Marius Wolf - Trotz seiner Flexibilität muss er vorerst Hunger schieben beim BVB

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Neue Saison, neuer Angriff! Der BVB will Meister werden - mit Marius Wolf. Wir beleuchten Form und Perspektive jedes Spielers. Der nächste Teil: Wolf hat beim BVB den Anschluss verloren.

Dortmund

, 21.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganz Fußball-Deutschland fiebert der Bundesliga-Spielzeit 2019/2020 entgegen. Zum Auftakt in die Saison, an deren Ende Borussia Dortmund Deutscher Meister sein will, nehmen wir jeden Spieler im BVB-Kader unter die Lupe.





Was zeichnet Marius Wolf aus?

Marius Wolf geht in sein zweites Jahr bei Borussia Dortmund. Es dürfte, da muss man kein Prophet mit intakter Glaskugel sein, ein schwieriges Jahr für den gebürtigen Coburger werden.

Der 24-Jährige wird zwar als Typ geschätzt im Kreis der Mannschaft, hat sich schnell zurechtgefunden bei seinem neuen Klub und in seiner BVB-Premierensaison vor allem in der Rückrunde auch regelmäßig Pflichtspielminuten gesammelt, doch der Konkurrenzkampf in Dortmund macht auch vor einem Wolf nicht halt.

Seine Spielzeiten in der Rückrunde hatte Wolf, der im vergangenen Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von fünf Millionen Euro aus Frankfurt ins Ruhrgebiet wechselte, zum einen seiner Flexibilität zu verdanken, zum anderen aber, das gehört zur Wahrheit dazu, auch dem Verletzungspech des BVB. Der Rechtsfuß, eigentlich gelernter Flügelspieler in der Offensive, half als Rechtsverteidiger aus, als Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek fehlten – und erledigte den Job durchaus zur Zufriedenheit der Verantwortlichen.

Nun ist in Nico Schulz ein weiterer Außenverteidiger verpflichtet worden, der zusammen mit Piszczek und Hakimi deutlich vor Wolf in der Rangordnung für die defensiven Außenbahnen anzusiedeln ist. Offensiv hat sich der Konkurrenzkampf nach dem Verkauf Christian Pulisics durch die Verpflichtungen Julian Brandts und Thorgan Hazards ebenfalls verschärft. Auch Raphael Guerreiro, Jacob Bruun Larsen und Jadon Sancho spielen auf den Positionen, die Wolf am liebsten beackern würde.

Das ist sicherlich eine von Wolfs Stärken. Er ackert, wann immer man ihn lässt. Er läuft, er schießt, er wirft immer alles rein. Auch Wolf ist das, was man einen Mentalitätsspieler nennt, der die Schattenseiten des Profigeschäfts genauso kennt wie die Sonnenseite. In seiner Zeit bei Hannover 96 wurde er mal in die zweite Mannschaft abgeschoben, in Frankfurt wurde er keine zwei Jahre später frenetisch bejubelter DFB-Pokalsieger und schaffte es so bis auf den Radar von BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Und sein damaliger Mitspieler, Kevin-Prince Boateng, lobte Kumpel Wolf über den grünen Klee. „Wenn man in die Bundesliga schaut: Wer ist in seinem Alter und viel besser?“ Und weiter: „Wenn der nicht Nationalspieler wird, höre ich mit Fußball auf.“ Nun ist Boateng immerhin schon 32 Jahre alt. Irgendwann ist eh Schluss. Nichts für ungut.



Wie lief die Vorbereitung?

Wolf ist seit Tag eins der Vorbereitung dabei und kam in diesem Sommer gut aus den Startlöchern. Beim ersten Test in Schweinberg (10:0) erzielte er einen Treffer, wirklich auf sich aufmerksam machte er dann während der USA-Reise des BVB, als er sowohl im Test gegen die Seattle Sounders (3:1) mit einem Tor als auch gegen den FC Liverpool (3:2) mit einer couragierten Leistung auf der offensiven Außenbahn – seiner angestammten Position – überzeugte.

Marius Wolf - Trotz seiner Flexibilität muss er vorerst Hunger schieben beim BVB

Während der USA-Reise spielte sich Marius Wolf in den Fokus. Den Liga-Auftakt musste er trotzdem von der Tribüne aus verfolgen. © imago

Doch im Trainingslager des BVB in Bad Ragaz in der Schweiz verlor Wolf entscheidend an Boden, musste ein paar Tage mit dem Training aussetzen, weil er sich nicht gut fühlte. Seitdem zeigt die Einsatzkurve nach unten. Im Supercup gegen den FC Bayern München (2:0) wurde er immerhin noch für neun Minuten eingewechselt, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen, im Pokalspiel gegen den KFC Uerdingen (2:0) saß er 90 Minuten lang auf der Bank, und den Bundesliga-Auftakt gegen den FC Augsburg (5:1) verfolgte er nur auf der Tribüne.

Wolf durfte respektive musste mit ansehen, wie sich seine Teamkollegen in einen Rausch kombinierten und BVB-Trainer Lucien Favre wenig Grund gaben, am zweiten Spieltag für die Partie beim 1. FC Köln viel an der Spieltagskader-Zusammensetzung zu ändern...


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Wie ist die sportliche Perspektive für die neue Saison?

Es wird, wie zu Beginn dieses Textes angedeutet, zumindest nicht einfacher für Marius Wolf bei Borussia Dortmund. Vorsichtig formuliert. Beim Saisonauftakt gegen Augsburg schaffte er es nicht in den Kader, in dem seit dieser Saison pro Spieltag 20 Profis Platz finden. In der Defensive hängt er hinter Piszczek, Schulz und Hakimi in der Dauerwarteschleife, im Mittelfeld tummeln sich aktuell mindestens Brandt, Hazard, Sancho und Guerreiro vor ihm rum. Auch Bruun Larsen steht in Favres Gunst eher höher als tiefer im Kurs.

Wolf, so scheint es aktuell, hat den Anschluss an die Startelf in diesem Sommer verloren. Er wird auf seine Chance lauern müssen wie ein hungriger Wolf auf Beute. Falls ihm die Chance irgendwann über den Weg läuft, sollte er kräftig zubeißen. Bis dahin heißt es warten. Und Hunger schieben. Ziemlich lange, wenn es schlecht läuft für Wolf.

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