So gehen die BVB-Profis mit der Zielvorgabe Meisterschaft um

mlzNeue Spieler, neuer Anspruch

Der BVB will in der neuen Saison Deutscher Meister werden. Der Druck, der auf der Mannschaft lastet, ist größer als vor einem Jahr, aber der Anspruch der Spieler ist es auch.

Bad Ragaz

, 29.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Hans-Joachim Watzke wollte nichts von Zurückrudern wissen, er wollte nur klarstellen. „Mir war ja bewusst, als ich über den Titelwunsch gesprochen habe, dass ich in der Folge jahrelang falsch zitiert werde“, sagte der BVB-Boss mit einem leichten Grinsen im Gesicht. „Ohne irgendwas relativieren zu wollen, ich habe gesagt, dass wir alles versuchen werden, um Deutscher Meister zu werden. Dabei bleibt es.“

Watzke hat nicht die Meisterschaft als Saisonziel ausgegeben

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Kurz vor dem Rückflug der USA-Reise vor gut einer Woche war das. Was Watzke ein bisschen störte, zumindest suggerierte er das, war die Tatsache, dass es in der Öffentlichkeit gerne hieß, Watzke habe die Deutsche Meisterschaft als offizielles Saisonziel für die kommende Saison ausgegeben. Ganz so sei es aber nicht, es gehe letztendlich nur um den „Versuch“.

So gehen die BVB-Profis mit der Zielvorgabe Meisterschaft um

Hans-Joachim Watzke hat den Stein ins Rollen gebracht. In Dortmund reden alle von der Deutschen Meisterschaft. © imago

Mittlerweile ist das alles eigentlich ziemlich egal, denn die Spieler sprechen längst das aus, was Watzke nur in den Mund gelegt worden war. Das Wort „hochstemmen“ fällt in diesen Tagen erstaunlich oft im Trainingslager in Bad Ragaz – und dabei geht es jedes Mal sehr deutlich um die Meisterschale im nächsten Mai und nicht um Gewichte im Kraftraum.

Die Spieler sprechen offen von der Meisterschaft

Der BVB will in der kommenden Saison Deutscher Meister werden, das formuliert die Mannschaft so offen und so offensiv wie selten zuvor. Thomas Delaney nennt es einen „natürlichen Schritt“, der BVB habe seit dem vergangenen Sommer vieles zum Guten verändert.

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Auch Marco Reus wird deutlich: „Ich finde es richtig, dass wir das Ziel so klar aussprechen – und es ist ja auch unser Anspruch.“ Nach der vergangenen Saison könne man nun mal schlecht hingehen und sagen, man wolle sich nur für das internationale Geschäft qualifizieren, meint der BVB-Kapitän. Vor einem Jahr sei das noch anders gewesen. „Damals wäre es vermessen gewesen zu sagen, dass wir Meister werden wollen. Der Trainer war neu, wir hatten viele Zu- und Abgänge.“

Das Fundament des BVB wirkt gefestigter

Viele Zugänge und Abgänge gibt es auch in diesem Sommer, Borussia Dortmunds Fundament aber wirkt deutlich gefestigter als noch vor einem Jahr. Das gilt nicht nur für den Fußball, den die Mannschaft anbietet, es gilt auch für Selbstverständnis des Teams sowie des gesamten Klubs – und deswegen hört man, wo man sich auch umhört, eigentlich niemanden, der ein kritisches Wort über die klare Zielvorgabe verliert. Der BVB will halt Deutscher Meister werden. Nicht mehr, aber bitte auch nicht weniger.

„Der Wunsch, das Ziel klar auszusprechen, kam durchaus auch aus der Mannschaft, weil wir es unbedingt erreichen wollen“, sagt Reus, der nach 2012 zwar erneut zum Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden ist, aber noch immer auf seinen ersten Meistertitel wartet. Jeder im Klub wisse nun, woran er sei. „Jeder weiß, woran er gemessen wird.“

Bürki nimmt den größeren Druck in Kauf

Und Torhüter Roman Bürki sagt: „Wenn man etwas erreichen will, muss man vom ersten Tag an daran glauben und die Sache auch so angehen. Es ist für uns doch eine tolle Situation, dass wir die Ziele so formulieren dürfen, wie wir es tun.“ Natürlich sei der Druck dadurch noch ein bisschen größer, aber das nehme er in Kauf. „Wenn wir jeden Tag dafür leben, jedes Spiel zu gewinnen und am Schluss etwas hochstemmen zu dürfen, dann ist das auf jeden Fall gut für uns.“

So gehen die BVB-Profis mit der Zielvorgabe Meisterschaft um

„Wenn wir jeden Tag dafür leben, jedes Spiel zu gewinnen und am Schluss etwas hochstemmen zu dürfen, dann ist das auf jeden Fall gut für uns.“ - Roman Bürki © imago images / Kirchner-Media

Hochstemmen. Da ist es wieder. Der BVB hat ein klares Ziel vor Augen. Und auch, wenn es in der vergangenen Saison bestimmt nicht so war, dass Borussia Dortmund nicht Deutscher Meister werden wollte, zumindest der Glaube daran, es schaffen zu können, hat vielleicht in dem einen oder anderen Spiel gefehlt. Wer möchte, kann das 0:5 in München im April gerne als Anschauungsmaterial heranziehen. Nun soll der nächste Schritt folgen – und besser als Platz zwei ist eben nur Platz eins.

Reus glaubt an eine Veränderung im Kopf

Das klare Ziel ändere nichts an der täglichen Arbeit, sagt Reus, „aber es verändert vielleicht etwas im Kopf“. Und die bisherigen Eindrücke der Vorbereitung lassen den Schluss zu, dass diese Veränderung nicht zum Nachteil des BVB ist. Die Testspiel-Auftritte sind gut, die Trainingseinheiten scharf genug gewürzt. Der Konkurrenzkampf tut sein Übriges dazu.

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Hans-Joachim Watzke dürfte das alles mit einer gehörigen Portion Zufriedenheit zur Kenntnis nehmen. Er scheint mit seiner Zielvorgabe ganz richtig gelegen zu haben. Er habe im Mai das Gefühl gehabt, das hat Watzke auch noch gesagt, bevor er in den Flieger nach Deutschland stieg, es sei der richtige Zeitpunkt, „um unsere Ziele so zu formulieren, wie wir sie formuliert haben“.

Hochstemmen ist das Stichwort in Dortmund

Ende Juli kann man das größtenteils unterschreiben, allerdings mit der Einschränkung, dass der Versuch, in der neuen Saison Deutscher Meister zu werden, irgendwie keinem mehr reicht in Dortmund. Es soll schon ein bisschen mehr sein. Hochstemmen ist das Stichwort.

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