So bereitet der BVB sein Stadion auf die Champions League vor

Signal Iduna Park

Als am frühen Samstagabend im Signal Iduna Park der Schlusspfiff der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg ertönte, ging an der Strobelallee die Arbeit erst richtig los. Knapp 48 Stunden hatte Borussia Dortmund Zeit, um sein Stadion in Champions-League-Form zu bringen.

DORTMUND

von Von Jana Schoo

, 01.10.2013, 07:46 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Kapazität des Signal Iduna Park verringert sich in der Champions League von 80.645 auf 65.829 Plätze.

Die Kapazität des Signal Iduna Park verringert sich in der Champions League von 80.645 auf 65.829 Plätze.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Champions League: BVB-Gegner Olympique Marseille

Internationale Topstars sucht man im Kader von Olympique Marseille vergeblich. Dennoch ist Borussia Dortmunds Gruppengegner alles andere als ein Leichtgewicht. In Frankreich hält sich der Champions-League-Sieger von 1993 wacker im Kampf mit den neureichen Klubs aus Paris und Monaco. Und dass Marseille den BVB schlagen kann, wissen die Borussen seit 2011...
30.09.2013
/
Mathieu Valbuena dürfte einer der gefährlichsten Gegner für Mats Hummels und Co. werden. Der 29-jährige Mittelfeldmann ist aktuell französischer Nationalspieler.© Foto: dpa
Spielstätte von Olympique Marseille: Das Stade Velodrome, in dem 1998 auch ein Halbfinalspiel der WM ausgetragen wurde.© Foto: dpa
Schmerzhafte Erinnerung. In der Saison 2011/12 standen sich der BVB und Marseille schon einmal in der Gruppenphase der Champions League gegenüber. Zuhause verlor die Borussia mit 2:3, in Frankreich setzte es gar ein 0:3...© Foto: dpa
Marseille ist nach Paris und Lyon die drittgrößte Stadt Frankreichs.© Foto: dpa
Das erste Gruppenspiel von Olympique ging verloren. 1:2 hieß es am Ende gegen den FC Arsenal mit Mesut Özil (l.)© Foto: dpa
Jordan Ayew gehört zu den Leistungsträgern der Franzosen.© Foto: dpa
Jordan Ayew gehört zu den Leistungsträgern der Franzosen.© Foto: dpa
Elie Baup, Trainer der Südfranzosen.© Foto: dpa
Benjamin Mendy (l.) freut sich über einen Treffer.© Foto: dpa
Schlagworte

In einem dicken Ordner hat Dr. Christian Hockenjos, Direktor Organisation bei Borussia Dortmund, alle Infos zur Champions League abgeheftet - nicht die sportlichen, die organisatorischen. Ein zehnköpfiges Team von Mitarbeiterin des BVB ist allein damit beschäftigt, dass der Signal Iduna Park von Bundesliga auf Champions League umrüstet. „In der Bundesliga greifen Automatismen“, sagt Dr. Christian Hockenjos. Die Vorbereitung auf ein Liga-Heimspiel sei Routine. „In der Champions League fällt vieles davon weg.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Champions League: BVB-Gegner Olympique Marseille

Internationale Topstars sucht man im Kader von Olympique Marseille vergeblich. Dennoch ist Borussia Dortmunds Gruppengegner alles andere als ein Leichtgewicht. In Frankreich hält sich der Champions-League-Sieger von 1993 wacker im Kampf mit den neureichen Klubs aus Paris und Monaco. Und dass Marseille den BVB schlagen kann, wissen die Borussen seit 2011...
30.09.2013
/
Mathieu Valbuena dürfte einer der gefährlichsten Gegner für Mats Hummels und Co. werden. Der 29-jährige Mittelfeldmann ist aktuell französischer Nationalspieler.© Foto: dpa
Spielstätte von Olympique Marseille: Das Stade Velodrome, in dem 1998 auch ein Halbfinalspiel der WM ausgetragen wurde.© Foto: dpa
Schmerzhafte Erinnerung. In der Saison 2011/12 standen sich der BVB und Marseille schon einmal in der Gruppenphase der Champions League gegenüber. Zuhause verlor die Borussia mit 2:3, in Frankreich setzte es gar ein 0:3...© Foto: dpa
Marseille ist nach Paris und Lyon die drittgrößte Stadt Frankreichs.© Foto: dpa
Das erste Gruppenspiel von Olympique ging verloren. 1:2 hieß es am Ende gegen den FC Arsenal mit Mesut Özil (l.)© Foto: dpa
Jordan Ayew gehört zu den Leistungsträgern der Franzosen.© Foto: dpa
Jordan Ayew gehört zu den Leistungsträgern der Franzosen.© Foto: dpa
Elie Baup, Trainer der Südfranzosen.© Foto: dpa
Benjamin Mendy (l.) freut sich über einen Treffer.© Foto: dpa
Schlagworte

Allein die Vorbereitung sei aufwendig, dazu kämen viele Termine und Aufgaben, die es im Bundesliga-Alltag nicht gebe. Seit Samstagabend stehen also nicht nur sportlich alle Zeichen auf Königsklasse. Los ging’s noch Samstagnacht mit der Reinigung des kompletten Stadions - nach so einer Bundesligapartie gibt’s da viel zu tun. Die Überbleibsel des Ligaspiels müssen weg, das Stadion auf Hochglanz poliert, der Rasen hergerichtet werden.

Gleichzeitig starten 70 Helfer des Christlichen Jugenddorfs mit der Umrüstung der Stehplätze: In der Königsklasse wird die Kapazität des Stadions deutlich reduziert. 24.454 Stehplätze auf der Süd- und 2905 auf der Nordtribüne sind’s normalerweise. Dienstag wird die „Gelbe Wand“ dagegen deutlich leerer sein. Im Unterrang sind 6522 Sitze eingebaut worden, im Oberrang mussten die Helfer 4609 Stühle herunterklappen. Dazu kommen 1412 Sitze, die im Norden eingebaut worden sind. Ein weiteres großes Thema ist die werbliche Neutralisierung des Signal Iduna Parks. Das heißt: „Wenn ich im Innenraum stehe, darf ich nichts mehr sehen, was von Partnern des BVB stammt“, erklärt Hockenjos. Jegliche Werbung im Stadion ist also entfernt worden. Besonders knifflig war das unter dem Dach, 42 Meter über dem Boden. Dort steht sonst in großen Lettern etliche Male „Signal Iduna Park“ - auch das darf nicht mehr zu sehen sein. Zudem sind Mixed Zone und Spielertunnel neutralisiert worden.

Einzig die riesige Beschriftung des Stadions an der Außenfassade und auf dem Dach darf so bleiben - aber nicht beleuchtet werden. Bei internationalen Wettbewerben heißt der Signal Iduna Park dann einfach BVB Stadion Dortmund. Sobald die Arena werbefrei ist, übernimmt die UEFA und „designt“ sie nach ihren Vorstellungen mit der Werbung der Königsklassen-Partner. Und weil die UEFA mit einem riesigen Trupp anrückt, wird ihnen ein kompletter VIP-Bereich auf der Nordtribüne zur Verfügung gestellt - auch dieser musste vorher ausgeräumt werden. Genau wie Räumlichkeiten für Büros und Lager der UEFA - hierbei ist allerdings Hockenjos’ Kreativität gefragt. Denn die bisher dafür genutzten Räume auf der Westtribüne stehen nicht mehr zur Verfügung - dort wird gerade umgebaut.

„Die Umgestaltung ist ein bisschen knifflig, was die Zeit angeht, aber wir haben auch da mittlerweile eine gewisse Routine“, sagt der Organisations-Chef des BVB. Immerhin ist es die dritte Champions-League-Saison in Serie für die Borussia. Im Vorfeld hatte Hockenjos noch viele weitere Fragen beantworten müssen: Wo sitzen die gegnerischen Fans? Wie sieht das Bankett am Spieltag aus? Wie viele eigene Ordner bringt Olympique Marseille mit? „Da besteht auch ein viel größerer interner Kommunikationsaufwand“, sagt Hockenjos. Als das Stadion am Montag an die UEFA übergeben worden ist, begann für die BVB-Mitarbeiter ein wahrer Termin-Marathon: für jedes Team eine Pressekonferenz, ein offizielles Training des Gastes an der Strobelallee, eine Platzbegehung, ein Organisationsmeeting mit der UEFA, ein Treffen von BVB und UEFA. Termine, von denen die Fans allerdings wenig mitbekommen.

Was sie dagegen sehr wohl spüren: Im Stadion ist deutlich weniger Platz, nicht nur wegen der verringerten Kapazität von 80.645 auf 65.829 Plätze. Neben den gegnerischen Fans bekommt auch die UEFA Tickets, 1220 sind es in der Gruppenphase, 2785 wären es im Halbfinale. Die Sitzplätze dieser Tickets sind fast alle auf der Westtribüne - dort sitzen normalerweise Dauerkarteninhaber.Diese müssen also umgesetzt werden. „Damit verärgern wir leider unsere Stammkunden“, sagt Hockenjos. „Und es bedeutet viel Arbeit für das Ticketing.“ Eine knifflige Angelegenheit. Die wiederum auch dazu führt, dass weniger Karten in den freien Verkauf gehen.

Ein weitere Regel in der Königsklasse, die die Fans ärgert: Das Bier gibt’s nur alkoholfrei. Und auch das Unterhaltungs-Programm vor dem Spiel fällt weitestgehend weg. Doch wenn um 20.45 Uhr die Champions-League-Hymne erklingt, ist der Aufwand vergessen, das Bier schmeckt genauso gut. Dann kommt die Gänsehaut und die Vorfreude auf einen königlichen Fußball-Abend.

Lesen Sie jetzt