Der BVB steht im Januar vor den Wochen der Wahrheit. © imago / Christian Schroedter
Meinung

Ohne die Grundtugenden des Fußballs wird der BVB seine Ziele verpassen

Der BVB schleppt sich ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Das Ergebnis im letzten Spiel des Jahres passt, ansonsten allerdings nicht viel. Die Grundtugenden des Fußballs kommen zu kurz.

Jetzt ist es geschafft. Oder wohl eher endlich überstanden. Das Fußballjahr 2020 ist für Borussia Dortmund beendet. Es war ein Jahr, das wegen der Corona-Pandemie in erster Linie außergewöhnlich, fordernd und völlig anders war, in der sportlichen Endabrechnung allerdings nicht nur wegen der Entlassung Lucien Favres vor anderthalb Wochen mehr Enttäuschungen als Momente der Freude für Schwarzgelb bereithielt.

BVB-Leistung in Braunschweig ist kein Appetitanreger für 2021

Zumindest vor einem weiteren Tiefschlag hat sich der BVB am Dienstagabend bewahrt. Der 2:0-Sieg in Braunschweig war gewiss kein fußballerischer Leckerbissen, er war auch kein Appetitanreger für das Fußballjahr 2021, aber er sicherte immerhin das Überwintern im DFB-Pokal – und verhinderte ein vollends verkorkstes Weihnachtsfest bei Borussia Dortmund.

Nun kehrt für ein paar Tage Ruhe ein, bis zum 28. Dezember, um genau zu sein. Wer darf, fährt zu seiner Familie. Manch ein Spieler muss in Dortmund bleiben, obwohl er Weihnachten sicherlich gerne woanders verbringen würde. Doch Anfang nächster Woche geht es so oder so schon weiter. Bereits am 3. Januar startet der BVB mit dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Es folgt das Auswärtsspiel in Leipzig. Dann kommt Mainz, darauf auswärts in Leverkusen, ein paar Tage später in Mönchengladbach. Es sind Wochen, die ausnahmsweise tatsächlich mal „Wochen der Wahrheit“ genannt werden dürfen.

BVB lässt häufig die Grundtugenden des Fußballs vermissen

Der BVB wird dann sehr vieles von dem zeigen müssen, was er bislang in dieser Saison viel zu selten auf den Rasen gebracht hat. Allen voran wären da die Grundtugenden des Fußballs zu nennen: Leidenschaft, Siegeswille, mannschaftliche Geschlossenheit, Mut und Laufbereitschaft. Nur wenn es dem neuen Cheftrainer Edin Terzic gelingt, seine Mannschaft nachhaltig an die Basiselemente des Spiels zu erinnern, wird diese Mannschaft, die diesen Titel in dieser Spielzeit bislang zu selten verdient hatte, wieder sportlich begeistern und überzeugen können. Die Spieler müssen verstehen, dass Talent nicht nur eine Gabe, sondern manchmal eben auch eine Verpflichtung ist.

In der Champions League und im DFB-Pokal, das ist die gute Nachricht aus Dortmunder Sicht, ist nichts verloren. In der Bundesliga, das ist die schlechte, dagegen schon. Acht Punkte Rückstand auf Bayern München bedeuten ein Brett, für das die passende Bohrmaschine vermutlich erst noch erfunden werden muss. Aber wahrscheinlich geht es darum eigentlich längst nicht mehr. Der aktuelle Tabellenplatz, Rang fünf, käme nach 34 Spieltagen einer sportlichen und wirtschaftlichen Katastrophe gleich, in Zeiten riesiger und coronabedingter Verluste ganz besonders.

In der Bundesliga geht es zunächst um Schadensbegrenzung

Insofern steht im Kerngeschäft Bundesliga zunächst einmal nichts anderes als Schadensbegrenzung auf dem Dienstplan der BVB-Profis. Die Champions-League-Qualifikation darf nicht in noch größere Gefahr geraten – ansonsten wird auch das Jahr 2021 nur sehr wenige Momente der Freude für Borussia Dortmund bereithalten, vor allem beim Blick auf die Finanzen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
Zur Autorenseite
Tobias Jöhren

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt