Der BVB und die Stadt Dortmund investieren massiv in das Stadion Rote Erde. © imago images/Thomas Bielefeld
Borussia Dortmund

Millionenprojekt Stadion Rote Erde: BVB und Stadt Dortmund investieren

Der Profifußball hält Einzug im Stadion Rote Erde. Die Stadt Dortmund und der BVB investieren jetzt massiv in die Zukunft der altehrwürdigen Spielstätte. So sieht das Bauprojekt aus.

Was lange Zeit unmöglich schien, soll nun endlich Realität werden: Fußballern und Leichtathleten im Stadion Rote Erde eine gemeinsame Heimat zu geben. Und das sogar langfristig. Die Stadt und Borussia Dortmund teilen sich dazu ein anvisiertes Bauprojekt an der Strobelallee, in das die Ruhr Nachrichten vorab exklusiv Einblick erhielten.

U23 des BVB muss Drittliga-Bedingungen erfüllen

Der BVB will und muss für seine U23 in der 3. Liga Bedingungen im Stadion schaffen, die den Anforderungen für den Profifußball des DFB genügen. Dazu zählt verpflichtend eine Rasenheizung, die es bislang in der Roten Erde jedoch nicht gibt. Die Sorge war stets groß, dass zum Beispiel Speerwerfer, die das Rund wie viele andere Athleten als Bundesstützpunkt nutzen, eine solche Heizung beschädigen könnten. Da seit einem Jahr aber die erweiterten Leichtathletikstadien in den Stadtteilen Hacheney und Lanstrop gerade auch von den Sportlern der Wurfdisziplinen genutzt werden, konnten die Planungen für einen Eingriff im Innenraum der Roten Erde vorangetrieben werden.

Geklärt ist bereits die Kostenfrage: Borussia Dortmund bezahlt die neue Rasenheizung sowie ein neues Drainagesystem und eine neue Rasendecke. Über eine Million Euro kalkuliert der BVB dafür ein. In gleicher Größenordnung will die Stadt investieren: Die 22 Jahre alte Laufbahn rund um das Spielfeld wird erneuert – sofern denn der Rat die Baumaßnahme beschließen sollte.

Stadion Rote Erde soll Spielstätte des BVB-Frauenteams bleiben

Der BVB will das Stadion künftig nicht nur als festen Standort für sein Drittligateam nutzen, sondern dort auch die Partien des neu gegründeten Frauenteams austragen. Zwar agiert dies noch in der Kreisliga, der Klub hegt jedoch klare Ambitionen, auch hier Schritt für Schritt in den Profibereich hochzuklettern. Ein moderner Untergrund soll eine intensivere Nutzung als bislang ermöglichen und die Qualität des Spielfeldes nachhaltig verbessern.

„Das Miteinander aller Beteiligten hat bisher sehr gut funktioniert. Ich bin mir sicher, dass von den in die Wege geleitetet Maßnahmen sowohl der BVB als auch die Leichtathletik gleichermaßen profitieren werden“, sagt BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer. Die Laufbahn des Stadions genügte schon länger nicht mehr den Anforderungen des Leistungssports. „Wir freuen uns auf optimale Trainingsbedingungen und sind uns sicher, dass für mögliche Leichtathletik-Großveranstaltungen der Standort Dortmund durch die neue Laufbahn erheblich attraktiver wird“, sagt Michael Adel, Vorsitzender der Kreisleichtathletik. „Die leichtathletische Disziplinenvielfalt wird auch nach dem Einbau einer Rasenheizung in vollem Umfang ausgeübt werden können“, erklärt Adel. Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal betont, dass „dadurch in der Sportstadt Dortmund beste Bedingungen für den Leistungs- und Nachwuchssport“ geschaffen werden können.

Neuer Nutzungsvertrag zwischen der Stadt und dem BVB

Obwohl Borussia Dortmund kräftig in das städtische Stadion Wand an Wand mit dem eigenen Signal Iduna Park investiert, strebt der Klub keine Teilhaberrolle an. Die Stadt bleibt auch nach dem Umbau alleiniger Eigentümer der Roten Erde. Aber: Stadt und BVB schließen in Kürze einen neuen Nutzungsvertrag ab, der der Borussia die Austragung des gesamten Heimspielbetriebs für beide Teams sichert. Die Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten der Leichtathleten sollen laut Auskunft der Stadt dadurch „nicht eingeschränkt“ werden.

2017 gab es die letzten Umbaumaßnahmen im Stadion Rote Erde. © imago/Hans Blossey © imago/Hans Blossey

Der aktuell vorliegende Zeitplan für das Bauprojekt ist ambitioniert: „Bis zum Frühjahr 2022“, so die Stadt, soll die im Jahr 1926 eröffnete Rote Erde in der Neuzeit angekommen sein. Allerdings sind noch einige Probleme aus dem Weg zu räumen. Das brisanteste: Im Innenraum der Roten Erde haben in den vergangenen Wochen Sondierungsbohrungen des Kampfmittelräumdienstes sechs Punkte mit Anomalien bestätigt, die Aufgrabungen erforderlich machen – um möglicherweise dort im Boden liegende Weltkriegsbomben zu entschärfen. In welchem Maße der Trainings- und Wettkampfbetrieb der Leichtathletik und des Fußballs dadurch einschränkt sein wird, ist noch offen. Die Laufbahn ist derzeit aufgrund der Bodenuntersuchungen nicht nutzbar.

Rote Erde soll spätestens bis zur nächsten BVB-Saison fertig sein

Darüber hinaus muss eine weitere Sondierung der Fläche anlaufen, sobald die Kampfmittelräumer grünes Licht gegeben haben. Ein Ingenieurbüro wird mittels Erkundungsbohrungen prüfen, ob oberflächennaher Bergbau im Untergrund Schäden angerichtet hat, ob Hohlräume verfüllt werden müssen. Die Kosten dieser Maßnahmen sind ebenso noch nicht kalkulierbar wie der benötigte Zeitraum. Zum Start der nächsten Fußballsaison im August 2022 aber soll alles fertig sein.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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