Nach dem 1:3 gegen Union Berlin: Das sind die Baustellen des BVB

mlzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund offenbart Schwächen. Die Spiele in Köln und Berlin dienen als Anschauungsunterricht für kommende Gegner. Auch Trainer Lucien Favre muss sich Kritik gefallen lassen.

Dortmund

, 02.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im fünften Pflichtspiel hat es Borussia Dortmund erwischt. Nach vier Siegen zu Saisonbeginn setzte es beim Aufsteiger Union Berlin eine unerwartete, aber verdiente erste Niederlage in dieser Spielzeit. Es war eine Pleite mit Ansage, an der auch Trainer Lucien Favre, der dieses Mal kein glückliches Händchen bei den Auswechslungen bewies, seinen Anteil hatte, wenngleich er freilich nicht als Hauptschuldiger hingestellt werden darf. Die Baustellen im BVB-Spiel aber sind unübersehbar – und bislang bleiben entscheidende Fortschritte aus. Ein Überblick.


Die Konzentration:

Drittes Liga-Spiel, dritter Rückstand. Bislang ging in dieser Saison immer die gegnerische Mannschaft in Führung, nicht Borussia Dortmund. Gegen den FC Augsburg klingelte es gleich in der ersten Spielminute, gegen den 1. FC Köln und den 1. FC Union Berlin Mitte der ersten Hälfte. „Wir haben wieder nicht gut ins Spiel gefunden, es war das dritte Mal, dass wir in Rückstand geraten sind“, sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB nach dem 1:3 in Berlin.

„Es darf uns nicht passieren, dass wir jedes Mal einen Weckruf brauchen.“ Am Samstag in Berlin gelang die Wende zum Guten erstmals nicht. Die Gegentore im Stadion An der Alten Försterei resultierten aus vermeidbaren individuellen Fehlern. Bei Unions 0:1 schlief Paco Alcacer tiefer als Murmeltiere im Winter, beim 1:2 sprang Manuel Akanji erst der Ball zu weit weg, Sekunden später ließ er sich im „Zweikampf“ mit Sebastian Andersson entschieden zu günstig ausspielen.

Nach dem 1:3 gegen Union Berlin: Das sind die Baustellen des BVB

Schon wieder im Rückstand: Der BVB kassierte in Berlin zum dritten Mal in Serie das 0:1. © imago

Die Defensive:

Fünf Gegentore aus den drei Spielen gegen Augsburg, Köln und Union sind ein erschreckender Wert. Von mehr defensiver Stabilität, die eines der Kernziele für die neue Saison war und ist, ist noch nicht viel zu sehen. Das liegt nicht nur an den Abwehrspielern, nicht alle Spieler in Schwarz und Gelb nehmen die Arbeit gegen den Ball derzeit ernst genug. Der BVB schafft es zuletzt nur phasenweise, den Gegner zu dominieren, nicht aber über die volle Spielzeit.

Besonders besorgniserregend ist die fortwährende Schwäche bei gegnerischen Standardsituationen, die schon in der vergangenen Spielzeit Angst und Schrecken in Roman Bürkis Strafraum verbreitete. Drei der fünf Gegentore fielen im Anschluss an eine Ecke des Gegners, eins in Köln, zwei in Berlin.

„Wir werden das sicherlich ansprechen, es hat ja jeder gesehen“, stellte Kehl in Berlin einmal mehr ernüchtert fest. Beim Verteidigen von Standards gehe es auch um Mentalität, hat Co-Trainer Edin Terzic bereits im Frühjahr zu Protokoll gegeben. Zumindest bei ruhenden Bällen kommt man im Moment also wohl nicht darum herum, Borussia Dortmund ein Mentalitätsproblem zu unterstellen.

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Die Einstellung:

BVB-Neuzugang Julian Brandt hat nach dem 1:3 bei Union Berlin einen ziemlich entlarvenden Satz gesagt: „Man hat gemerkt, dass die Berliner einen stärkeren Willen hatten als wir.“ BVB-Sportdirektor Michael Zorc stufte diese Erkenntnis umgehend als „sehr bedenklich“ ein. Wer große Ziele hat, braucht nun mal auch einen großen Willen, um sie zu erreichen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, erst der Einsatz, dann die Kunst. Beim BVB ist davon zu wenig zu sehen.

Kapitän Marco Reus erklärte in Berlin: „Ich glaube, dass wir manchmal daran denken, einfach mit unserer Qualität die Spiele gewinnen zu können. Das müssen wir abstellen. Wir müssen einfach die Tugenden an den Tag legen, die uns letzte Saison ausgezeichnet haben. Das sind Wille und Leidenschaft – und danach kommt das Spielerische.“ In Köln mogelte sich der BVB noch ins Ziel, in Berlin jubelte am Ende der Außenseiter.

Die Unioner liefen über sieben Kilometer mehr als die BVB-Profis (119,2 zu 126,4 Kilometer), Borussia Dortmund beging nur zwei Fouls in 90 Minuten (Union 13 Fouls) und setzte zu deutlich weniger Tempoläufen an (393 beim BVB zu 497 bei Union). Die Zahlen bestätigten nur den Eindruck, den jeder Zuschauer im Stadion ohnehin schon hatte: Union Berlin ging bis an die Schmerzgrenze, der BVB versuchte es mit ein bisschen Sommerfußball.

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Bundesliga, 3. Spieltag: 1. FC Union Berlin - BVB 3:1 (1:1)

Die Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Union Berlin und Borussia Dortmund.
31.08.2019
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Schlagworte Fußball, Bundesliga

Die Analyse:

Lucien Favre ist gewiss kein Lautsprecher. In Pressekonferenzen schon gar nicht. Aber seine Analyse nach dem Spiel in Berlin sorgte durchaus für verwunderte Blicke im kleinen Pressekonferenzraum der Alten Försterei. Der BVB-Trainer sprach von fehlender Geduld im Spiel seiner Mannschaft, „zu hastig“ habe der BVB in der zweiten Hälfte gespielt, die nicht gut gewesen sei. Von fehlenden Grundtugenden sprach Favre nicht.

Anders als seine Spieler, die sich in diesem Punkt deutlich kritischer äußerten als ihr Trainer. Favre thematisierte nicht, dass Union dem BVB schlichtweg den Stecker gezogen hatte. Mit Leidenschaft, mit Laufbereitschaft, mit einem unbändigen Willen. Es war nicht das erste Mal, dass sich der BVB von einem couragierten Gegner beeindrucken ließ. Auch in Köln war das 60 Minuten lang der Fall gewesen – und auch nach dem zweiten Spieltag wählte Favre einen Analyseansatz, den nicht viele beim BVB teilen konnten.

Es sei schwierig, gegen einen Gegner Fußball zu spielen, der intensiv presst, der athletisch ist, der viel läuft, erklärte Favre, ohne zu erwähnen, dass es Borussia Dortmund nicht verboten ist, mit derselben Intensität zu Werke zu gehen wie der Gegner. Ein bisschen mehr Feuer in Form von Emotionalität würde dem BVB-Spiel sicherlich guttun – und Favre vermittelt bislang nicht unbedingt den Eindruck, als lege er gesteigerten Wert darauf, es zu schüren. Ein bisschen mehr klare Kante wäre dabei schon mal ein Anfang.

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