolski oder Schürrle. Und auf dem Regiestuhl sitzt in Real Madrids Mesut Özil ein Weltstar. Ist Ihnen der Weg in die Stammelf verbaut?Götze: Nein! In der Nationalelf wimmelt es doch nur so von Weltklassespielern. Über einzelne Personalkonstellationen mache ich mir deshalb gar keine Gedanken. Joachim Löw weiß, dass er mich auch auf der Seite bringen kann. Er hat mich dort ja im Training schon häufig spielen lassen und gesehen, dass ich rechts kein Blinder bin.
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BVB-Training am 4. Oktober

Bilder vom BVB-Training am 4. Oktober.
04.10.2011
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Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
Das BVB-Training am 4. Oktober.© Foto: DeFodi
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Zwei offensive und mit vielen Freiheiten ausgestattete Supertechniker wie Mesut Özil und Sie gemeinsam in der Startelf, kann das gegen Mannschaften, die internationales Top-Niveau verkörpern, funktionieren?Götze: Natürlich.Deutschland steht nach acht Siegen aus acht Spielen schon als EM-Teilnehmer fest. Verkommt das Qualifikations-Auswärtsduell in der Türkei zum Muster ohne Wert oder ist es ein Reiz, erstmals gänzlich verlustpunktfrei zu bleiben?Götze: Wenn man ehrlich ist, sind wir durch – und es wäre menschlich, wenn es zu einem gewissen Spannungsabfall kommen würde. Aber für mich hat diese Begegnung sicher einen völlig anderen Stellenwert als für die erfahrenen Jungs.Weil Sie glauben, sich als 19-Jähriger beweisen zu müssen?Götze: Nicht in dem Sinne, dass ich es anderen beweisen möchte. Ich bin erst seit dem vergangenen Jahr ein Teil dieser Mannschaft. Ich will mir selbst zeigen, dass ich mein Potenzial auch auf diesem Niveau ausschöpfen kann.Ganz Fußball-Deutschland schwärmt von Ihren Fähigkeiten. Spüren Sie, dass die Erwartungen an Ihre Leistungen höher sind, als an die der anderen jungen Auswahlkicker?Götze: Manchmal, wenn ich die Zeitung aufschlage, wirkt es so, als würden bei mir andere Maßstäbe angelegt - ja! Aber ich komme bislang gut damit zurecht.Gibt es überhaupt noch Vorbilder, wenn man auf Ihrem Niveau angelangt ist?Götze: Nicht im Sinne der Heldenverehrung, aber das ist eine ganz natürliche Entwicklung. Ich habe Özil und Schweinsteiger beim DFB schließlich näher kennen lernen dürfen. Die Beiden sind für mich natürlich Weltklasse-Leute geblieben, ganz klar! Aber ich sehe sie jetzt eben auch als völlig normale Menschen. Dieses Überirdische ist weg.Joachim Löw wiederholt seit Monaten gebetsmühlenartig, die deutsche Auswahl gehöre mit ihren jungen Stars zur Weltklasse, sie peile nun den nächsten Schritt an und orientiere sich vornehmlich noch an den überragenden Spaniern. Entspricht diese Haltung Ihrem Selbstverständnis?Götze:  Auf jeden Fall. Jeder, der zum deutschen Kader gehört, spürt sofort diese Selbstsicherheit der anderen. Wir haben eine richtig gute Mannschaft, das ist ja kein Geheimnis. Jeder einzelne Profi hat große Ziele ganz fest vor Augen. Wir wollen unseren Fußball perfektionieren, viele Tore schießen und noch weniger als bisher zulassen. Und ich persönlich will auf so viele Spielminuten wie möglich kommen.

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