Mats Hummels´ Außenrist hat den BVB-Aufbau verändert

Der neue Spielmacher

Zu Robin Dutt (46) gibt es viele Meinungen. Manch einer hält Leverkusens Trainer für einen pedantischen Arbeiter. Andere attestieren ihm Charakterzüge eines Gurus. Und dann gibt es noch Menschen, die rechnen fest damit, dass er das Ende der Saison nicht in Amt und Würden erleben wird. Völlig unbestritten aber ist: Dutt erkennt Dinge, die auf dem Platz geschehen, deutlich schneller als viele seiner Berufskollegen.

DORTMUND

von Von Sascha Fligge

, 29.10.2011, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Torjäger und Vorbereiter: Robert Lewandowski (l.) profitiert von Hummels' Außenrist.

Torjäger und Vorbereiter: Robert Lewandowski (l.) profitiert von Hummels' Außenrist.

Dutt hingegen genügten die ersten drei Bundesliga-Spieltage, um den BVB zu enttarnen. Und das tat er nach dem 0:0 zwischen Leverkusen und Dortmund am 24. August so genüsslich wie ein in punkto Fachwissen spielerisch über seine Zöglinge triumphierender Oberstudienrat. „Wir haben es geschafft, Mats Hummels als von uns erkannten BVB-Spielmacher – wohlgemerkt nicht Innenverteidiger, sondern Spielmacher – zu isolieren“, analysierte Dutt. Damals erntete er staunende, ja ungläubige Journalisten-Blicke. Am Samstag, am elften Spieltag, den Borussia Dortmund beim Tabellenfünften Stuttgart (Anstoß: 15.30 Uhr) verbringt, wundert sich kaum noch jemand über Dutts Einschätzung, Abwehr-Spezialist Mats Hummels (22) sei der verkappte BVB-Regisseur.

Nach geschätzten 30 Außenristpässen, die der Nationalspieler seinen Kollegen in den vergangenen Wochen über 30 Meter und mehr in den Fuß zirkelte, ist klar: Hummels ist beim BVB eine Art neuer Nuri Sahin. Wer den Spielfluss des Meisters unterbrechen will, der muss zwangsläufig auch den Abwehrchef ausschalten. „Unser Spiel hat sich verändert“, gibt BVB-Trainer Jürgen Klopp (44) zu. Weil die Gegner mehr Respekt haben und tiefer stehen – sicher. Weil Ilkay Gündogan (21) im defensiven Mittelfeld bislang den Beweis schuldig bleibt, dass er ein effektives Vertikalspiel aufziehen kann – vielleicht auch.

„Mats bekommt einfach viele Bälle, und er hat Raum, weil etliche Mannschaften nur mit einer Spitze auflaufen. Mats spielt mit einem starken rechten Fuß auf der linken Innenverteidigerposition. Das führt dann fast automatisch zu Außenristpässen“, sagt Klopp. Vor dem Duell mit Köln (5:0) hatte der Trainer eben diese Zuspiele nach eigener Aussage „erstmals von Mats“ gefordert. Als taktische Option. „Normalerweise“, sagt er, „versuchen wir ja mit Kurzpässen durchs Mittelfeld zu kommen. Aber wenn’s da zu eng wird, muss die Kugel eben drüber. Dann hilft ein gut geschlagener langer Ball.“

Hummels spielt diese Bälle regelmäßig und mutig. „Es reißt mich nicht runter, dass auch mal ein Fehlpass dabei ist. Wenn von acht langen Außenristpässen drei ankommen und zu einer Chance führen – dann hat es sich schon gelohnt“, sagt der Profi und betont: „Sie sind eine gute Option, um hinter die letzte gegnerische Linie zu kommen. Und der Schnitt bewirkt, dass die Bälle nach dem Aufticken nicht weit wegspringen.“ Auch Samstag, wenn das Spitzenspiel der Liga in Klopps Geburtsstadt Stuttgart steigt, könnten Hummels Pässe eine Waffe sein. Hoch stehende Abwehrspieler der Schwaben (Klopp: „Stuttgart wird selbst initiativ werden und sich nicht hinten reinstellen“) immer vorausgesetzt.

Für den auf Bundesliga-Parkett zuletzt viermal in Serie (Mainz, Augsburg, Bremen, Köln) siegreichen BVB, der in diesen Partien mit 13:1 Toren aufwartete, kommt es knüppeldick. Binnen 28 Tagen muss der Meister mit Stuttgart, Piräus, Wolfsburg, München, Arsenal und Schalke die Klinge kreuzen. Hummels‘ effektiver Außenrist soll der Borussia in dieser eminent wichtigen Saisonphase abermals dienen. Jürgen Klopp will auf eben diesen offenbar nicht freiwillig verzichten: „Die Alternative zum Außenrist ist – wenn man so zum Ball steht wie Mats Hummels – das linke Bein“, sagt der Trainer und bemerkt süffisant: „Es ist mir ehrlich gesagt deutlich lieber, der Mats nutzt den Außenrist als das leblose Teil, das da links an seinem Körper herunterhängt.“ 

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