Not-Abwehr gegen Top-Torjäger: Besonderes BVB-Wiedersehen mit Immobile

mlzChampions League

Ciro Immobile wechselte 2014 mit großen Erwartungen zum BVB - doch die Fußstapfen von Robert Lewandowski erwiesen sich als zu groß. Jetzt trifft der Italiener nach Belieben. Auch am Dienstag?

Dortmund

, 19.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Krieger“ haben sie ihn in Italien genannt, und als Borussia Dortmund vor nunmehr sechseinhalb Jahren 18,5 Millionen Euro in die Hand nimmt, um sich die Dienste von Ciro Immobile zu sichern, ist dies ein Transfer, mit dem beide Seiten große Hoffnungen verknüpfen. Der damals 24-jährige Angreifer, der beim FC Genua den Sprung in die Serie A geschafft hatte und beim FC Turin Torschützenkönig wurde, will sich auch außerhalb seines Heimatlandes beweisen. Und der BVB glaubt, einen Nachfolger für den ablösefrei zu den Bayern gewechselten Robert Lewandowski gefunden zu haben. Nach nur einer Saison aber beenden die beiden Parteien die Zusammenarbeit schon wieder. Der BVB wurde mit Immobile nicht glücklich, der Italiener war unglücklich in fremder Umgebung.

Immobile hat große Probleme mit der laufintensiven BVB-Spielweise

Anzeige


Es gab, relativ früh in seiner einen BVB-Saison, diesen Moment, wo man dachte, dass der Knoten jetzt platzen würde, dass es etwas werden könnte zwischen Ciro Immobile und der Borussia. Ein lauer Septemberabend im Signal Iduna Park. Ciro Immobile schnappt sich in der Dortmunder Hälfte den Ball, allein auf weiter Flur rennt er in Kopf-durch-die-Wand-Manier auf die Abwehr des FC Arsenal zu. Der Dortmunder Auftakt in die Champions League hatte sich bis dahin gegen die massierte Abwehr der Engländer sehr zäh gestaltet, Immobiles Sturmlauf mit dem Mute der Verzweiflung aber entwickelt sich zu einem echten Geniestreich. Als der Ball nach dem Solo über mehr als 60 Meter im Tor landet, explodierte die Stimmung im Stadion. Es ist eine Befreiung auch für den hoch angesehenen Stürmer, der schwierige erste Wochen im neuen Klub hinter sich hat.

Umfrage

Champions League: Wie endet der BVB-Auftritt in Rom?

783 abgegebene Stimmen

Doch Szenen wie diese sollten Seltenheitswert haben. Der Rucksack der immensen Ablöse drückte, dazu hatte Immobile große Probleme mit der laufintensiven Spielweise der Borussia, die ihn immer wieder von der Zone entfernte, in der er seine großen Stärken ausspielen konnte. Die größere Qualität der Abwehrspieler, die Komplexität der Anforderungen, die Trainer Jürgen Klopp an ihn stellte: Es waren sportlich schwierige Monate weit weg von der Heimat - und auch privat kam die junge Familie Immobile in ihrem Domizil in Unna-Billmerich nicht wirklich an.

Für Immobile ist immer seltener Platz in der BVB-Startelf

Immobile scheiterte am Ende auch, weil er das bedingungslose Vertrauen des Trainers vermisste, er wurde auch mitgerissen von dem Abwärtssog, in den eine nominell viel zu gut besetzte BVB-Mannschaft geriet und der den Klub sogar bis in die Abstiegszone herunterzog. Dazu war die Konkurrenz übermächtig: Pierre-Emerick Aubameyang schoss schon damals Tore am Fließband, Marco Reus war nach überstandener langwieriger Verletzung ein Fixpunkt des BVB-Angriffsspiels, in dem auch die kreativen Shinji Kagawa und Henrik Mkhitaryan, angetrieben und eingesetzt von Ilkay Gündogan, ihre Stärken ausleben konnten. Für Immobile aber war immer seltener Platz.

Jetzt lesen

Als der BVB nach einer bedrückenden Hinrunde, die ihn seinen Stammplatz gekostet hatte, allmählich die Kurve bekam, waren andere zuständig für eine Siegesserie, die Dortmund am Ende doch noch in die Europa League katapultierte. Immobiles Anteil daran war gering: Als der BVB im Februar und März 2015 fünf Spiele hintereinander gewann, schaute er in allen Spielen nur von außen zu. Sein deprimiertes Gesicht auf der Ersatzbank sprach Bände. Gegen Ende der Saison hatte sich sein Abschiedswunsch schon konkretisiert. Mehr als Kurzeinsätze waren ihm nicht mehr vergönnt.

Immobile erzielt für Lazio 36 Tore und sichert sich den „Golden Shoe“

Immobile schloss sich nach dem Umweg über Leihgeschäfte mit Sevilla und Turin im Sommer 2016 Lazio Rom an - und die Römer landeten einen Glücksgriff. Fünf Tore erzielte er gleich in seiner ersten Halbserie nach der Italien-Rückkehr für den FC Turin, es folgten bei Lazio Spielzeiten mit 23, 15, 29 und zuletzt gar 36 Liga-Treffern. Erfolgreicher als Immobile war in der vergangenen Saison kein europäischer Angreifer, Lohn der Mühen: der „Golden Shoe“.

Jetzt lesen

Trotz der langen Zeit, die seit seinem Engagement vergangen ist, wird Ciro Immobile am Dienstag auf bekannte Gesichter treffen. Marco Reus und Lukasz Piszczek sind immer noch da, Mats Hummels ist wieder zurück. Es wird ein spannendes Duell zwischen dem Weltmeister-Innenverteidiger und dem Stürmer, der nur in Dortmund nicht „funktionierte“, danach aber immer zuverlässig seine Tore schoss. Die Dortmunder Not-Abwehr wird sich warm anziehen müssen, denn Immobiles Motivation, seine Torgefährlichkeit auch im direkten Duell zu zeigen, wird hoch sein.

Lesen Sie jetzt