Schwarzgelbes A bis Z: Teil zwei - Klopp in Jeans und „Kokser“ Kohler

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Borussia Dortmund liefert für jeden Buchstaben des Alphabets mindestens eine Geschichte. Wir haben die besten rausgesucht: Hier kommt das schwarzgelbe A bis Z - ein Muss für jeden BVB-Fan.

von Sascha Staat

Dortmund

, 19.04.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Borussia Dortmund, das ist für Millionen Fans weit mehr als ein Fußballklub. Es ist ein Herzensort für Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse. Wir haben genau 26 davon aufgeschrieben - für jeden Buchstaben im Alphabet eine. Unser schwarzgelbes A bis Z, ein Muss für echte BVB-Fans.

TEIL 2: Klopp in Jeans und „Kokser“ Kohler

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G wie Grenze: Es gab sie selten, aber wenn es sie gab, dann sind sie durchaus in Erinnerung geblieben: Die innerdeutschen Duelle im Europapokal zwischen Teams aus der BRD und der DDR. Als es die Grenze zwischen West- und Ostdeutschland noch gab, scheiterte Bayern München beinahe an Dynamo Dresden und Werder Bremen drehte in der Spielzeit 1988/89 eine 0:3-Pleite beim Berliner FC Dynamo durch ein 5:0 noch um. Historisch eine viel größere Bedeutung hatte allerdings das Aufeinandertreffen im UEFA-Cup 1990/91 zwischen Borussia Dortmund und dem Chemnitzer FC. Der BVB gewann das Rückspiel im Osten mit 2:0, nachdem man sich vor heimischer Kulisse schon mit dem gleichen Resultat durchgesetzt hatte. Uninteressant, könnte man also meinen. Besonders machte die Partie in Chemnitz aber, dass sie am 2. Oktober 1990 ausgetragen wurde. Somit wurde der schwarzgelbe Auftritt beim CFC mit Toren von Thomas Helmer und Michael Rummenigge vor gut 11.900 Zuschauern zum letzten Sportereignis der DDR. Einen Tag später gab es das Land nicht mehr und die Grenze war verschwunden.

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H wie Heimspiel: Zumindest fast. Wenn man in Dortmund geboren ist und als Fußballprofi für den BVB auflaufen darf, dann muss das für viele die Erfüllung eines Kindheitstraums sein. Dass aus der Verbindung zwischen der Borussia und Bernd Krauss aber nie die große Liebe wurde, hat definitiv Gründe. Mit 19 Jahren schaffte er in der Saison 1976/77 den Sprung in den Kader, saß aber meist auf der Tribüne. Am 33. Spieltag sollte Krauss dann aber endlich sein Debüt geben, beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Doch aus dem Traum wurde eine Art Alptraum. Maulwürfe hatten den Rasen im Westfalenstadion unbespielbar gemacht, die Partie konnte nicht in Dortmund ausgetragen werden. Gespielt wurde dann ausgerechnet im Parkstadion Gelsenkirchen, also auf Schalke. Krauss wurde in der 74. Minute eingewechselt, durch ein Gegentor kurz vor Schluss verloren die Schwarzgelben mit 1:2. Diese 16 Minuten sollten die einzigen von Krauss im BVB-Trikot bleiben, denn nach der Saison verließ er den Verein. Am 6. Februar 2000 übernahm er dann für ganze 67 Tage als Trainer. Dabei hätten es die Verantwortlichen besser wissen müssen. Krauss und Dortmund, das passte einfach nicht.

Bernd Krauss absolvierte lediglich ein Pflichtspiel für den BVB.

Bernd Krauss absolvierte lediglich ein Pflichtspiel für den BVB. © imago / Werner Otto

I wie International: Wenn die Fußballstars heute mit dem Charter zum internationalen Auswärtsspiel fliegen, dann ist alles bestens organisiert. Die Hotels vom Feinsten, das Essen erstklassig. Früher war das definitiv anders. Zum Beispiel als der BVB in den frühen 90er-Jahren nach Wladikawkas reisen musste, im tiefsten Kaukasus gelegen. Das hatte schon etwas vom Wilden Westen, inklusive Scharfschützen auf dem Dach des Hotels und Einschüssen in der Decke der Zimmer. Kurios auch das Duell mit Universitatea Craiova, wo die Zuschauer größtenteils aus Soldaten bestanden. Der Ostblock hatte gegen und nach dem Ende des Kalten Krieges eben seinen ganz eigenen Charme. Fakt ist, dass Borussia Dortmund bislang ordentlich rum kam. In den europäischen Wettbewerben wurden bereits 26 Länder bereist, unter anderem ging es nach Luxemburg, Malta und Slowenien. Die weitereste Reise führte die Borussia bisher innerhalb Europas gleich zwei Mal nach Aserbaidschan, die kürzeste nach Eindhoven in den Niederlanden. Dazu spielte man in Tokio 1997 um den Weltpokal.

J wie Jeans: Richtig, die Geschichte wurde schon häufiger erzählt, aber was soll’s, sie ist eben durchaus lustig. Als Jürgen Klopp nach seiner sehr erfolgreichen Zeit in Mainz auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war, soll selbst der Hamburger SV mal eine gute Idee gehabt haben. Dietmar Beiersdorfer, damals Sportchef, wollte Klopp gerne an die Elbe holen. Aber der Verein ließ ihn beobachten und unter anderem prüfen, welchen Kleidungsstil ihn auszeichnete und wie sich der Vollgas-Coach in der Öffentlichkeit so gab. Dessen Entscheidung für Hamburg war schon gefallen, aber als er von der Beschattung erfuhr, machte er umgehend einen Rückzieher. Der Verein wollte Klopp da längst nicht mehr. Der HSV konnte sich nicht mit der flapsigen Wortwahl gegenüber der Presse, seinen löchrigen Jeans sowie dem für ihn typische Dreitagebart anfreunden. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf - Klopp wurde in den nächsten sieben Jahren zu einer absoluten Legende bei Borussia Dortmund.

Mit dem BVB gewann Jürgen Kohler 1997 die Champions League.

Mit dem BVB gewann Jürgen Kohler 1997 die Champions League. © imago / Kosecki

K wie Kokser: Ein Filigrantechniker war er nie, Vorstopper Jürgen Kohler. So hieß das damals noch, zumindest als der „Kokser“ seine eindrucksvolle Karriere begann. Eine Szene spiegelt seine Laufbahn dabei wider wie keine zweite: Es ist die 17. Spielminute im Old Trafford von Manchester. Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League läuft und United, angeführt von Eric Cantona, drückt nach frühem Rückstand auf den schnellen Ausgleich. Das Gefühl, dass die Engländer bei einem Treffer den BVB förmlich überrollen würden, drängt sich auf. Kohler liegt hilflos auf dem Boden, während der Franzose nur noch einschieben muss. Aber mit seiner Sohle rettet er auf der Linie und wird zum Helden, der Rest ist Geschichte. Kohler, der vorgab, unter Magenkrämpfen zu leiden, obwohl seine Frau eine Fehlgeburt erlitt, kam verspätet in England an. Nur Trainer Ottmar Hitzfeld wusste, was wirklich los war. Am Ende stand der Titel in der Champions League und Jürgen Kohler wurde zum „Fußballer des Jahres“ gewählt.

L wie Löwe: Es ist nicht verwunderlich, dass sich ab und an das Logo eines Vereins ein wenig verändert. Nur in seltenen Fällen bleibt es dauerhaft gleich. Die Klubs wollen schließlich im Trend liegen. Schaut man sich alleine die Entwicklung der 18 Teams aus der Bundesliga an, dann kommt man schnell ins Staunen. Das Wappen der Borussia wurde in den 1920er-Jahren entworfen und erstmals eingesetzt. Das ab 1945 genutzte Logo enthielt auch den Schriftzug Dortmund. Die nächste Variante (von 1964 bis 1974) war deutlich dunkler. Ein schwarzer Rahmen kam hinzu, auch Borussia war nur als Text eingebunden. Ab 1973 ähnelte das Wappen schon sehr der heutigen Variante, die seit 1993 in Gebrauch ist. Zwei Jahre lang war der BVB aber auf Abwegen unterwegs. Denn 1976 stieg die Tabakfirma Samson als Sponsor ein. Der Geldgeber dachte sich, dass man den Löwen, das eigene Wappentier, doch bestens in das Vereinslogo einarbeiten könnte. Nach zwei Jahren war der Spuk dann aber zum Glück vorbei. Da kann man nur sagen: Nur gut, dass solche Zeiten vorbei sind. Zumindest in Dortmund...

Tomas Rosicky wechselte 2001 von Sparta Prag zum BVB.

Tomas Rosicky wechselte 2001 von Sparta Prag zum BVB. © imago sportfotodienst

M wie Mozart: Dass Fans, Medien und Mitspieler den Stars auf dem Rasen gerne Spitznamen verleihen, ist keine Seltenheit. Dass Siegfried Held daher „Siggi“, Stephane Chapuisat meist „Chappi“ und Roman Weidenfeller oft „Weide“ genannt werden, liegt auf der Hand. Aber es gibt auch Spitznamen, deren Herleitung nicht ganz so offensichtlich ist. Wie zum Beispiel im Fall von Tomas Rosicky, der Anfang 2001 zum BVB kam. Mit seinen damals 20 Jahren war er nicht nur enorm fit, sondern auch ein absolutes Leichtgewicht. Das bereitete so manchem Fan Sorgen und so hieß es dann: „Hömma, iss mal ein paar Schnitzel!“ Rosickys Spitzname war geboren. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit, denn die Variante „Mozart“ passte eigentlich viel besser zum Tschechen, der wie ein Dirigent das Spiel seine Mannschaft leitete.

Sascha Staat moderiert unter anderem den BVB-Podcast der Ruhr Nachrichten und ist Autor des Buches „Borussia Dortmund für Klugscheißer - populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“.
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