Maxence Lacroix (l.) im Zweikampf mit BVB-Stürmer Steffen Tigges. © Groothuis/Witters/Pool/Witters
Borussia Dortmund

Nach Bundesliga-Debüt: Steffen Tigges empfiehlt sich für mehr beim BVB

Steffen Tigges feiert gegen den VfL Wolfsburg auch seine Bundesliga-Premiere. Der Kapitän der BVB-U23 erntet danach großes Lob von Sportdirektor Michael Zorc und kann hoffen.

Es sind neun Minuten, die er wohl nie vergessen wird. Als Steffen Tigges in der 81. Minute des Dortmunder Bundesliga-Spiels gegen den VfL Wolfsburg zur Einwechselung an der Seitenlinie steht, erfüllt sich der Traum, den jeder talentierte Nachwuchsfußballer, der sich im Dunstkreis der Profiligen bewegt, wohl hegt. Auch für den gebürtigen Osnabrücker fehlt aber etwas – wie anders, noch aufregender und wohl auch bedeutsamer wäre es gewesen, wenn 81.000 Augenpaare seine ersten Schritte in diesem Stadion verfolgt hätten.

Tigges kann auf BVB-Spiele mit Fans hoffen

Tigges kann den Moment dennoch genießen und darf darauf hoffen, dass sich dieses Szenario ja vielleicht schon in diesem Jahr noch ergeben wird für ihn, wenn Schritt für Schritt die Rückkehr zur Normalität in den Fußballstadien möglich werden sollte.

Tigges kommt für Erling Haaland ins Spiel und hat gleich mehrere gute Szenen in den netto neun Minuten Spielzeit. Er profiliert sich als Wand-Spieler, der lange Bälle behaupten oder mit seiner Kopfballstärke verlängern kann, er weist auch nach, dass er ein wenig von Haalands Stärke auch in seinem Spiel vereinigt: Läufe in die Tiefe, die die gegnerische Abwehr aufreißen. Einer dieser Läufe gibt ihm sogar die Möglichkeit zu seinem ersten Bundesliga-Tor, mit seinem energischen Antritt erreicht er zwar den etwas zu steil gespielten Ball und bringt ihn auch am Wolfsburger Torhüter Koen Casteels vorbei, die Kugel aber trudelt parallel zur Torlinie der Wölfe, deren Verteidiger John Brooks das Unheil gerade noch abwenden kann.

Tigges ist die große Überraschung bei Borussia Dortmund

Tigges war die große Überraschung, die der neue Trainer Edin Terzic kurz vor Weihnachten aus dem Hut zauberte, weil sowohl Haaland als auch dessen Back-up Youssoufa Moukoko verletzt fehlten. Im Zweitrunden-Pokalduell bei Eintracht Braunschweig stand der 22-Jährige in der Startelf, es war ein engagierter Auftritt mit den neuen Kollegen, mit denen er zuvor noch nicht einmal trainieren durfte – weil er als Spieler der Regionalliga-Mannschaft nicht zum Kreis der Spieler gezählt hat, die regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Die zwei für eine Spielberechtigung notwendigen negativen Tests brachte er dann hinter sich, die 90 Minuten im Eintracht-Stadion werde er nie vergessen, gab er nach seinem sehr ordentlichen Debüt zu Protokoll.

Seinem BVB half der hoch aufgeschossene Angreifer aus einer kurzfristigen Zwickmühle, doch auch wenn jetzt Haaland wieder da ist und Moukoko in dieser Woche im Training zurückerwartet wird, muss das nicht das schnelle Ende von Tigges‘ Aufstieg zu den Profis bedeuten. Der junge Angreifer erhält Lob von allerhöchster Stelle. „Er hat einen riesigen Sprung gemacht“, sagt Sportdirektor Michael Zorc, der sich daran zurückerinnert, wie Tigges vor genau einem Jahr mit den Profis ins Wintertrainingslager nach Marbella reisen durfte, dort aber feststellen musste, wie groß der Sprung doch ist. „Damals,“ sagt Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, „war er noch ziemlich weit weg.“

BVB-Sportdirektor Zorc über Tigges: „Er ist ein Arbeitstier“

Diesen Eindruck hat man nach den ersten Gehversuchen von Steffen Tigges nicht mehr. Auch Zorc lobt die Mentalität des Angreifers. „Er ist ein Arbeitstier, der dahin geht, wo es weh tut.“ Von diesem Personal kann gerade eine Mannschaft wie Borussia Dortmund gar nicht genug haben.

Wie es mit Steffen Tigges weitergeht, wird Cheftrainer Edin Terzic entscheiden müssen. Sein permanenter Blick auf die U23 ermöglichte deren Kapitän den Sprung zu den Profis, Tigges hat seinen Förderer nicht enttäuscht. Seine vielversprechenden Auftritte könnten zu einer permanenten Beförderung in den Profikader führen, entschieden ist das bislang noch nicht – auch, weil die U23 erst am 17. Januar wieder in den Spielbetrieb startet.

BVB-U23 braucht ihren Kapitän Tigges

Dem Wunsch des Nachwuchsstürmers nach weiteren Erlebnissen dieser Art steht entgegen, dass seine Mitspieler in der U23 auf den Torjäger und Kapitän eigentlich nicht verzichten können. Tigges hat in 18 Regionalliga-Spielen zwölf Treffer erzielt und sieben weitere vorbereitet – auch deshalb spielt der BVB-Unterbau aussichtsreich um den Aufstieg in die 3. Liga mit.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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