Hängende Köpfe bei Borussia Dortmund nach dem Ausscheiden aus der Champions League. © imago images/Xinhua
Borussia Dortmund

Nach Lissabon-Pleite und Champions-League-Aus: Katerstimmung beim BVB

Das erste Saisonziel - Achtelfinale der Champions League - hat Borussia Dortmund verpasst. Der BVB muss nun aufpassen, dass er nicht auch die anderen Ziele aus den Augen verliert.

110 Gepäckstücke hatte Borussia Dortmund bei der Reise nach Portugal im Schlepptau. Vom Flughafen Humberto Delgado wurden sämtliche Trainingsutensilien, technisches Equipment und natürlich auch Schuhe und Bekleidung mit dem Bus zum Stadion transportiert. Ein enormer Aufwand, den der BVB betreiben musste. Als die Mannschaft am Mittwochvormittag den Flieger Richtung Heimat betrat, hatte sie alle 110 Koffer und Kisten wieder mit dabei. Nur Punkte waren nicht mit im Gepäck. Stattdessen nahmen Team, Trainer und Verantwortlichen eine Menge Frust mit auf die Heimreise.

BVB-Trainer Marco Rose: Sporting hat sich den Sieg verdient

Michael Zorc hatte die Erlebnisse der 1:3-Niederlage vom Vorabend einige Stunden verarbeitet, als er am Donnerstagvormittag noch am Flughafen vor die Presse trat. Aber auch mit einer Nacht Schlaf nach dem bitteren Aus in der Königsklasse gestand der BVB-Sportdirektor: „Es wird nicht besser heute Morgen. Es ist ein bitterer Moment für uns. Wir sind in der Champions League gescheitert. Insbesondere nachdem man die ersten beiden Spiele gewonnen hatte, ist das schwach – das muss man ganz ehrlich sagen. Das tut momentan nur weh.“

Dass die Schwarzgelben über die gesamten 90 Minuten mit 65 Prozent deutlich mehr Ballbesitz aufwiesen als Sporting, vermochte keinen Trost zu spenden. Im Grunde machte es die Sache sogar noch ein bisschen schlimmer. Denn der BVB war nicht dazu in der Lage, in den wichtigsten Kriterien mit Lissabon mitzuhalten. „Wir waren über 90 Minuten im Spiel, hatten mehr den Ball und anständige Ballgewinne“, zählte Marco Rose positive Aspekte zugunsten der Seinen auf. Allein: „Die Tore werden gemacht im gegnerischen Sechzehner und werden verhindert im eigenen Sechzehner – und da war der Gegner klar besser als wir. Dann interessiert nicht, wieviel Ballbesitz du hattest. In den entscheidenden Statistiken hat sich Sporting den Sieg verdient“, konstatierte der BVB-Trainer.

Kompromisslosigkeit, Konsequenz und Konstanz fehlt beim BVB

Ausschlaggebend für die Niederlage waren aus seiner Sicht die 3Ks – Kompromisslosigkeit, Konsequenz und Konstanz, die Rose bei seinem Team – zumindest in ausreichendem Maße – vermisste. Schon am Tag vor dem Endspiel in Lissabon hatte Rose gesagt: „Wir müssen besser werden, wenn wir große Ziele erreichen wollen.“ Die 90 Minuten im Estadio José Alvalade werden ihn in dieser Einschätzung bestätigt haben.

Doch wie soll sein Team kompromisslos spielen, wenn es ständig personelle und taktische Kompromisse eingehen muss? Wie soll es konsequent den Plan des Trainers umsetzen, wenn die Konsequenzen eines in der Breite nicht ausreichend gut besetzten Kaders immer deutlicher zu Tage treten? Und wie soll die Mannschaft bei all diesen Begleitumständen Konstanz entwickeln, wenn das einzig Konstante seit Monaten die Menge an Ausfällen ist?

Wichtige Wochen bis Weihnachten liegen vor Borussia Dortmund

Fragen, die viel schneller gestellt, als beantwortet sind. Fest steht: In den verbleibenden sechs Pflichtspielen des Jahres muss der BVB dafür sorgen, dass er in der Bundesliga auf Kurs bleibt, damit sich im Umfeld keine negative Dynamik entwickelt. Im neuen Jahr könnte der BVB dann – hoffentlich mit deutlich mehr personellen Optionen – den Dreikampf aus Meisterschaft, Pokal und Europa League bestreiten. Die Bilanz der deutschen Klubs in der Europa League ist bislang ernüchternd, auch die des BVB ist dort ausbaufähig.

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Positiv betrachtet bietet der Abstieg aus der Königsklasse nun die Chance, das zu ändern. Gleichwohl hinterlässt das Ausscheiden aus der Champions League bei der Borussia eine heftige Delle im Lack. „Es ist nicht nur finanziell, sondern auch sportlich und vom Image es ein starker Rückschlag, das müssen wir ganz klar einräumen“, gestand Michael Zorc. Wirtschaftlich ist die Lage aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin angespannt. „Und wir wissen nicht, was in den nächsten Wochen noch passiert. Du musst in der Europa League schon sehr weit kommen, um das zu kompensieren“, sagte Zorc.

Personelle Situation des BVB darf keine Ausrede sein

Noch richtete er den Blick nicht nach vorn. Bezüglich der Fortführung der Saison im kleineren europäischen Wettbewerb hielt sich der Sportdirektor mit Ambitionen bewusst zurück: „Wir müssen jetzt die Wunden lecken, statt Ziele zu proklamieren.“

Die personelle Situation – das hat auch Marco Rose zuletzt immer wieder betont – soll nicht als Ausrede herhalten. Das Team wird den Ansprüchen an sich selbst bisweilen nicht gerecht. „Dass wir keinen Sahnefußball spielen, ist mir seit Wochen klar. Und trotzdem muss du diese Gruppe überstehen“, unterstrich Michael Zorc. Auch das Fehlen des Torjägers ließ der BVB-Sportdirektor nicht gelten. „Natürlich hat Erling Haaland nur ein Champions-League-Spiel gemacht. Trotzdem haben auch alle anderen Spieler, die auf dem Platz waren, den Anspruch, sich gegen Sporting Lissabon durchzusetzen und das haben sie nicht geschafft“, hielt Zorc fest.

Für den BVB stehen die nächsten schweren Aufgaben vor der Tür

Korrekturen am Kader im Winter sind daher wohl unumgänglich. Das war auch bei den Gegentoren erkennbar, bei denen der BVB defensiv sträflich patzte. „Ich glaube Sporting fragt sich heute noch, wie sie das erste Tor schießen konnten. Aber wir helfen halt mit dabei. Wir verteidigen zu schlecht und machen zu viele individuelle Fehler, die uns in Rückstand bringen. Uns haben am Ende die Mittel gefehlt, das dann noch zu drehen“, so Zorc.

Gemeinsam mit den übrigen Verantwortlichen dürfte Zorc die Leistungen der Mannschaften in den Wochen bis Weihnachten sehr genau beobachten. „Jetzt stehen mit Wolfsburg und Bayern die nächsten Aufgaben vor der Tür, die alles andere als einfach sind. Ich glaube, dass die Mannschaft da auch in der Pflicht ist“, betonte Zorc. In die gleiche Kerbe schlug auch Marco Rose: „Es ist unsere Pflicht, nicht zu resignieren und es gibt auch keinen Grund dazu.“

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