Potenziell top: Mats Hummels läuft beim BVB den Erwartungen aber noch hinterher

mlzBorussia Dortmund

Borussia Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels gelingt es nicht, die Defensive zu organisieren und zu stabilisieren. Licht und Schatten wechseln sich ab.

Dortmund

, 11.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein paar schnelle Schritte Anlauf, dann wuchtete Mats Hummels den Ball per Kopf ins Netz und seinen Namen in die Geschichtsbücher. Borussias Vizekapitän ist seit Samstag, seit seinem Treffer beim 3:4 in Leverkusen, der einzige Spieler, der in den letzten zwölf Bundesliga-Spielzeiten immer mindestens einmal getroffen hat.

Mats Hummels und der BVB: Es läuft nicht alles rund

Trotzig jubelte Hummels. Endlich hatte er wieder für den BVB getroffen, erstmals in der Bundesliga seit Dezember 2015. Dass es mit dem ersten von Erfolg gekrönten Offensivkopfball bis in den Februar hinein gedauert hatte, wird ihn gewurmt haben. Es läuft nicht alles rund seit seiner zweiten Verpflichtung im vergangenen Sommer, nicht nur beim Toreschießen.

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Mit dem Rückkauf des „verlorenen Sohnes“ verbanden die BVB-Bosse die Hoffnung und Erwartung, einen Führungsspieler im Kader zu haben, an dem sich andere aufrichten können. „Er will mit uns Erfolg haben, die jungen Spieler führen, das können wir gut gebrauchen. An seiner Seite können viele Spieler besser werden“, sagte damals Sportdirektor Michael Zorc.

Mats Hummels streute mehr Fehler ein, als man es von ihm gewohnt war

Dass Hummels die Fähigkeiten dazu im Kopf und im Fuß hat, daran bestehen keine Zweifel. Doch auch für die Nummer 15 persönlich verliefen die ersten Monate seit seiner mit mehr als 30 Millionen Euro Ablöse kostspieligen Heimkehr vom FC Bayern München nicht wie gewünscht. In der Innenverteidigung legte er immer wieder starke Auftritte hin, streute aber auch mehr Fehler ein, als man es von ihm gewohnt war.

Gala-Vorstellungen wie gegen den FC Barcelona oder in den ersten 65 Minuten gegen Bayer Leverkusen am Samstag ragten heraus. Doch es gab auch Fehlentscheidungen wie in den Partien gegen Inter, Aussetzer mit dem Ball wie in Barcelona oder gleich doppelt wie in Berlin, als er mit Gelb-Rot vom Platz flog.

Mats Hummels beim BVB: Höhen und Tiefen in der Deckungsarbeit

Manchmal begeistert er mit seinen eingestreuten Flugbällen hinter die gegnerische Abwehrreihe oder dann, wenn er durch sein kluges Antizipieren und Vorwärtsverteidigen die gegnerischen Angriffe im Keim erstickt. In anderen Situationen rückt er voreilig heraus, verpasst das Tackling und entblößt ohne Not die Abwehr. Oder er verpasst den Antritt der Stürmer und muss hinterherhecheln.

Es gibt diese Gegentore, bei denen Hummels schlecht aussieht, bei denen ihn jedoch längst nicht allein die Schuld trifft. Seine Vorderleute könnten starke Zuspieler wie Yuya Osako in Bremen (vor dem 3:1) oder Kai Havertz in Leverkusen (vor dem 3:3) auch auftrags- und absprachegemäß unter Druck setzen und Passwege zustellen. Doch das gelingt nicht oft genug, die hinterste Verteidigungslinie steht immer wieder hilflos da.

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Denn sobald die gegnerischen Angreifer Fahrt aufnehmen, bleibt den Dortmunder Abwehrschränken meist nur das Nachsehen. Vor allem, wenn sie falsch positioniert sind oder zu spät reagieren.

Borussia Dortmund macht zu viele individuelle Fehler

Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison waren es neun Gegentore weniger und elf Punkte mehr, die Borussia Dortmund im Tableau auszeichneten. Mit dem 31-jährigen Hummels, seiner Ball- und Passsicherheit sowie seinen Qualitäten als Turm in der Abwehrschlacht, sollte die Defensive folglich noch stabiler stehen, ein BVB-Bollwerk entstehen.

Aufgegangen ist die Überlegung bisher nicht, weil sich individuelle Fehler vieler Borussen häufen, weil auch die taktische Ausrichtung nicht immer eindeutig scheint. Da geht es oftmals um eine Disbalance zwischen Angriffslust und vernachlässigter Abwehrarbeit. Darum, jede Spielform mit Entschlossenheit umzusetzen. Kompakt. Ausbalanciert.

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„Wir können eine internationale Topmannschaft sein, aber das sind wir nicht, wenn wir dem Gegner jedes Mal wieder das Spiel überlassen während eines Spiels“, sagte der Weltmeister von 2014 nach dem 3:4 bei Bayer Leverkusen bei Sky. „Das Wichtigste für uns ist, bei Führungen nicht passiv zu werden.“

Mats Hummels über die BVB-Defizite: „Bekommen es leider nicht abgestellt“

Doch in der Schlussphase ließ sich seine Mannschaft nach einem bis dahin insgesamt voll überzeugenden Auswärtsspiel in der eigenen Hälfte einschnüren. Der falsche Weg. „Wir wissen, dass das so ist, aber bekommen es leider nicht abgestellt“, sagte Hummels.

Von Strategen wie ihm oder dem formschwachen Axel Witsel müssten die Ansagen kommen, wie die Mannschaft auf veränderte Spielsituationen reagieren soll. Doch hier gibt es offenkundig ein Führungsdefizit im Kader.

Mats Hummels ist beim BVB als Anführer gefordert

Witsel ist introvertiert und mit allzu viel Abwehrarbeit überfordert. Hummels passt die ihm zugedachte Chef-Rolle nicht so gut wie erwartet. Vielleicht ist auch er zu sehr mit sich selbst beschäftigt, wenn der Widerstand wächst. „Es braucht dann Spieler, die die entsprechenden Kommandos geben und den Ruck innerhalb einer Mannschaft auslösen“, sagte Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl. Routinier Hummels ist in dieser Saisonphase mehr denn je gefordert.

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