Penible Vorschriften! Die BVB-Profis im Zwang der Quarantäne

mlzBorussia Dortmund

Im Zwang der Quarantäne bereiten sich die BVB-Profis auf den Bundesliga-Neustart gegen Schalke vor. Im Mannschaftshotel gelten penible Vorschriften.

Dortmund

, 11.05.2020, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die letzten Nachzügler trafen am Sonntag ein. Manuel Akanji und Mario Götze haben mittlerweile auch Quartier bezogen im feinen Vier-Sterne-Komplex „l‘Arrivée Hotel und Spa“ im Süden Dortmunds, wo der BVB in die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgeschriebene Quarantäne gezogen ist.

Und täglich grüßt den BVB das Murmeltier

Bis zum Samstag, wenn der Mannschaft beim Liga-Neustart gleich das Revierderby gegen den FC Schalke 04 (15.30 Uhr, live bei Sky) ins Haus steht, wird es einen immer gleichen Ablauf geben: Hotel - Training in Brackel oder im Stadion - zurück ins Hotel. Kontakt zur Familie oder zu Freunden? Ist nicht erlaubt. Kontakt zu Mitspielern oder Mitgliedern des Trainer- und Betreuerstabes? Wird soweit wie möglich reduziert. Auch auf den kurzen Fahrten zwischen Hotel und Training wird penibel darauf geachtet, die Abstandsregeln so weit wie möglich einzuhalten. Die Spieler werden in den beiden großen Mannschaftsbussen und in einem Van gefahren, Trainer und Betreuer reisen jeweils einzeln und in ihren Privat-PKW.

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Für Akanji war es eine wahre Punktlandung. Am Samstag hatte der Schweizer Innenverteidiger das erste „Geister-Training“ im Stadion noch verpasst, weil bei seiner hochschwangeren Frau Melanie die Wehen eingesetzt hatten. Am Montag trainierte Akanji wieder. Und teilte am Nachmittag auf Instagram die schöne Nachricht von der Geburt seines ersten Sohnes. Aayden Malik Adebayo Akanji ließ seinen Vater und auch den BVB lange zittern - denn hätte sich die Geburt noch in die Woche hinein verzögert, hätte Akanji laut der Vorgaben des DFL-Konzepts die vorgeschriebenen sieben Tage Quarantäne nicht mehr einhalten können. Und wäre in der Konsequenz am Samstag wohl nicht spielberechtigt gewesen. Das wäre nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Dan-Axel Zagadou (Außenbandriss im Knie) ein harter Schlag für Trainer Lucien Favre gewesen.

Nur Einzelszimmer für die BVB-Spieler im Mannschaftshotel

Den gewohnten Ablauf wird es für die Dortmunder Profis in ihrem Stammhotel nicht geben. Alle Spieler haben ein Einzelzimmer bezogen, außerhalb dieses Raumes müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Vor dem Einzug der Mannschaft wurden das Hotel und speziell die vom BVB permanent genutzten Orte gründlich desinfiziert. In allen Räumen gibt es Desinfektionsmittel zur Handreinigung. Die hauseigenen Fitness-Räume sind tabu für die prominenten Gäste, ebenso der Wellness-Bereich. Kontakt zu anderen Gästen musste die Borussia in den Vorbeugemaßnahmen nicht berücksichtigen, denn der BVB hat den Komplex für sich alleine. Es geht noch weiter ins Detail, sogar für die Einstellung der Klima-Anlage gibt es eine Empfehlung: „Nicht zu trockene Luft, 21 Grad, Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 Prozent.“

Betreut die BVB-Profis auch während der Quarantäne: Sportpsychologe Dr. Philipp Laux.

Betreut die BVB-Profis auch während der Quarantäne: Sportpsychologe Dr. Philipp Laux. © Groeger

Eine Kontrolle der Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen, zum Beispiel durch das Gesundheitsamt der Stadt, findet nicht statt, da in der Corona-Schutz-Verordnung ausdrücklich der Sport für Berufssportler von Verboten ausgenommen ist. „Ohne Anlass können wir daher keine Überwachungsmaßnahmen durchführen“, sagte Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage dieser Redaktion. Der BVB, so Widow, habe aber im Vorfeld der Entscheidung für die Durchführung von Geisterspielen das Hygienekonzept mit dem örtlichen Gesundheitsamt besprochen.

Alle BVB-Spieler werden am Freitag auf das Coronavirus getestet

Alle Maßnahmen sollen die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöhen, dass die Bundesligisten bis zum Samstag ohne weitere unliebsame (Infektions-)Überraschungen durchkommen. Im Verlauf der Woche wird es noch zwei weitere Testungen geben, die letzte am Freitag, keine 24 Stunden vor der Partie gegen Schalke. Damit soll ein höchstmögliches Maß an Sicherheit erreicht werden, dass sich am Samstag nur Spieler, die mehrfach negativ auf das Coronavirus getestet worden sind, auf dem Rasen des Signal Iduna Parks gegenüberstehen.

Der Fall Dresden hat jedoch gezeigt, wie fragil das System ist. Ein akuter Fall in der Bundesliga würde das Konzept ins Wanken bringen. Die kommenden sechs Wochen werden auch zum Zitterspiel.

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