Blüht beim BVB wieder auf: Jadon Sancho © imago / Kraft
Borussia Dortmund

Sancho blüht beim BVB wieder auf – und lässt Raum für Spekulationen

Nach einer schwierigen Hinrunde ist die Leichtigkeit bei BVB-Profi Jadon Sancho zurück. Nun hat sich der 21-Jährige zu seiner Zukunft geäußert - und lässt Raum für Spekulationen.

Die Wandlung Jadon Sanchos von einem der fußballerischen Sorgenkinder der Hinrunde zu einem, der wieder Spiele entscheidet, der sportlich unverzichtbar ist und Borussia Dortmund unberechenbarer macht, lässt sich natürlich an den Zahlen ablesen. Acht Tore hat Sancho in der Bundesliga erzielt, elf vorbereitet, das ist noch immer weit von seinen Werten aus dem Vorjahr entfernt, als er 17 Treffer erzielte und weitere 17 vorbereitete – und somit durchschnittlich mehr als eine Torbeteiligung pro Partie beisteuerte.

Dass sich der junge Engländer wieder nahe seiner Topform bewegt, belegt aber der Vergleich zwischen Hin- und Rückrunde in dieser Saison. Der 21-Jährige verpasste zwar sechs Partien der Rückserie wegen eines Muskelbündelrisses, kommt in neun Einsätzen aber dennoch auf sechs Treffer und fünf Assists.

Tagesform von Sancho könnte über BVB-Pokalsieg entscheiden

Die stetig steigende Formkurve lässt sich abseits seiner Werte auch an der zurückgekehrten spielerischen Leichtigkeit deutlich erkennen. Sancho, in der Hinrunde oft schwerfällig und ohne Selbstvertrauen unterwegs, tänzelt wieder über den Rasen. Er traut sich die Dinge zu, die ihn so besonders machen. Und während alle Welt darüber spekuliert, ob Erling Haaland im Pokalfinale einsatzfähig ist und vorrangig darüber die Dortmunder Siegchancen definiert werden, ist eine andere Prognose nicht allzu gewagt: Der Schlüssel zum zweiten Erfolg über RB Leipzig binnen weniger Tage könnte auch die Tagesform von Jadon Sancho sein.

Sancho hat viel dazugelernt in dieser Saison. Zwar lässt sich darüber spekulieren, ob der geplatzte Wechsel zu Manchester United im vergangenen Jahr der alleinige Hauptgrund für seine enttäuschende erste Halbserie war. Dazu hat sich der Spieler nie konkret geäußert. Fakt bleibt, dass es für ihn, der schwierige Dinge leicht aussehen lassen kann, nach zwei Dortmunder Jahren, in denen es nur steil bergauf ging, zum ersten Mal über eine längere Strecke nicht so lief wie erwünscht.

Sancho stellt sich beim BVB in den Dienst der Mannschaft

Vielleicht wurde gerade in dieser Phase aus dem Künstler Sancho einer, der trotz allen Talents auch bereit ist, hart für den Erfolg zu arbeiten. Bei Jadon Sancho drückt sich das in der Rückrunde durch die Bereitschaft aus, viele Wege nach hinten zu gehen, Defensivzweikämpfe zu führen und sich Vertrauen auch durch Ballgewinne am eigenen Strafraum zu holen – und sich somit insgesamt deutlich stärker in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Nie war dieser Teil seines Spiels so ausgeprägt wie momentan.

Ohne dem vielleicht allzu große Beachtung zu schenken, ist das eine Weiterentwicklung, die Sancho umso interessanter macht für andere Klubs. Wer kann es sich schon leisten im modernen Fußball, einen Künstler zu beschäftigen, für den zwei, drei Mitspieler mitarbeiten müssen, damit er seine Kreativität entfalten kann? Bei Sancho stimmt seit Längerem die Mischung. Vorne kreativ und effektiv, hinten mannschaftsdienlich – diese Kombination macht den 21-Jährigen zu einem noch wertvolleren Mitglied dieses Kaders.

Beim richtigen Angebot würde der BVB Sancho ziehen lassen

Nach dem wichtigen Sieg gegen Leipzig, zu dem der Engländer mit zwei Treffern maßgeblich beitrug, feierte Sancho auf dem Platz überschwänglich. Diese Bilder und eine Aussage, die er nach Spielschluss tätigte, lassen nun die Spekulationen über seine Zukunft wieder in die Höhe schießen. Es galt lange Zeit als ausgemacht, dass sich die Wege des Freigeistes und Borussia Dortmund in diesem Sommer trennen, wenn ein Klub bereit ist, die finanziellen Bedingungen des BVB zu erfüllen.

Und prinzipiell hat sich daran nichts geändert. „Bei einem gewissen Angebot zu einem gewissen Zeitpunkt würden wir ihn ziehen lassen“, hat Sportdirektor Michael Zorc im Exklusiv-Interview mit den Ruhr Nachrichten erklärt. Genau hier lag freilich im vergangenen Sommer das Problem. Die 120 Millionen Euro, die der BVB aufrief, wollte und konnte vielleicht auch niemand bezahlen inmitten einer Pandemie.

Sancho sagt in einem Interview: „Ich liebe den BVB“

Wie „teuer“ Sancho in diesem Sommer ist, hat Zorc natürlich nicht verraten – selbst bei einem Preis deutlich unterhalb dieser Marke muss sich allerdings ein Abnehmer erst einmal finden. Sanchos stark aufsteigende Form nahe an dem, was er in der vergangenen Spielzeit konstant abrufen konnte, werden die potenten Klubs vielleicht wieder ins Grübeln bringen. Sehr wohlwollend dürfte Borussia Dortmund allerdings zur Kenntnis genommen haben, dass Sancho gegenüber „ESPN“ betonte, er „liebe den BVB“, wisse, was er dem Klub zu verdanken habe und sei „im Moment sehr glücklich.“

Vielleicht ist das nicht mehr als das übliche Geplänkel. Wie seine Zukunft aussehe? „Das kann ich im Moment nicht sagen“, hat Sancho natürlich auch noch gesagt und sich damit die Türen offen gelassen. Zorc hat betont, dass Sancho einen Klub bringen müsse, der die Bedingungen erfüllt, Borussia Dortmund will nicht aktiv danach suchen. Käme ein Wechsel erneut nicht zustande, macht Jadon Sancho zumindest momentan aber nicht den Eindruck, als sei das für ihn ein größeres Problem. Das war im Herbst 2020 noch deutlich anders.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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