Edin Terzic hat ein gelungenes Debüt als BVB-Cheftrainer gefeiert - hat aber noch viel Arbeit vor sich. © imago
Meinung

Nach gelungenem Debüt: Die Feinarbeit für BVB-Trainer Terzic beginnt erst

Edin Terzic feiert ein gelungenes Debüt als Cheftrainer. Über den Berg ist der BVB aber noch nicht. Es bleibt abzuwarten, ob er das größte Problem der Mannschaft in den Griff bekommt.

Man merkte deutlich, dass auch dem neuen Mann an der Seitenlinie diese Partie alle Kräfte abgefordert hatte. Edin Terzic brachte den Interview-Marathon nach seinem ersten Spiel als Chef hinter sich, „erleichtert und glücklich“, wie er gestand, aber eben auch „richtig müde“ sei er.

Terzic musste die BVB-Elf auf einer anderen Ebene kitzeln

Aufregende Tage waren das bis zu seinem ersten Spiel, es blieb wenig Zeit, um der Mannschaft seine Vorstellungen zu vermitteln, es gab nur ein „richtiges“ Training vor der Abreise nach Bremen. Terzic musste die Elf auf einer anderen Ebene kitzeln. Es ging dabei um simple Dinge im Teamsport. Wie die Pflicht zum Miteinander, wie die Bereitschaft zur Drecksarbeit, wie die Notwendigkeit, von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert zu bleiben.

Was man nach wenigen Tagen sagen kann: Die Art des 38-Jährigen scheint anzukommen. In der Rolle des Co-Trainers pflegte er einen guten Draht zum Team, nun als Chef lebte er Begeisterung vor an der Seitenlinie. Terzic stand sinnbildlich über 90 Minuten unter Strom, und es war unterm Strich auch klug von ihm, dass er nur Nuancen veränderte und nicht gleich mit dem Holzhammer auf eine Mannschaft einschlug, von der ja jeder weiß, dass sie es eigentlich viel besser kann, als sie das in den vergangenen knapp drei Wochen gezeigt hat.

Der BVB hat sich das Glück gegen Bremen verdient

Nun ist Terzic sicher nicht der erste neue Trainer, der mit dem Appell an Grundtugenden einsteigt in den neuen Job. Und auch er selbst wusste, dass das Spiel in Bremen nur ein Anfang gewesen sein kann. Ohne den Fauxpas von Bremens Bestem, Jiri Pavlenka, beim Elfmeter-Foul an Manuel Akanji wäre es nur ein Teilerfolg geworden für die Borussia. Eigentlich hätte man ein 1:1 angesichts der Tabellenkonstellation noch nicht einmal als das betiteln dürfen. Das nötige Glück spielte mit in seine Karten, man durfte aber konstatieren, dass sich die Mannschaft dieses Glück auch verdient hatte. Der BVB war die bessere Elf, mit der Mehrzahl an klaren Chancen.

Doch Terzic weiß natürlich, dass da noch mehr kommen muss. Eine noch klarere Struktur, ein noch zielstrebigeres Spiel nach vorn, noch mehr Überzeugung in den eigenen Angriffen und vor allem: weniger dumme und leichte Fehler, die einem Gegner in die Spur helfen, der eigentlich klar unterlegen war. Manuel Akanji wird wissen, dass er den Ball nicht so hergeben darf wie vor dem 1:1, auch so mancher gefährliche Ball von Mateu Morey darf auf diesem Niveau so nicht gespielt werden.

Terzic muss seine Vorstellungen für den BVB im laufenden Betrieb durchbringen

Die Feinarbeit beginnt also erst. Die Art von Fußball, die Edin Terzic dauerhaft sehen will, war in Bremen nur bruchstückhaft erkennbar, doch es wäre auch wohl vermessen gewesen, eine Mannschaft im Hurra-Stil zu erwarten. Für den Trainer selbst war die Art, wie dieses 2:1 zustande kam, sogar viel wertvoller. Auf die erkennbar harte Arbeit sei er richtig stolz, erklärte Terzic nach der Partie, eine Aussage, die auch verdeutlichte, dass es diese Arbeit zuletzt ja nicht immer gegeben hatte.

Die Krux für den neuen Mann ist, dass er seine Vorstellungen im laufenden Betrieb durchbringen muss. Bis Weihnachten bleibt es beim Rhythmus aus Regeneration und Vorbereitung, zielgerichtetes Training ist bis dahin kaum möglich. Und im Januar geht die Hatz ja gleich weiter und die Qualität der Gegner steigt sprunghaft. Man sollte also Rückschläge mit einkalkulieren.

Der neue BVB-Trainer Terzic muss das größte Rätsel dieser Mannschaft lösen

Bremen war ein erster Schritt, mehr nicht. Denn der Berg an Arbeit bleibt gewaltig. Terzic will aus der Mannschaft den BVB-Fußball wieder herauskitzeln, er muss individuelle Aufbauarbeit leisten bei einigen Spielern, für die die bisherige Saison eine Enttäuschung war (Sancho, Reus, Brandt, Schulz). Vor allem aber muss er das seit Jahren größte Rätsel in dieser Mannschaft lösen. Die Launenhaftigkeit der hochbegabten Truppe hat viel zu oft Punkte gekostet. Sie zu mehr Konstanz in ihren Leistungen zu bringen, ist wohl die größte Herausforderung für den neuen Trainer.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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