Stehen beide auf dem Zettel des BVB: Noni Madueke (l.) und Donyell Malen sind Teamkollegen bei PSV Eindhoven. © imago / ANP
Borussia Dortmund

Sancho-Nachfolger beim BVB: Malen nach Zahlen oder ein Fall für zwei?

BVB-Star Jadon Sancho wechselt zu Manchester United. Erster Kandidat für die Nachfolge: Donyell Malen. Doch auch der Vater und der Berater eines anderen heißen Kandidaten besuchen Dortmund.

Malen nach Zahlen oder sogar ein Fall für zwei? Bei der Fahndung nach einem Nachfolger für Offensivstar Jadon Sancho hat Borussia Dortmund verschiedene Szenarien vorbereitet. Welches Planspiel greift, hängt auch davon ab, wie sich der Transfermarkt entwickelt.

Malen ist der Top-Kandidat für die Sancho-Nachfolge beim BVB

Zum Top-Ziel aufgestiegen ist Donyell Malen (22), niederländischer Nationalspieler von PSV Eindhoven. Seit Monaten kursiert der Name des Klienten von Starberater Mino Raiola herum. Die BVB-Scouts haben den endschnellen und physisch starken Angreifer schon lange auf ihren Zetteln, mit dem Hinweis: Malen ist mehr Mittel- als Flügelstürmer. Doch Neu-Trainer Marco Rose (44) hat intern in Aussicht gestellt, häufiger eine Aufstellung mit zwei Spitzen wählen zu wollen. Da wäre der antritts- und abschlussstarke Neuzugang aus dem Nachbarland eine ideale Ergänzung zu Chefknipser Erling Haaland (20). Auch für Eigengewächs Youssoufa Moukoko (16) blieben so Einsatz- und Entwicklungschancen.

Mit Malen und seinem Management steht der BVB seit Monaten in Kontakt und wird die Bemühungen jetzt intensivieren. Eindhovens Trainer Roger Schmidt weiß längst, dass sein Torjäger den Verein in diesem Sommer verlassen wird. Die Borussia möchte gerne unterhalb des aktuellen Marktwerts von 30 Millionen Euro den Zuschlag bekommen und rechnet sich dem Vernehmen nach gute Chancen aus. Dass Malen nicht nur als Nummer neun, sondern bei Bedarf auch auf dem linken Flügel seine Qualitäten einbringen kann, macht ihn umso wertvoller. Und den Kader flexibler.

Malen erfüllt die Kriterien des neuen BVB-Trainers Marco Rose

„Wir haben uns natürlich damit beschäftigt, wie wir die Qualität ersetzen können“, berichtete Rose von den Kaderplanungen. „Wir werden keinen Jadon Sancho bekommen, aber wir werden versuchen, kreative Lösungen zu finden. Wir sehen darin auch die Chance, uns vielleicht auf bestimmten Positionen anders aufzustellen.“ Zudem erfüllt Malen die Kriterien des Coaches, der physisch starke und dynamische Stürmertypen bevorzugt.

Rose benutzte wie auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (62) den Plural „Lösungen“. Die 114 Scorerpunkte (50 Tore, 64 Vorlagen) von Sancho kann ein Neuzugang allein schwerlich auffangen. Ist seine Nachfolge also ein Fall für zwei?

Berater und Vater von Noni Madueke am BVB-Trainingsgelände

Wenn sich die finanzielle Möglichkeit bietet, würde der BVB gerne noch einen Außenstürmer verpflichten. Ein Kandidat aus den Top fünf der Borussia ist ein aktueller Teamkollege von Malen, der 19-jährige Engländer Noni Madueke. Der gebürtige Londoner hat bei PSV mit 17 Scorerpunkten (9/8) in dieser Saison den Durchbruch geschafft, sein Marktwert wird auf 16 Millionen Euro beziffert. Maduekes Berater und sein Vater machten sich in dieser Woche auf Einladung der Borussia selbst ein Bild vom Trainingszentrum Hohenbuschei.

Vater und Berater von Donyell Malen zu Gast am BVB-Trainingsgelände. © Groeger © Groeger

In konkrete Verhandlungen sind die Parteien bei den Gesprächen zwar noch nicht eingestiegen, erfuhren die Ruhr Nachrichten. Das kann sich jedoch jederzeit ändern. Madueke könnte in diesem Sommer beim BVB landen, erst im nächsten Jahr oder gar nicht – wegen der Auswirkungen der Covid-Pandemie ergeben sich beim Transfergeschehen weiter viele Fragezeichen. Ein heißer Kandidat ist er auf jeden Fall.

Transfers als Geschäftsmodell

  • Wie in den vergangenen Jahren bei Robert Lewandowski (2014 / Bayern München), Ousmane Dembélé (2017 / FC Barcelona) oder Pierre-Emerick Aubameyang (2018 / FC Arsenal) muss Borussia Dortmund in Jadon Sancho erneut einen wichtigen Offensivspieler ersetzen.
  • Der sportliche Verlust ist kalkuliertes Risiko, der Transfergewinn eingepreist.
  • Mit Dembélé (Ausgabe 15 Mio. Euro, Einnahme 135 Mio. Euro), Sancho (8/90), Christian Pulisic (0/64) und Aubameyang (13/64) hat der BVB mehr als das Zehnfache des Investments wieder eingespielt. Und Tore geschossen haben die Spieler ja auch zwischendurch.

Der BVB muss mit den Sancho-Millionen auch das das coronabedingte Jahresminus auffangen

Wie viel Geld zur Verstärkung der Belegschaft zur Verfügung steht, hängt nach dem Sancho-Transfer auch von weiteren Verkäufen ab. Eingenommen hat der BVB fünf Millionen Euro für die abgegebenen Transferrechte an Alexander Isak (Real Sociedad), elf Millionen Euro für Leonardo Balerdi (Oympique Marseille) und 2,25 Millionen Euro für Sergio Gomez (Anderlecht). Hinzu kommen 85 Millionen Euro plus Zuschläge für Sancho (Manchester United) – nach Abgaben und dem Abzug der Transferbeteiligung von Ex-Klub Manchester City (15 Prozent) rechnet der BVB mit einem „positiven Effekt auf die Ergebniskennzahlen in Höhe von rund 56 Miollionen Euro“. Investiert hat Dortmund 15 Millionen Euro in Torhüter Gregor Kobel (VfB Stuttgart). Auffangen müssen die Borussen das coronabedingte Jahresminus von 75 Millionen Euro. Das begrenzt die Mittel für die Akquise.

Gut aufgestellt sehen sich die Schwarzgelben auch mit nur einem Neuzugang für die Abteilung Attacke. In Marco Reus (32), Giovanni Reyna (18), Thorgan Hazard (28), Julian Brandt (25) und Ansgar Knauff (19) stehen fünf Offensivspieler zur Verfügung für die begrenzten Plätze hinter oder neben Haaland, Malen oder Moukoko.

Bei Memphis Depay war der BVB gegen den FC Barcelona machtlos

Ein Kandidat wie Memphis Depay (27) war zwar ablösefrei auf dem Markt, ist vom FC Barcelona allerdings mit Konditionen gelockt worden, bei denen der BVB nicht hätte mitziehen können und wollen. Ein anderer Kandidat war in den vergangenen Jahren Callum Hudson-Odoi (20) vom FC Chelsea, an dem auch der FC Bayern München vor allem im Winter 2019 stark interessiert war. Doch die Leistungsentwicklung des 20-jährigen englischen Außenstürmers zeigte in die gegenteilige Richtung als die von Sancho. Unter Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel spielte er keine Rolle beim Champions-League-Sieger und wäre als dreifacher Nationalspieler auch zu teuer.

Ähnliches gilt für Jonathan Ikoné (23) vom OSC Lille. Im Blickpunkt der Borussia stand auch Adam Hlozek, 18-jähriger Nachwuchsstar von Slavia Prag und EM-Teilnehmer mit Tschechien. Er wird jedoch als Mittelstürmer angesehen und würde die Entwicklung und den Weg von Moukoko blockieren. Bei Michael Olise (19) vom FC Reading ist die Konkurrenz übermächtig, Lassina Traore (22) von Ajax Amsterdam hat bereits Schachtar Donezk zugesagt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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