BVB-Coach Edin Terzic. © Maik Hölter/TEAM2sportphoto
Borussia Dortmund

Pro und Contra: Ist es richtig vom BVB, an Coach Terzic festzuhalten?

Die erhoffte Besserung nach Lucien Favres Entlassung beim BVB ist ausgeblieben, Nachfolger Edin Terzic weist keine gute Quote auf. Wir diskutieren: Ist es richtig, an Terzic festzuhalten?

Zehn Bundesliga-Spiele, nur vier Siege, 14 von 30 möglichen Punkten: Die erhoffte Besserung nach Lucien Favres Entlassung im vergangenen Dezember ist bei Borussia Dortmund ausgeblieben. Von den vergangenen sechs Bundesliga-Spielen konnte der BVB unter Trainer Edin Terzic nur noch ein einziges gewinnen. Die Verantwortlichen sprechen ihm trotzdem weiterhin das Vertrauen aus. Wir diskutieren: Ist es richtig vom BVB, an Terzic festzuhalten?

„Ja, die Entscheidung ist richtig: Die Probleme liegen tiefer“ – von Dirk Krampe

Man muss sich nichts vormachen: Das Bekenntnis zu Edin Terzic könnte sehr schnell von der sportlichen Realität überholt werden. Fußball ist ein Tagesgeschäft, in dem vorrangig Ergebnisse zählen, nicht langfristige Entwicklungen. Allein die Vorstellung einer Derby-Niederlage am Samstag (wer verliert aktuell schon gegen Schalke!) bereitet den Verantwortlichen beim BVB Magenschmerzen. Gerät das Saisonziel noch stärker in Gefahr, wird auch Terzic nicht mehr zu halten sein.

Es ist aber richtig, diesen Zeitpunkt noch nicht für gekommen zu erachten und stattdessen die Mannschaft in die Pflicht zu nehmen. Denn die Probleme liegen tiefer, als das irgendein Trainer auf dieser Welt sie ad hoc bereinigen könnte. Die weiter viel zu hohe Zahl an individuellen Fehlern zum Beispiel eines Manuel Akanji ist inakzeptabel, von Terzic aber kaum zu verantworten. Und die Möglichkeiten für ihn, darauf zu reagieren, sind wegen der Verletzungsproblematik (Dan-Axel Zagadou) begrenzt.

Man muss Mats Hummels zunächst einmal glauben, wenn er sagt, dass im Training ein deutlich anderes Arbeitsverhalten schon zu erkennen ist. Der Abwehrchef, selbst aktuell nicht in der Form der Hinrunde, weiß aber auch, dass er sich an diesen Worten messen lassen muss. Und die Fortschritte müssen sehr bald schon auch für jedermann am Wochenende sichtbar sein. Terzic, als Jugend- und Co-Trainer auch für Entwicklungsprozesse in einem Team zuständig, spürt nun als Chef, dass es am Ende nur um Ergebnisse geht. Bleiben die aus, wird es auch für ihn eng.

Ist die Zeit von Edin Terzic beim BVB schon abgelaufen? © Ralf Ibing /firo Sportphoto/pool © Ralf Ibing /firo Sportphoto/pool

Wir diskutieren: Ist es richtig vom BVB, an Terzic festzuhalten?

„Nein, die Entscheidung ist falsch: Terzics Gnadenfrist“ – von Tobias Jöhren

Edin Terzic konnte einem fast leidtun, mal wieder – und das ist nur ganz selten ein gutes Zeichen im Fußball. Der 38-jährige BVB-Trainer, der bis zum Saisonende retten soll, was immer weniger zu retten scheint, musste von der Seitenlinie aus mehr oder weniger hilflos mit ansehen, wie seine Spieler auch gegen die TSG Hoffenheim bestenfalls Bruchstücke von dem auf den Platz brachten, was Terzic seit Mitte Dezember stetig von ihnen einfordert. Mut. Entschlossenheit. Leidenschaft. Schnörkelloses Spiel nach vorn im eigenen Ballbesitz, aggressives Anlaufen, wenn der Gegner den Ball hat.

Früher wurde das mal plakativ als BVB-Fußball umschrieben, aber die Erinnerung daran verblast immer mehr – wie ein altes Urlaubsfoto, das man irgendwann zugestaubt wiederfindet und sich fragt, in welchem Jahr das nochmal war. Menschenskinder, wie schnell die Zeit vergeht!

Auch Terzics Zeit als BVB-Trainer scheint schneller zu vergehen, als er es verdient hat. Seine Worte und Werte klingen gut und richtig, seine Zahlen und Ergebnisse aber sind alarmierend und frustrierend zugleich. Das, was Spieler wie Mats Hummels sagen, passt nicht zu dem, was die Spieler zeigen. Die phasenweise erkennbare Entwicklung, die intensive Trainingsarbeit, die veränderte Spielidee, sie müssen schleunigst den Weg auf die Anzeigetafel finden. Nur fünf Punkte aus den letzten sechs Bundesliga-Spielen sprechen für sich – und sagen am Ende mehr aus als jedes Interview. Terzics letzten beiden Patronen heißen Sevilla und Schalke. Dass er sie bekommt, ist unstrittig. Und gnädig.

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Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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