Julian Nagelsmann (l.) strebt nach höheren Aufgaben, die BVB-Wunschlösung heißt daher Marco Rose. © imago / Team 2
Borussia Dortmund

Nagelsmann strebt nach höheren Aufgaben – BVB-Wunschlösung steht fest

Julian Nagelsmann und Borussia Dortmund, das fügt sich nicht. Erneut. Leipzigs Trainer strebt nach noch Höherem. Entsprechend ist die BVB-Wunschlösung ab Sommer eine andere.

Die Botschaft war halbwegs nett verpackt, aber sie war dennoch deutlich herauszuhören. Und eigentlich bestätigte Julian Nagelsmann am Donnerstag nur das, was die Ruhr Nachrichten bereits unmittelbar nach Lucien Favres Entlassung beim BVB am 13. Dezember des zurückliegenden Jahres berichtet hatten. Nagelsmann, 33 Jahre alt und derzeit vermutlich einer der spannendsten Fußballlehrer weltweit, steht im Sommer nicht als neuer BVB-Trainer zur Verfügung, falls Borussia Dortmund sich dazu entschließen sollte, nicht mit Edin Terzic als Cheftrainer in die Spielzeit 2020/2021 zu gehen.

„Mit Bezug auf Borussia Dortmund gibt es keinerlei Gründe für irgendwen bei RB Leipzig, nervös zu werden“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den BVB am Samstagabend (18.30 Uhr, live auf Sky). Der gebürtige Bayer sprach dabei nicht über die anstehende sportliche Aufgabe, sondern über seine weitere Karriereplanung als Trainer.

Nagelsmann: „Ich fühle mich wohl und habe große Ziele mit Leipzig“

Die Situation mit dem BVB sei so, sagte Nagelsmann, wie sie zu seiner Zeit in Hoffenheim gewesen sei. „Es gab und es gibt keine Passung. Und es gibt auch keine Notwendigkeit. Ich fühle mich wohl und habe große Ziele mit Leipzig.“ Daher seien die Aussagen von RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, der Ende Dezember erklärt hatte, in der Personalie Nagelsmann „entspannt“ zu sein, auch völlig zutreffend. „Er hat in Bezug auf Dortmund gar keinen Grund, unentspannt zu sein“, erklärte Nagelsmann.

Ob Nagelsmann in seinem Statement vielleicht ein- oder gar zweimal zu oft das Wort Dortmund platzierte und sie in Leipzig bei anderen Interessenten als dem BVB vielleicht doch nervös werden sollten, wird in Zukunft ausschließlich ein Leipziger Problem werden, keines von Borussia Dortmund. Denn Nagelsmann strebt mittlerweile, wie im Dezember von den Ruhr Nachrichten berichtet, nach höheren Aufgaben und größeren Klubs als dem BVB. In Deutschland käme als nächster Schritt wohl nur Bayern München in Frage, aber auch das Ausland reizt ihn. Gerne Real Madrid, vielleicht auch Juventus Turin: Der Griff zielt ganz weit oben ins Regal, nicht aber in die schwarzgelbe Schublade.

Julian Nagelsmann sagt dem BVB erneut ab

Das wissen Borussia Dortmunds Entscheidungsträger schon länger. Seitdem klar war, dass Lucien Favres drittes Jahr beim BVB auch sein letztes sein würde, und das war allerspätestens im Herbst der Fall, eigentlich aber noch früher, begann die Suche nach einem Nachfolger auf der Dortmunder Trainerbank für die nächste Saison – und Nagelsmann sagte dem BVB bereits zum dritten Mal ab.

2017, als Nagelsmann die TSG Hoffenheim innerhalb eines Jahres von einem Abstiegsplatz bis in die Champions League führte, hatten es Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc erstmals versucht, 2018 dann erneut, aber Nagelsmann, der damals, wie er im Dezember 2019 mal ganz offen im ZDF-Sportstudio erzählte, durchaus Interesse am Trainerposten beim BVB gehabt und sich die Herausforderung in Dortmund auch zugetraut hätte, stand bis mindestens 2019 in Hoffenheim im Wort und kam nicht früher aus seinem Vertrag bei den Kraichgauern heraus, vor Sommer 2019 ging nichts.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Es gab bestehende Verträge“

Dortmund konnte und wollte nicht so lange warten, holte erst Peter Bosz, übergangsweise Peter Stöger und später Lucien Favre – und Nagelsmann sagte letztendlich den Roten Bullen aus Leipzig zu, die Ralf Rangnick für die Saison 2018/2019 als Trainer reaktivierten, um die Zeit bis zu Nagelsmanns Verfügbarkeit zu überbrücken. BVB-Sportdirektor Zorc umschrieb das am Donnerstag so: „Es gab bestehende Verträge und deshalb hat sich das nicht ergeben, weil wir, so möchte ich es mal ausdrücken, trainertechnisch versorgt waren.“

Aktuell ist Borussia Dortmund auf der Trainerposition noch genau bis zum 30. Juni dieses Jahres versorgt. Und weil Nagelsmann einmal mehr nicht BVB-Trainer werden wird, heißt die schwarzgelbe Wunschlösung für die Zeit ab dem 1. Juli nach Informationen der Ruhr Nachricten Marco Rose. Der 44-jährige Trainer von Borussia Mönchengladbach steht zwar noch bis Sommer 2022 am Niederrhein unter Vertrag, könnte vom BVB aber anders als einst Nagelsmann aus seinem Vertrag herausgekauft werden – und kann sich anders als Nagelsmann ein Engagement in Dortmund auch im Jahr 2021 gut vorstellen.

BVB-Wunschkandidat: Rose-Vertrag in Gladbach läuft bis 2022

Folglich klingen Roses Aussagen zu den BVB-Gerüchten in der Öffentlichkeit zurückhaltender als die von Nagelsmann. Er beschäftige sich nicht damit und kommentiere das alles auch nicht, erklärte Rose im Dezember. Diesen Satz wird er vermutlich noch etwas häufiger sagen müssen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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