In den Katakomben des Signal Iduna Parks stehen Rettungsfahrzeuge an Spieltagen bereit. © imago/ActionPictures
Borussia Dortmund

Nach Drama um Dänemarks Eriksen: So ist der BVB auf Notfälle vorbereitet

Schnelle Hilfe rettete bei der EM das Leben des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen. Wie ist Borussia Dortmund auf medizinische Notfälle vorbereitet? Wir haben beim BVB nachgefragt.

Binnen Sekunden waren die Retter herbeigeeilt. Dank ihrer sofortigen Reanimation holten sie den dänischen Fußballprofi Christian Eriksen am Samstag zurück ins Leben. Aufgrund von Herzrhythmusstörungen war der 29-Jährige im EM-Spiel gegen Finnland kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit plötzlich bewusstlos zusammengebrochen. Die dramatischen Ereignisse schockierten die Fans im Stadion und Fernsehzuschauer weltweit. Und sie warfen die Frage auf, welchem Notfallplan eigentlich Borussia Dortmund folgt – bei Spielen der Profis im Signal Iduna Park auf der einen, und zu Trainingseinheiten in Dortmund-Brackel auf der anderen Seite.

Bei BVB-Spielen sind Ersthelfer gleichmäßig um das Spielfeld verteilt

„Alles entscheidend ist im Notfall wie im Fall Eriksen auch bei uns in Dortmund eine möglichst kurze Einsatzzeit“, erklärt Fred Weingardt. Der stellvertretende Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) koordiniert seit mehr als 20 Jahren die Rettungskräfte im Signal Iduna Park. Um kurze Einsatzwege im Stadion während eines BVB-Spiels zu gewährleisten, sind die DRK-Helfer gleichmäßig um das Spielfeld verteilt. Jeder der vier Tribünen ist zudem ein Arzt zugeordnet. Ein weiterer Arzt hält sich während der Partie direkt neben dem Spielertunnel fünf Meter neben dem Rasen bereit, dazu kommen die Teamärzte der beiden Mannschaften auf den Ersatzbänken. Rund 120 Personen umfasst das professionelle medizinische Personal aus Ärzten, Rettungssanitätern und Rettungshelfern bei jedem Bundesligaspiel des BVB in Dortmund.

„Das gesamte Sicherheitskonzept für den Signal Iduna Park ist behördlich und auch über das Lizenzierungsverfahren der DFL geprüft und genehmigt“, sagt BVB-Organisationschef Dr. Christian Hockenjos. In den Katakomben des Dortmunder Stadions müssen demnach, wenn der Ball rollt, zwei Rettungswagen plus vier Krankenwagen samt Besatzungen bereit stehen. „Bei Champions-League-Spielen schreibt die Uefa einen dritten Rettungswagen vor“, erklärt Hockenjos im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Zwei zusätzliche Rettungswagen-Besatzungen, die im Stadion zu Fuß mobil unterwegs sind, sollen die Sicherheit zusätzlich erhöhen.

Medizinische Notfälle im Signal Iduna Park: Borussia Dortmund ist gewappnet

Zudem sind 20 Defibrillatoren für Wiederbelebungsmaßnahmen per Stromstößen gleichmäßig über das Stadionrund verteilt. Sollte ein besonders schneller Abtransport eines verletzten Spielers oder Zuschauers in eine Klinik erforderlich sein, stünde das benachbarte Stadion Rote Erde als fester, frei zu haltender Landeplatz für einen Rettungshubschrauber bereit. „Seit den Sicherheitskonzepten für die WM 2006 ist das so geregelt“, weiß Fred Weingardt, dessen DRK-Helfer über fünf ausgestattete Sanitätsräume in Stadion verfügen – plus einen Raum im Spielerbereich nahe den Mannschaftskabinen.

Vor fast genau fünf Jahren war der Extremfall für die Rettungsteams im Stadion eingetreten. Im März 2016 war während der ersten Halbzeit der Partie des BVB gegen Mainz auf der Südtribüne ein 80-jähriger Fan mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen. Trotz sofortiger Hilfe starb er. Eine zweite Person, die fast zeitgleich im Stadion ebenfalls einen Herzinfarkt erlitt, wurde auf der Tribüne erfolgreich reanimiert und ins Krankenhaus gebracht. Die gespenstische Stille auf den Rängen, die sich nach der Todesnachricht für eine halbe Stunde über das voll besetzte Stadion legte, und dann kurz vor Schluss im von Dortmunder und Mainzer Anhängern gemeinsam gesungenen „You’ll never walk alone“ mündete, zählt zu den bewegendsten Momenten in Borussias Fanhistorie. Auch Christian Hockenjos hat die damaligen Geschehnisse nicht vergessen und kann ermessen, wie sich die Menschen in Kopenhagen am Samstag fühlten. „Wir als Borussia Dortmund senden Christian Eriksen die besten Wünsche, sind in Gedanken bei ihm und hoffen auf seine vollständige Genesung“, sagt Hockenjos.

Auch für das BVB-Training gibt es einen Notfallplan

Borussia Dortmund hat sich auch für die Trainingsarbeit auf mögliche medizinische Notfälle vorbereitet. In den Räumen des Trainingsgeländes in Dortmund-Brackel hängen Defibrillatoren, die dank einfacher Handhabung auch für den medizinischen Laien einsetzbar sein sollen. Aufgestockt hat der BVB erst jüngst sein medizinisches Profiteam: Vier Mediziner kümmern sich jetzt um die Gesundheit der Spieler, Kopf der Doktoren ist Markus Braun, Leitender Arzt der Abteilung für Sportmedizin des Dortmunder Knappschaftskrankenhauses. Trainieren die BVB-Profis, ist laut Vereinsangaben stets einer der Teamärzte auf dem Gelände, der schnell eingreifen könnte. Und: Am Spielfeldrand platziert die Borussia zu jeder Trainingseinheit medizinisch geschultes Personal, das verpflichtend einen Notfallrucksack und einen Defibrillator-Koffer für den direkten Einsatz auf dem Trainingsplatz bereithalten muss.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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