Schlafwagenfußball verärgert Klopp

Testspiel in Siegen

Dass er wie die meisten seiner Teamkollegen auch an diesem Abend Schlafwagenfußball zelebriert hatte und Zweikämpfen geflissentlich aus dem Weg gegangen war, übersah Lucas Barrios (26) großzügig. "Dieses Spiel", meinte Borussia Dortmunds lange verletzter Torjäger im Brustton der Überzeugung, "hat mich weitergebracht. Ich habe bewiesen, dass ich Kraft für 90 Minuten habe und durchhalten kann."

DORTMUND/SIEGEN

von Von Dirk Krampe

, 06.10.2011, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jürgen Klopp nahm sich nach dem Schlusspfiff in Siegen den jungen Chris Löwe zur Brust.

Jürgen Klopp nahm sich nach dem Schlusspfiff in Siegen den jungen Chris Löwe zur Brust.

Nur gut, dass beim schmeichelhaften 2:1 des BVB beim Test in Siegen (Tore Barrios/58., Bender/89.) niemand, wie in der Bundesliga üblich, die Laufleistung des Bundesligisten gemessen hatte. Er hätte wahrscheinlich einen Defekt der Messgeräte vermutet. Es war ein emotionsloser Auftritt der zweiten Garde, teilweise lustlos wirkte das Gekicke, uninspiriert sowieso. Und daher war Jürgen Klopp (44) alles andere als bereit, ähnlich großzügig über die 90 Minuten hinwegzusehen, wie es Barrios nonchalant tat.Löwe im Pech In Klopp brodelte offenbar der Vulkan. Und die Lava prasselte auf Chris Löwe (22) herab, der wohl einfach das Pech hatte, nach dem Abpfiff in der Nähe des Dortmunder Trainers zu stehen. Die Kopfwäsche hatte es in sich, Klopp debattierte dann auch noch gesten- und wortreich mit Sportdirektor Michael Zorc (49). Zorc ("Nur Bender und Langerak haben Einstellung gezeigt") tat der junge Löwe fast ein wenig Leid: "Er hatte Pech. Es hätte heute Abend fast jeden treffen können." Minuten später, als sich der Trainer ein wenig beruhigt hatte, musste man die Kritik zwischen den Zeilen lesen. Was er an Erkenntnissen gewonnen habe, ließ Klopp ätzend verlauten, "wird den Spielern nicht gefallen." Übersetzt ins Hochdeutsche hieß das nicht anderes als: "Empfohlen hat sich heute niemand". Dabei hätten einige ihre Chance doch durchaus nutzen sollen: Patrick Owomoyela (31) zum Beispiel, der wegen einer schwerwiegenden Muskelverletzung noch länger als Barrios zum Zuschauen verdammt war und der nach eigener Aussage "nach der Länderspielpause" sich seinem Trainer als "ernsthafte Alternative" anbieten wollte. Oder auch ein Florian Kringe, oder ein Damien Le Tallec. Spieler, die ins dritte Glied abgerutscht sind.Barrios bis Bremen bei 100 Prozent Nun lässt sich über den Informationsgehalt solcher Testspiele trefflich streiten. Lucas Barrios wird sich, sollte Klopp ihm am Freitag kommender Woche den Sprung in die Startelf tatsächlich zutrauen, beim Spiel in Bremen anders präsentieren. Er wird mehr laufen, er wird sich den Zweikämpfen stellen. "Bis dahin", glaubt der Argentinier, "werde ich bei 100 Prozent sein." Und vielleicht kann er nach dem Auftritt an der Weser tatsächlich sagen, dass ihn der Test in Siegen auf den Weg gebracht hat. --------------------------------------------------------------Bei strömendem Regen ließen sich die Profis am Donnerstag in Brackel nicht blicken - mit zwei Ausnahmen: Marcel Schmelzer (Muskelfaserriss) drehte wie Lukasz Piszczek (Schlag auf den Knöchel) lockere Laufrunden. Piszczek soll am Wochenende zur polnischen Nationalmannschaft nachreisen, Schmelzer wird am Montag im BVB-Mannschaftstraining zurückerwartet.

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