Standards, Killerinstinkt, Gegentorflut: Der BVB weist Defizite in elementaren Bereichen auf

mlzBorussia Dortmund

Für Borussia Dortmund rückt das Ziel Meisterschaft nach dem 2:2 gegen Bremen in weite Ferne. Die Kritik an Team und Trainer wird lauter - denn der BVB weist in elementaren Bereichen Defizite auf.

Dortmund

, 29.09.2019, 10:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir beleuchten die aktuellen Probleme des BVB:


1. Die Pannen bei Standardsituationen: Dem Einüben von Standardsituationen, offensiv wie defensiv, räumt das Dortmunder Trainerteam großen Raum ein. Mit einem peinlichen Zwischenergebnis: Am sechsten Spieltag kassierte der BVB bereits das dritte Gegentor nach einer Ecke. In Köln und gegen Bremen nach demselben Muster, einer Kopfballverlängerung am ballnahen Pfosten.

Reus und Hakimi kommen zu spät

Werder hatte den Treffer des FC genau analysiert - und einfach kopiert. Marco Reus kommt gegen Joshua Sargent zu spät, Achraf Hakimi verliert den Gegenspieler aus den Augen - 2:2. Viel leichter kann man es dem Gegner nicht machen.

Standards, Killerinstinkt, Gegentorflut: Der BVB weist Defizite in elementaren Bereichen auf

BVB-Torhüter Roman Bürki legte nach dem 2:2 gegen Bremen den Finger in die Wunde. © dpa

„Diese Gegentore ärgern mich am meisten“, gestand Torhüter Roman Bürki. Weil sie so leicht zu verteidigen wären. Aber: „Wir spielen nicht wie Männer. Dass wir bei Situationen, wo es wirklich darauf ankommt, da hingehen, wo es wehtut. Bei Standards, da müssen wir das konsequenter machen, offensiv wie defensiv. Das gelingt uns im Moment nicht.“

BVB-Trainerteam muss sich hinterfragen

Das ist eine schonungslose Offenlegung der Defizite in diesem Bereich durch den Torhüter. Das Trainerteam muss schleunigst hinterfragen, warum es trotz des großen Aufwands nicht gelingt, bei ruhenden Bällen stärker zu werden. Vorne, aber vor allem hinten.



2. Der fehlende Killerinstinkt: „Wir müssen den Gegner auch mal an die Wand nageln“, meinte Kapitän Marco Reus genervt. Wie in Frankfurt brachte seiner Mannschaft nicht einmal eine Führung die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen.

Der BVB holt den Gegner zurück in die Partie

In der Halbzeit habe Trainer Lucien Favre die Mannschaft aufgefordert, auf das dritte oder vierte Tor zu spielen. Seine Spieler folgten ihm - auch in diesem Fall - nicht. Dortmund erlaubt es Gegnern wie Union Berlin, Frankfurt oder Bremen, in der Partie weiter am Erfolg zu schnuppern. „Wir müssen mehr wie Killer sein“, sagte Axel Witsel.

In Hälfte zwei gegen die immer mutigeren Bremer brachte Dortmund seine PS kaum noch auf den Rasen. „In der zweiten Halbzeit war es zu wenig, wir müssen konsequenter auf das dritte Tor gehen, dann haben wir schneller Ruhe“, meinte Reus.

Reus-Aussagen klingen alarmierend

Es gab zwar zwei, drei gute Gelegenheiten, nach der Pause einen besseren Ausgang herbeizuführen, doch insgesamt gab der BVB da ein schwaches Bild ab. Am Ende habe aber „die nötige Power gefehlt“, sagte Reus. Das klingt alarmierend.



3. Die monotone Spielweise: Borussia Dortmund verfügt über einen herausragenden Kader, der wesentlich stärker einzuschätzen ist als noch vor einem Jahr. Mannschaft und Trainer arbeiten noch länger zusammen. Und dennoch verfügt der BVB nur über zwei stilprägende Mittel: geduldigen Spielaufbau mit plötzlichen Tempoverschärfungen und Konter.

Aggressivität und Schärfe fehlen dem BVB

Vor allem das Ballbesitzspiel sieht oft ganz manierlich aus, entwickelt aber längst nicht mehr den Schrecken wie in weiten Teilen der Vorsaison. Geduld und Ruhe bewahren ist schön und gut, mit mehr Aggressivität und Schärfe auf das Tor zu drängen, könnte aber auch nicht schaden. Paradox: Gegen Bremen verhalfen zwei eigentlich verpönte Flanken aus dem Halbfeld zu Toren. Mit den vermeintlich schärfsten Waffen konnten die Borussen die Notabwehr der Gäste selten in Verlegenheit bringen.

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Bundesliga, 6. Spieltag: BVB - Werder Bremen 2:2 (2:1)

Die Bilder des Bundesliga-Topspiels zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen.
28.09.2019
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Bilder des Bundesliga-Topspiels zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen.© dpa
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Schlagworte Fußball, Bundesliga

Andere Elemente wie Gegenpressing oder eine lauerndere Haltung aus einer gesicherten Balance heraus zeigen die Dortmunder viel zu selten. Taktikfuchs Favre hatte sich auf die Fahnen geschrieben, dass seine Mannschaft alle Grundsituationen beherrschen solle. Bei der Umsetzung herrscht weiter Stillstand statt Fortschritt.



4. Die vielen Gegentore: Vier Gegentore gegen die wahrlich nicht furchteinflößenden Mannschaften aus Bremen und Frankfurt, drei gar in Berlin - Borussia Dortmund kassiert fundamental zu viele Treffer.

Konzentrationsdefizite bleiben ein Ärgernis

Standards sind ein Grund. Schlafmützigkeit und fehlende Grundaggressivität über die gesamten 90 Minuten zu zeigen, ist die nächste Baustelle. Die Konzentrationsdefizite bleiben ein wiederkehrendes Ärgernis.

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Neun Einschläge nach sechs Spielen - da braucht es keine höhere Fußballmathematik, um dem BVB ein gewaltiges Defizit und eine längst nicht titelreife Abwehrhaltung ins Zeugnis zu schreiben. Im Mai herrschte noch Einigkeit, dass die Schwarzgelben die Deutsche Meisterschaft in der Defensive verbaselt haben. Die Konsequenz bleibt bislang aus.

BVB lässt Worten keine Taten folgen

„Wir müssen verteidigen und fertig“, schimpfte Favre. Klappt aber nicht. Die entschiedene Abwehrhaltung gehört nicht zum Portfolio aller Spieler. „Wir müssten auch mal ein 1:0 oder ein 2:1 über die Bühne bringen“, ärgerte sich Reus. Mit dem Wunsch liegt er vollkommen richtig. Taten lassen er und seine Teamkollegen nicht folgen. Borussia Dortmund tritt nicht nur auswärts nicht wie eine Spitzenmannschaft aus. Sondern diesmal auch zuhause.



Das Fazit: Der BVB darf sich nicht selbst belügen. Wenn Favre sagt: „Unsere Leistung war okay“, dann sorgt das für Kopfschütteln. Natürlich hat Borussia Dortmund nicht schlecht gespielt. Aber doch längst nicht ausreichend, um bei der Jagd nach der Deutschen Meisterschaft eine entscheidende Rolle zu spielen. Aktuell ist der BVB Tabellensiebter. Das meint alles.

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