Auch inmitten der Unterbrechung des Spielbetriebs geben Spieler Zusagen für die kommende Saison - sei es bei ihrem aktuellen oder einem neuen Verein. © imago images/Michael Weber
Borussia Dortmund

Pro & Contra: Sollte das Fernsehgeld anders verteilt werden?

Der BVB kassiert viel Kohle, nicht alle Bundesligisten streichen aber hohe Beträge bei den TV-Geldern ein. Wir diskutieren: Sollte das Fernsehgeld anders verteilt werden?

Borussia Dortmund und die Klubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) bekommen 4,4 Milliarden Euro zwischen 2021 und 2015 aus der TV-Vermarktung. Das ist etwas weniger als bislang, aber immer noch absurd viel Kohle. Der Streit um die Verteilung ist längst entbrannt. Soll bisheriger Erfolg mehr honoriert werden? Oder sollte es mehr Chancengleichheit geben? Wir diskutieren: Sollte das Fernsehgeld anders verteilt werden?

Von Jürgen Koers: Mehr Geld im Profifußball hat in der Vergangenheit nur dazu geführt, dass sich Spieler und ihre Berater die Taschen vollgemacht haben. Weder ist der Sport besser noch der Wettbewerb spannender geworden. Es wird Zeit für ein Umdenken. Die Klubs sollten das Verteilungsprinzip der TV-Gelder fundamental ändern.

„Ja, eine andere Verteilung muss her: Chance für Neuausrichtung“

Selbstverständlich gehört Leistung weiter honoriert. Bayern und der BVB sind für den deutschen Fußball ein Vielfaches mehr wert als Bielefeld oder Union Berlin, und sie leisten auch ein Vielfaches. Doch Erfolge der Vergangenheit dürfen nicht das zentrale Merkmal bleiben.

BVB ist mehr wert – es geht auch um das Verursacher-Prinzip

Es geht auch um das Verursacher-Prinzip: Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg interessieren kaum jemanden, die Werksklubs werden obendrein noch von ihren Konzernen alimentiert. RB will Energy-Drinks vermarkten – die sollten TV-Spots kaufen müssen statt für Fernsehzeit bezahlt zu werden. Und 10.000 Pay-TV-Zuschauer bei Augsburg gegen Freiburg sind sicher nicht der Grund für Milliardenverträge.

Ein anderer Punkt, der auf die Agenda gehört: Nachhaltiges Wirtschaften muss sich lohnen, anstatt überschuldete Klubs künstlich über Wasser zu halten. Wer solide haushaltet, sollte nicht für die Misswirtschaft anderer einstehen müssen. Vielleicht hilft eine Abwandlung des Salary-Caps: Wer prozentual weniger vom Umsatz in Gehälter verschwendet, bekommt Boni beim TV-Geld.

Vereine, die nachweislich ökologisch, sozial und nachhaltig handeln, verdienen zusätzliche Prämien. Schließlich muss die Nachwuchsförderung einen viel größeren Stellenwert bekommen.

Verteilt das Geld nach Kriterien, die dem Fußball guttun, und nicht nur Einzelnen.

Von Dirk Krampe: Die Argumentation für den Status Quo, den – wenig überraschend – vor allem die mächtigen Bosse beim FC Bayern München (Karl-Heinz Rummenigge) und bei der Borussia aus Dortmund (Hans-Joachim Watzke) zumindest in weiten Teilen so gern beibehalten würden, speist sich vor allem aus zwei Punkten: Zum einen ist da die Attraktivität. Klubs wie der BVB und die Bayern sind für den deutschen Profifußball unbestritten wichtige Repräsentanten. Sie sind in jedem Jahr in Asien oder Amerika Dauergast, um (auch) für die DFL ihr bestes Pferd im Stall zu vermarkten.

„Nein, Top-Klubs sorgen für Attraktivität: Viel für den, der viel leistet“

Auch die permanente Teilnahme an den internationalen Wettbewerben steigert die Attraktivität der Bundesliga, sie stellt für die Top-Klubs gleichzeitig eine große Kraftanstrengung dar, die einen Niederschlag in der Verteilung der Fernsehgelder finden muss.

Klubs wie der BVB und Bayern brauchen größere Kader – und mehr Geld

Die Bayern als Triple-Sieger kamen in der abgelaufenen Saison auf 52 Pflichtspiele, mit regulären Hin- und Rückspielen ab dem Viertelfinale in der Champions League wären es sogar 55 gewesen. Mainz 05, deren Finanzchef Jan Lehmann nun eine Gleichverteilung der Gelder an alle Klubs fordert, hatte demgegenüber nur 35 Partien zu spielen. Satte 17 weniger. In der Konsequenz brauchen Klubs wie die Bayern, Leipzig, Leverkusen und der BVB daher deutlich größere Kader. Das kostet mehr Geld.

Natürlich muss der Fußball aufpassen, dass die Schere zwischen Reich und weniger Reich nicht noch weiter auseinanderklafft. Treibender Faktor ist hier vor allem die Champions League. Eine Anpassung der Quote tut daher schon Not. Doch wer zur Attraktivität eines Produkts am meisten beiträgt, hat es auch verdient, die größten Stücke vom Kuchen zu bekommen.

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Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe
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Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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