Hat viel Arbeit vor sich: BVB-Trainer Edin Terzic. © dpa
Meinung

Pro und Contra: Kann Edin Terzic den BVB nachhaltig stabilisieren?

Borussia Dortmund steckt in einem Formtief, Neu-Coach Edin Terzic steht unter Zeitdruck. Wird es dem neuen Trainer in der Kürze der Zeit gelingen, die Mannschaft nachhaltig zu stabilisieren?

Nach dem 1:2 bei Union Berlin ist die leichte Brise von Aufbruchstimmung bei Borussia Dortmund schon wieder verflogen. Als Tabellenfünfter steht der BVB außerhalb der Champions-League-Plätze und vor unruhigen Weihnachtstagen, das wichtigste Saisonziel ist in Gefahr. Und die Winter-Vorbereitung, um an den fundamentalen Problemen zu arbeiten, fällt dieses Mal aus. Wir fragen: Wird es dem neuen Trainer Edin Terzic in der Kürze der Zeit gelingen, die Mannschaft nachhaltig zu stabilisieren?



Pro: Ja, Terzic stabilisiert die Mannschaft (von Tobias Jöhren)

Roman Bürki traf nach der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin eine bemerkenswerte Aussage. „Die ganze Stimmung ist anders“, meinte Borussia Dortmunds Torhüter. „Es ist enorm viel Stimmung drin, auch in der Kabine, das ist etwas Neues.“

Terzic drückt in diesen Tagen die richtigen Knöpfen beim BVB

Dass eine stimmungsvolle Kabine in Dortmund etwas Neues ist, ist erst einmal ein sehr schlechtes Zeichen, weil es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte bei einem Klub, der gerne mal wieder eine Deutsche Meisterschaft gewinnen würde. Dass es aber seit Terzics Dienstantritt als Cheftrainer eine spürbare Veränderung gibt, ist dann doch ein gutes Zeichen. Terzic und sein Trainerteam um die beiden Co-Trainer Sebastian Geppert, Otto Addo sowie Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber drücken in diesen Tagen die richtigen Knöpfen bei Borussia Dortmund.

Der eine oder andere Spieler wird davon womöglich böse überrascht werden, aber es wird in der Kürze der Zeit für Terzic vor allem darum gehen, aus bislang zu vielen Ich-AGs beim BVB wieder eine funktionierende Mannschaft zu formen. Jeder bekommt zu Beginn die Chance, ins gemeinsame Boot einzusteigen und mitzufahren. Wer nicht mitfahren möchte, muss dem Kahn in der Rückrunde dann hinterherschauen. Egal, wie prominent sein Name ist, der aufs Trikot geflockt wird.

Bei Borussia Dortmund gibt es nun keine Ausreden mehr

Terzics Ansatz, die Spieler dabei mit in die Diskussion einzubeziehen, ist der richtige. Es gibt keine Ausreden mehr. Es geht um Verantwortung, die jeder in einer Mannschaft übernehmen muss. Und es geht darum, dass dieser Prozess auch aus der Mannschaft selbst kommt, dass sich tragende Stützen entwickeln, die dafür sorgen, dass alle mitziehen. Nur so geht es – und dann wird auch die sportliche Qualität schnell wieder zum Tragen kommen.

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Contra: Nein, es stimmt zu viel nicht beim BVB (von Dirk Krampe)

Zu viel stimmt in diesem Kader nicht, als dass es jetzt mit einem neuen Mann an der Seitenlinie gleich grundlegend und von Dauer besser werden könnte. Denn Borussia Dortmunds großer Schwachpunkt ist entschlüsselt worden in den vergangenen Monaten und Jahren. Erfährt diese Elf Gegenwehr, nimmt man ihr (auch durch Härte) die Lust am Fußballspielen, gibt es auf dem Feld zu wenige, die die Ärmel hochkrempeln, die sich wehren. Zu wenige, die zeigen, dass sie auch das rustikale Spiel beherrschen.

Bei Borussia Dortmund ist eine fatale Entwicklung zu erkennen

Zum Hang zu verspieltem und verschnörkeltem Fußball gesellt sich dann auch allzu oft noch der Eindruck, dass manche die Zeichen für harte Arbeit gar nicht erkennen (wollen) – geschweige denn dann ihr Spiel entsprechend umstellen können. Das wird sich nicht ändern, bloß weil da ein neuer Mann an der Linie steht.

Die Gegner haben dies erkannt. Und es ist eine fatale Entwicklung, dass kaum jemand mehr wie einst den spielstarken BVB fürchtet, stattdessen auch qualitativ deutlich schlechter besetzte Mannschaften die große Chance sehen, die Spiele gegen Borussia Dortmund bietet. Und obendrein einen Erfolg versprechenden Ansatz im Köcher haben.

Es bedarf personeller Korrekturen beim BVB

Dieses Schiff wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken, ist Terzic zwar zuzutrauen. Aber kaum in der Kürze der Zeit. Es wird dauern. Neben harten und weichen Faktoren, was das Auftreten auf dem Platz anbetrifft, wird es auch personeller Korrekturen bedürfen, um eine dauerhaft andere Herangehensweise zu etablieren. Andere Köpfe, neue Führungspersönlichkeiten. Denn nichts ist schwieriger, als einen Schlendrian herauszubekommen, der sich dauerhaft eingenistet hat. Mal ehrlich: Woher sollte nach dem Spiel in Berlin der Optimismus kommen, dass Terzic das gelingen kann, woran sein Vorgänger (und er selbst als „Co“!) zweieinhalb Jahre vergeblich gearbeitet haben?

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Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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