Roman Weidenfeller im Zeugenstand

Nach Vapiano-Attacken

Borussia Dortmunds Roman Weidenfeller (30) gilt als einer der profiliertesten Torhüter Deutschlands. Der Strafraum ist sein zu Hause, doch Mittwoch betritt der BVB-Profi für ihn gänzlich unbekanntes Terrain. Er wird im Saal 107 des Amtsgerichts Unna als Zeuge aussagen.

DORTMUND

von Von Sascha Fligge

, 05.04.2011, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Roman Weidenfeller spielt eine starke Saison. Mittwoch ist er nicht der Held auf dem Rasen, sondern Zeuge vor Gericht

Roman Weidenfeller spielt eine starke Saison. Mittwoch ist er nicht der Held auf dem Rasen, sondern Zeuge vor Gericht

Weidenfeller erlitt eine Schädelprellung und eine Prellung der linken Mittelhand. Auf einen am Boden liegenden Freund des Profis sollen die Männer ebenfalls eingeschlagen und ihn mit Tritten versehen haben. Bei ihm wurden ebenfalls Prellungen und zudem Gesichtsverletzungen diagnostiziert. „Ich hatte noch Glück“, sagte der BVB-Torwart damals, „ich habe zwar auch etwas im Gesicht abgekriegt, konnte aber dank meiner guten Reflexe häufig ausweichen.“ Der handgreiflichen Auseinandersetzung war offenbar ein Streit um die Belegung von Sitzplätzen vorausgegangen. Er gipfelte in einer wilden Verfolgungsjagd durch die Dortmunder Innenstadt. Polizisten stellten die mutmaßlichen Schläger schließlich mit gezückter Waffe.

„Weidenfeller und sein Freund waren ganz klar die Opfer. Die Hintergründe der Tat sind vollkommen undurchsichtig. Was wir sagen können, ist, dass kein Alkohol im Spiel war“, sagte ein Polizeisprecher damals. Am Mittwoch soll ab 9 Uhr Licht ins Dunkel gebracht werden. Die Beschuldigten, von denen einer als Heranwachsender eingestuft wurde, sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie haben schon vor dem ersten Verhandlungstag für viel Aufsehen gesorgt, indem sie es sich leisteten, Prominenten-Anwalt Steffen Ufer mit der Wahrung ihrer Interessen vor dem Jugend-Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Birgit Vielhaber-Karthaus zu beauftragen. Der Münchner Ufer gilt als schillernde Figur der Juristerei, war schon an der Verteidigung des Oetker-Entführers Dieter Zlof sowie des Kindermörders Jürgen Bartsch beteiligt. Prominente wie Peter Graf, Rainer Werner Fassbinder, der „schöne Konsul“ Weyer, Martin Semmelrogge und Karl-Heinz Wildmoser gehörten oder gehören noch zu seinen Mandanten-Portfolio. „Der Ufer ist einer, der sich weit über das Maß hinaus einsetzt, das man von einem Anwalt erwartet. Er kann sich ungeheuer erregen (...)“, hat der Liedermacher Konstantin Wecker einmal über ihn gesagt.

„Ich bin in diesen Fall hineingezogen worden“, betont Weidenfeller vor dem Beginn des Prozesses im Saal 107, der Mittwoch und Donnerstag aller Voraussicht nach aus allen Nähten platzen wird. Geladen sind über zwei Dutzend Zeugen, etwa 45 Personen finden Platz in den äußerst beengten Räumlichkeiten. Journalisten mussten ihre Plätze vorab reservieren. Roman Weidenfeller denkt mit Schrecken an den September-Tag des Jahres 2009 zurück. Er hatte zunächst beklagt, niemand im Vapiano habe ihm geholfen, die Angreifer abzuwehren. Unmittelbar nach den Attacken erhielt er allerdings „viel Zuspruch von BVB-Fans“ und ist inzwischen „froh über die breite Unterstützung“.

In Dortmund genießt Weidenfeller einen guten Ruf, gilt als einer der Väter des gegenwärtigen sportlichen Erfolgs, der im siebten BVB-Meistertitel münden soll. Weil er sein Tor in der laufenden Spielzeit zwölfmal schadlos hielt, führt er die so genannte „Weiße Weste“-Wertung an, sein Notendurchschnitt im Fachmagazin Kicker (2,76) weist Weidenfeller als deutsche Nummer 2 hinter Schalkes Manuel Neuer (2,69) aus. Den Strafraum beherrscht der Borusse wie kaum ein anderer. Ob er im Zeugenstand ähnlich überzeugend wirkt, wird sich am Mittwoch weisen.

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