Reus hat mit "Punktekonto ordentlich gehaushaltet"

Verkehrsjurist im Interview

Marco Reus (25) war mehrfach ohne Führerschein unterwegs. Doch obwohl er fünfmal wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wurde und Bußgeldbescheide bekam, fiel nicht auf, dass er gar keine Fahrerlaubnis besaß. Markus Schäpe, Verkehrsexperte und Jurist beim ADAC in München, erklärt im Gespräch, wie das überhaupt möglich war.

DORTMUND

18.12.2014, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jahrelang ohne Führerschein unterwegs: Marco Reus.

Jahrelang ohne Führerschein unterwegs: Marco Reus.

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Das hängt davon ab, was im Strafbefehl festgehalten ist. Normalerweise gibt es in diesen Fällen eine sogenannte isolierte Sperre. Das heißt, in einem gewissen Zeitraum kann man keine Fahrerlaubnis bekommen. Wenn Marco Reus das erspart geblieben ist, kann er sich bei der Fahrschule anmelden und die Ausbildung anfangen. Ob er aber zur Prüfung zugelassen wird, ist eine andere Frage: Mit den fünf Straftaten hat er gezeigt, dass ihm das Ganze in den vergangenen Jahren egal war. Und bei Eignungszweifeln sieht der Gesetzgeber eine medizinisch-psychologische Untersuchung vor. Hier könnte überprüft werden, ob sich die generelle Einstellung zum Straßenverkehr nun geändert hat. 

 Auch wenn es bei der Beherrschung des Fahrzeugs offenbar keine Probleme gibt, müsste Marco Reus die vorgeschriebene Anzahl an Pflichtfahrstunden absolvieren. Das heißt fünf Überlandfahrten, vier Fahrstunden auf der Autobahn und drei bei Dunkelheit. 

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 Ein Tagessatz stellt in Deutschland immer ein Dreißigstel des monatlichen Netto-Einkommens dar. Die Staatsanwaltschaft geht offenbar bei Marco Reus von einem monatlichen Nettoeinkommen von 180.000 Euro aus, der Tagessatz beträgt also 6000 Euro. Das hochgerechnet auf drei Monatsgehälter, also 90 Tage, ergibt 540.000 Euro. 

 Wenn man davon ausgeht, dass jemand ein monatliches Netto von 1200 Euro hat, dann läge der Tagessatz bei 40 Euro, multipliziert mit 90 kommt man auf 3600 Euro. 

Bei jemandem, der wiederholt und nachweislich mehrere Fahrten ohne Führerschein gemacht hat, sind 90 Tage der gängige Tarif. Höhere Strafen werden nur verhängt, wenn jemand wegen ähnlicher Delikte schon vorbestraft ist. Wenn es sich dagegen um Ersttäter handelt, das heißt ein Elternteil lässt seinen Sohn oder Tochter auf einem Supermarktparkplatz ans Steuer, würde die Strafe eher bei 30 bis 45 Tagessätzen liegen.

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