Stadionsprecher Norbert Dickel kann die Rückkehr der Fans ins Stadion kaum erwarten. Er hofft auf das eine oder andere Spektakel im Signal Iduna Park. © imago /Kirchner-Media
Borussia Dortmund

„Nicht vergleichbar“: BVB-Stadionsprecher Dickel fiebert Fan-Rückkehr entgegen

Norbert Dickel geht in seine 30. Saison als BVB-Stadionsprecher. Mit Borussia Dortmund ist er durch dick und dünn gegangen. Doch die Partie gegen Frankfurt wird besondere Emotionen freisetzen.

Tippt man bei YouTube den Namen Norbert Dickel ein, schlägt einem die Autovervollständigung umgehend „rastet aus“ vor. Seine emotionalen Ausbrüche als Kommentator des BVB-Netradios sind legendär und hunderttausendfach abgerufen worden. Unter den Fans von Borussia Dortmund genießt „Nobby“ als Held von Berlin ebenso Kultstatus wie als Stadionsprecher.

BVB-Stadionsprecher Nobby Dickel hat die Fans vermisst

Zuletzt aber war es coronabedingt merklich ruhig im Signal Iduna Park, auch Norbert Dickel ist spürbar leiser geworden. Doch nach fast einer ganzen Saison ohne Fans kehren am Samstag zum Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt immerhin 25.000 Zuschauer zurück ins Stadion.

„Das werden am Samstag meine ersten Worte an die Fans sein: Ich bin einfach froh, euch wieder hier zu haben“, sagt Dickel im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Ihn eint mit vielen BVB-Anhängern die Sehnsucht auf die Rückkehr ins Stadion. Dickel war zwar im Gegensatz zu den Fans auch während der Geisterspiele immer da. Aber die waren eben kein Vergleich zur Ekstase, die den Signal Iduna Park in normalen Zeiten mit Publikum ausmacht.

BVB-Stadionsprecher Dickel: „Netradio ist nicht vergleichbar“

„Mit Boris Rupert habe ich eineinhalb Jahre in der Loge gesessen, Netradio gemacht und dabei einfach nur vorgelesen. Das war nicht vergleichbar. Ich freue mich riesig darauf, endlich wieder auf den Rasen zu dürfen“, sagt Dickel. Die Stille soll endlich ein Ende haben.

Ohne Zuschauer auf den Rängen habe man bisweilen hören können, was die Spieler zueinander gesagt hätten. „Und wenn ein Tor gefallen ist, haben die Spieler uns wahrscheinlich vom Netradio gehört, wie wir gejubelt haben“, sagt Dickel. Ihm ist es nur recht, wenn das ab Samstag wieder anders ist, man sein eigenes Wort kaum verstehen kann, weil um einen herum alle jubeln, singen, klatschen und das Team anfeuern.

Nobby freut sich auf ein Tor von „Eeeeeerling …. Haaaaaaaaland“

Ganz besonders liegt ihm am Herzen, vor der Südtribüne endlich wieder die Mannschaftsaufstellung zelebrieren zu können. Und natürlich noch mehr, einen Treffer seines BVB zu verkünden. „Ich freue mich riesig darauf, ein Tor durchzusagen und mal wieder zu rufen: Der Torschütze mit der Nummer neun – Eeeeeerling, und dann kommt Haaaaaland von den Rängen zurück“, schwärmt Norbert Dickel.

„Mit Boris Rupert habe ich eineinhalb Jahre in der Loge gesessen, Netradio gemacht und dabei einfach nur vorgelesen. Das war nicht vergleichbar. Ich freue mich riesig darauf, endlich wieder auf den Rasen zu dürfen“, sagt Norbert Dickel. © imago / firo © imago / firo

Außerdem ist da ja noch der zwölfte Mann. Den will Dickel nicht außer Acht lassen. „Wir dürfen nicht vergessen, welch großen Anteil unsere Fans hin und wieder am Ausgang eines Spiels hatten. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat zwar meistens die bessere Fußballmannschaft gewonnen. Aber wenn du Fans im Stadion hast, kann es schon mal passieren, dass durch die Emotionen auch die Mannschaft, die nicht unbedingt die bessere ist, das Spiel gewinnt, weil die Fans auf den Rängen so viel Gas geben“, sagt Dickel.

Dickel-Lob: „BVB-Fans geben immer 90 Minuten Vollgas“

Deshalb sei er froh, dass die Anhänger ab Samstag wieder im Stadion mit dabei sind. Ob 80.000 oder zu Beginn erst mal nur 25.000 sei zu vernachlässigen. „Denn unsere Fans sind bekannt dafür, dass sie 90 Minuten Gas geben und die Mannschaft unterstützen wollen“, sagt Dickel.

Sollten ihn seine Eindrücke aus dem Trainingslager in Bad Ragaz nicht täuschen, glaubt der 59-Jährige an eine überaus unterhaltsame Saison seines BVB. „Wenn wir in der Saison das sehen, was ich in der Schweiz gesehen habe, können wir uns auf tollen Fußball freuen. Denn Marco Rose möchte mit dem Team nach vorne spielen, will pressen und das ist all das, was wir als BVB-Fans gerne sehen. Wenn die Mannschaft so spielt, wie Marco Rose das möchte, werden wir bestimmt das eine oder andere Spektakel in dieser Saison erleben“, frohlockt Norbert Dickel.

BVB-Erinnerungen an das emotionale 4:3 gegen den FC Augsburg

Ein Spektakel wie im Oktober 2018, als Paco Alcacer in der Nachspielzeit per Freistoß zum 4:3 gegen den FC Augsburg traf. Da rastete Norbert Dickel aus und mit ihm das gesamte Stadion. Emotionaler Ausnahmezustand. Allemal besser als pandemischer Ausnahmezustand.

24. Juni 1989: Der Tag, der Norbert Dickel zum Helden von Berlin machte. Hier erzielt er gegen Werder Bremens Torhüter Oliver Reck den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich im Finale des DFB-Pokals. © dpa © dpa

Vor der Rückkehr der Fans wird Norbert Dickel am Freitag noch einmal alles durchgehen, seine Moderationskärtchen schreiben, den Ablauf proben. Der wird trotz allem nicht ganz so sein wie bei Heimspielen vor Corona. Auf dem Rasen dürfen keine Aktionen stattfinden. Die Fahnenschwenker zum Beispiel sind nicht erlaubt. Das Hygienekonzept lässt das nicht zu.

BVB-Urgestein Dickel: „Wenn es zur Routine wird, höre ich auf“

Norbert Dickel geht am Samstag als BVB-Stadionsprecher in seine 30. Spielzeit. „Wenn die Saison abgelaufen ist, habe ich wirklich schon 30 Jahre auf dem Buckel, kaum zu glauben“, meint Dickel. Ein bisschen Lampenfieber wird er haben, wenn er am Samstagabend gegen Eintracht Frankfurt „die besten Fans der Welt, die Fans von Borussia Dortmund“ begrüßt.

Aber das müsse auch so sein, sagt Dickel. „Wenn man vor 80.000 Leuten spricht, darf das nie zur Routine werden. Ich bin nach wie vor vor jedem Spiel aufgeregt und nervös und das muss auch so sein. Wenn das für mich irgendwann mal zur Routine wird, dann höre ich auf.“ Bis das eines Tages soweit ist, soll sich bei YouTube noch mehr Video- und Audiomaterial angesammelt haben – mit vielen weiteren emotionalen Ausbrüchen von Norbert Dickel.

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