Sollte der BVB noch einen weiteren klassischen Neuner verpflichten?

mlzPro und Contra

Der BVB will in der Saison 20/21 einen weiteren Titelangriff starten - hat aber nur einen klassischen Mittelstürmer im Kader. Reicht das für ganz oben? Unser Pro und Contra.

Dortmund

, 13.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Erling Haaland hat Borussia Dortmund nur einen gelernten Stürmer im Kader. Vor der vergangenen Saison verzichtete der BVB auf die Verpflichtung eines weiteren klassischen Neuners. Im Herbst bewertete Hans-Joachim Watzke diese Entscheidung als „Fehler“. Was passiert in diesem Sommer? Wir diskutieren: Sollte der BVB noch einen weiteren klassischen Neuner verpflichten?


Pro: Ein zweiter Neuner ist zwingend erforderlich (Florian Groeger)

Der Optimalzustand in der Dortmunder Offensive hielt fast auf den Tag genau vier Wochen. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Erling Haaland dem BVB sein Ja-Wort gegeben, Ende Januar flüchtete Paco Alcacer zum FC Villarreal. Mit diesem Stürmer-Duo hätte der BVB in der Rückrunde richtig angreifen können. Hätte, hätte und so weiter.

BVB-Trainer Lucien Favre trifft den Nagel auf den Kopf

Haaland legte beim vogelwilden 5:3 zum Rückrundenauftakt in Augsburg zwar so los, als wolle er Alcacers Abgang im Alleingang kompensieren, stieß im weiteren Saisonverlauf jedoch an seine körperlichen Grenzen - auch wenn die Torquote zu jeder Zeit imponierte. Und obwohl Borussias Trainer Lucien Favre grundsätzlich immer zu Geduld und vor dem nächsten Gegner mahnt - bei der Personalie Haaland trifft der Schweizer mit seiner behutsamen Herangehensweise den Nagel auf den Kopf.

Darum kommt Borussia Dortmund in Hinblick auf den neuerlichen Titelangriff 2020/21 nicht darum herum, einen weiteren klassischen Neuner zu verpflichten. So passabel Thorgan Hazard oder auch Julian Brandt in der Sturmspitze ausgeholfen haben - sie entwickeln kaum die Durchschlagskraft eines Stürmers wie Haaland, Alcacer oder Aubameyang. Das zeigt sich vielleicht nicht gegen Mainz, Augsburg oder Bielefeld - aber umso mehr in den Topspielen gegen die Bayern und auf internationalem Terrain.

Der BVB ist trotz Verlusten finanziell gut aufgestellt

Klar ist dabei: Ein weiteres Millionen-Paket - wie es bei Haaland geschnürt wurde - ist aufgrund der Corona-Umstände kaum möglich, aber auch nicht zwingend erforderlich. Durch die neuen Deals mit Hauptsponsor 1&1 und Ausrüster Puma sowie die gleichbleibend hohen TV-Gelder können Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Geldschatulle doch einen Spalt weit öffnen.

Und falls Jadon Sancho den Verein bis Anfang August doch noch in Richtung Manchester United verlassen sollte, kann diese Rechnung noch einmal angeglichen werden.

Umfrage

Sollte der BVB nach Erling Haaland noch einen weiteren klassischen Neuner verpflichten?

1034 abgegebene Stimmen

Contra: Nein, es gibt größere Baustellen (Tobias Jöhren)

Es gibt wahrlich Wichtigeres auf der Prioritätenliste des BVB als einen zweiten Stürmer. Borussia Dortmund hat in der vergangenen Bundesliga-Saison 84 Tore geschossen, es gibt größere Baustellen als den Angriff.

Ein bittere Wahrheit für jeden Fan von Borussia Dortmund

Natürlich, eine Backup-Lösung für Erling Haaland, wie es heute heißt, wäre eine feine Sache, sie würde auch helfen, aber es geht in erster Linie um Vernunft. Die Corona-Krise hat alles verändert, sie hat ein 45-Millionen-Euro-Loch in die schwarzgelbe Portokasse gerissen - nur im Geschäftsjahr 2019/2020. Auch für das neue Geschäftsjahr sieht es nicht rosig aus.

Jetzt lesen

Welche Möglichkeiten bleiben Borussia Dortmund also auf der Neuner-Position? Eine teure Lösung ist, ein Verbleib Sanchos immer vorausgesetzt, nicht realisierbar. Das ist spätestens seit Achraf Hakimis Wechsel für rund 40 Millionen Euro Sockelablöse von Real Madrid zu Inter Mailand keine Phrase mehr, sondern für jeden BVB-Fan bittere Wahrheit.

BVB-Kader bietet in der Offensive zahlreiche Möglichkeiten

Mehr als eine günstige Alternative zu Haaland wird nicht drin sein. Eigentlich kommt nur ein erfahrener Stürmer in Frage, der mit wenig Einsatzzeit und ein paar guten Momenten in der Saison zufrieden ist. Ein Typ wie Claudio Pizarro, nur in nicht „ganz so alt“ und mit genügend Qualität, um dem BVB sportlich zu helfen. Und ablösefrei und bezahlbar sollte er auch noch sein - viel Spaß bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Jetzt lesen

Die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher, dass Borussia Dortmund Haaland in der nächsten Saison durch die Spieler entlastet, die schon da sind. Zwingend erforderlich wird es aufgrund der vielen Englischen Wochen in jedem Fall sein. Thorgan Hazard hat gezeigt, dass er die Position ganz vorne spielen kann, gerade auch im Zusammenspiel mit Sancho.

BVB sollte Youssoufa Moukoko keinen Stürmer vor die Nase setzen

Julian Brandt und Marco Reus spielen deutlich lieber etwas weiter hinten, aber zur Wahrheit gehört auch, dass erst einmal ein Stürmer präsentiert werden müsste, den Favre letzten Endes Brandt oder Reus auf der Stürmerposition vorziehen würde. Giovanni Reyna ist zudem auch noch da. Und Youssoufa Moukoko. Selbst wenn man vom 15-jährigen Top-Talent gewiss keine Wunderdinge in der neuen Spielzeit erwarten darf, so wäre es doch ein unglückliches Signal, ihm noch einen gestandenen Stürmer vor die Nase zu setzen.

Lesen Sie jetzt