In Leverkusen kassierte der BVB im 17. Saisonspiel die sechste Niederlage. © imago / firo
Meinung

Massive BVB-Probleme: Ist diese Mannschaft falsch zusammengestellt?

Das 1:2 in Leverkusen offenbart die großen BVB-Probleme. Die Körpersprache einiger Profis grenzt an Arroganz - und es stellt sich die Frage, ob diese Mannschaft falsch zusammengestellt ist.

Als Borussia Dortmund vor gut einem Jahr in die Winterpause ging, warf am 17. Spieltag die 1:2-Niederlage bei der TSG Hoffenheim die Frage auf, ob mit dem Trainer Lucien Favre die Saisonziele in Gefahr geraten könnten. Dortmund hatte damals 30 Punkte auf dem Konto, war Tabellenvierter. Nach dem Abschluss dieser Hinrunde ist es noch ein Punkt weniger, bei schon sechs (!) Niederlagen – und die Diskussion geht in eine ähnliche Richtung. Die Sorge um das Erreichen des wichtigsten Saisonziels, der Qualifikation für die Champions League, ist nicht von der Hand zu weisen.

Immer wieder gibt diese Mannschaft große Rätsel auf. Das hat sich nicht geändert durch den Wechsel von Favre zu Edin Terzic. Vor nicht einmal zwei Wochen hat sie in Leipzig gewonnen, der BVB hat sich in diese Partie verbissen, bevor es der Mannschaft gelang, in der zweiten Hälfte zum großen Engagement auch schönen Fußball zu packen. Das Spiel schien der Beleg für die gelungene Transformation einer Elf gewesen zu sein, die erkannt zu haben schien, dass ausschließlich Eleganz nicht zum großen Wurf führen wird. Dann kam Mainz, ein Unentschieden gegen den Tabellenletzten – mit einem unerklärlichen Leistungsabfall nach der Pause. Und nun Leverkusen.

Effekt des BVB-Trainerwechsels ist binnen weniger Tage verpufft

Die beiden Partien haben dafür gesorgt, dass der Effekt des Trainerwechsels binnen weniger Tage verpufft ist. Terzic wirkte nach dem Spiel nicht nur mächtig angefressen und bedient, sondern richtiggehend desillusioniert. Die Hoffnung, dass es ihm gelingen könnte, die bekannten Stärken dieser Elf konstanter herauszukitzeln und die bekannten Schwächen zu beheben oder zumindest deutlich abzumildern, hat durch die vergangenen beiden Partien einen nachhaltigen Dämpfer erhalten.

Denn die Mannschaft verfällt auch unter dem neuen Mann an der Seitenlinie immer wieder in die gleichen Muster. Sie resigniert zu schnell, wenn sie ihr Spiel nicht durchbringt, sie muss viel zu oft erst wachgerüttelt werden, bevor sie bereit ist, alles, aber auch wirklich alles zu investieren.

Die Körpersprache einiger BVB-Spieler grenzt an Arroganz

Und sie leistet sich für eine Spitzenmannschaft zu viele haarsträubende Fehler, die zumeist aus Gedankenlosigkeiten resultieren. Gegen eine so umschaltstarke Mannschaft wie die der Leverkusener eine so schlechte Konterabsicherung an den Tag zu legen, lässt vermuten, dass da einige die eindringlichen Warnungen des Trainers wohl nicht gehört haben. Oder sie einfach ignorierten. Und die Körpersprache einiger Spieler in den ersten 45 Minuten war nicht nur „sehr negativ“, wie Terzic formulierte. Sie grenzte an Arroganz. Es brauchte wieder mal eine Kopfwäsche in der Halbzeit, ehe es besser wurde.

Leverkusen hielt den BVB durch eigene Inkonsequenz vor dem Dortmunder Tor lange im Spiel. Dieses Geschenk hätte der BVB zwingend annehmen müssen. Stattdessen versuchte die Offensive vor dem Bayer-Tor noch „den Ball ins Tor zu tragen, statt ihn volles Pfund ins Tor zu dreschen.“ Terzic hatte sich nach der Partie zu Recht richtiggehend in Rage geredet, man konnte seinen Frust nachvollziehen.

Zu wenige, die beim BVB die Ärmel hochkrempeln

Das alles wirft Fragen auf. Auch die nach den langfristigen Konsequenzen. Es gilt, Platz vier abzusichern, um in einem Jahr, in dem in der Bilanz aufgrund der Coronakrise ein dreistelliger Millionenverlust droht, nicht ein zusätzliches dickes Minus in einem der wichtigsten Einnahmefelder hinnehmen zu müssen. Das würde den Spielraum und die Wettbewerbsfähigkeit sofort schmälern. Die Frage muss auch erlaubt sein, ob diese Elf nicht falsch zusammengestellt ist. Zu viele Schönspieler, zu wenige, die die Ärmel hochkrempeln. Und so hoch die Qualität der blutjungen Spieler auch ist: Müssen nicht zu viele von ihnen gleichzeitig schon zu große Verantwortung schultern? Weil einfach nicht genügend Führungspersonal da ist, in deren Schatten sie wachsen und gedeihen können?

Die knallharte Analyse wird im Frühjahr folgen, größere Umwälzungen im Sommer könnten einmal mehr die Folge sein. Die aktuellen Herausforderungen aber muss der aktuelle Kader bewältigen. Für Terzic wird gleich sein erster Cheftrainer-Job zur Herkulesaufgabe.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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