Schmelzer trifft - der Jubel verrät viel über sein Standing beim BVB

mlzBorussia Dortmund

Die Flanke kommt, mit Entschlossenheit befördert Marcel Schmelzer den Ball ins Netz. Das 6:1 in Paderborn wird dem Ex-Kapitän des BVB in besonderer Erinnerung bleiben.

Dortmund

, 02.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seinem Grinsen steckte etwas Ungläubiges. So, als könne Marcel Schmelzer selbst nicht glauben, was ihm da am Sonntag passiert war. Zehn Minuten vor dem Spielende der BVB-Auswärtspartie beim SC Paderborn schickte Lucien Favre den Ex-Kapitän aufs Feld. Fünf Minuten später bereitete Schmelzer das 4:1 von Achraf Hakimi vor. Weitere vier Minuten später stand er plötzlich selbst im Mittelpunkt eines Dortmunder Torjubels. Die Flanke von Axel Witsel, eine beherzte Grätsche - und als sich der Torschütze wieder aufrappelte, warteten schon die Kollegen und grinsten mit ihm um die Wette.

In seinen Jahren bei Borussia Dortmund hat der gebürtige Magdeburger, der bis heute als Profi nie für einen anderen Klub als Borussia Dortmund spielte, eine Menge erlebt. Besondere Momente waren dabei. Wie die zwei Meisterschaften und die zwei Pokalsiege. Schwierige Phasen wie die beiden Jahre als Kapitän, in der er das Klub-Zerwürfnis mit Trainer Thomas Tuchel moderieren musste und auch das turbulente Jahr danach, in dem der BVB zwei weitere Trainer verschliss.

BVB-Profi Schmelzer steht nicht oft im Rampenlicht

In der überwiegenden Mehrzahl aber waren es tolle Erlebnisse, und dennoch wird dieser Nachmittag in der Benteler Arena wohl in besonderer Erinnerung bleiben. Weil Schmelzer eben nicht mehr so oft im Rampenlicht steht.

Von allen Seiten gab es anschließend Lob und Gratulationen. Die Fans feierten ihn in den sozialen Netzwerken, Sportdirektor Michael Zorc lobte: „Er gibt im Training immer Vollgas. Ich bin sehr froh, dass er jetzt für seinen Einsatz mit einem Tor und einer Vorlage belohnt worden ist. Er hat gezeigt, dass er immer noch da ist.“ Wie innig die Gratulationskur nach dem Treffer ausfiel, das sagte eine Menge über Schmelzers Standing aus, auch wenn er sportlich nur noch eine Nebenrolle spielt.

Beim BVB auf der Suche nach Anschluss: Marcel Schmelzer

Schmelzers letzter Startelf-Einsatz ist knapp 18 Monate her. Im Dezember 2018 verlor der BVB damals das erste Bundesliga-Spiel unter dem neuen Trainer Favre mit 1:2 in Düsseldorf. Auch unter dem Schweizer war Langzeit-Borusse Schmelzer zunächst gesetzt, dann aber schleppte er ein Knochenödem mit durch die Hinrunde, verlor seinen Stammplatz an Abdou Diallo und kämpfte vergebens um Anschluss.

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Schon im vergangenen Sommer erwuchsen daraus Abschiedsgedanken. Das Lebewohl musste Schmelzer aber verschieben: Der BVB wollte ihn noch nicht ziehen lassen. Ob es in diesem Jahr einen Abschied geben wird, liegt nun allein am Spieler. Der BVB wird einem der verdientesten Spieler keine Steine in den Weg legen, auch wenn Zorc sagt: „Er ist einfach ein guter Junge, der eine ganz große Identifikation mit unserem Klub aufweist - und ich habe ihn sehr gerne bei uns.“

Nach dem Spiel sah man „Schmelle“ lange mit Paderborns Uwe Hünemeier reden. „Uns verbinden für immer die gemeinsamen Jahre in der BVB-U23“, sagt Hünemeier im Gespräch mit dieser Zeitung, „er hatte es dort damals nicht leicht, hat sich aber durchgeboxt.“

Marcel Schmelzer und der lange Weg zum Tor: 2444 Tage

Nach Schmelzers Vorlage zum 4:1 habe er den ehemaligen Mitspieler noch scherzhaft ermahnt, „jetzt besser nicht auch noch selbst zu treffen.“ Genau so aber geschah es, und bei seinem Tor setzte sich Marcel Schmelzer ausgerechnet auch noch gegen den ehemaligen Mitspieler durch.

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Wie besonders der Treffer war, zeigt eine bemerkenswerte Zahl: Genau 2444 Tage lagen zwischen diesem und Marcel Schmelzers letztem Tor in der Bundesliga. Fast sieben Jahre.

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