Stuttgart offenbart immer wieder Defensivschwächen

BVB-Gegner in der Taktikanalyse

Der VfB Stuttgart hat eine Menge Potenzial, doch immer wieder Probleme, dieses abzurufen. Nach schwachen Partien in den letzten Wochen sind die Schwaben wieder ein Abstiegskandidat. Der VfB konnte zuletzt nur selten seine Konterstärke einbringen. Gleichzeitig werden die Schwächen in der Defensivorganisation immer deutlicher. Dortmunds Gegner in der Taktikanalyse.

DORTMUND

von Martin Rafelt (spielverlagerung.de)

, 22.04.2016, 22:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stuttgarter Abwehr um Georg Niedermeier (r.) offenbart immer wieder Schwächen.

Die Stuttgarter Abwehr um Georg Niedermeier (r.) offenbart immer wieder Schwächen.

1.) Wie agiert Stuttgart bei eigenem Ballbesitz?

Das Aufbauspiel der Schwaben ist durchschnittlich. Man versucht, durch das Zentrum über die Sechser aufzubauen und hat eine ordentliche Grundstruktur. Die Freilaufbewegungen sind aber oft nicht optimal abgestimmt. Auch die Bewegungen in der Offensive sind eher improvisiert. Gegen kompakte Gegner haben die Stuttgarter daher Probleme, in der Vorwärtsbewegung Verbindungen herzustellen.  

Die große Stärke ist die individuelle Durchschlagskraft, die von fast allen Positionen kommt. Didavi und Co. gehören zu den besten Offensivabteilungen der Liga. Die wichtigste Stuttgarter Qualität ist daher das Konterspiel. Gegen Hoffenheim erzielte man damit gleich fünf Tore. Gegen die nominell schwächeren, tiefer stehenden Gegner bekamen die Individualisten jedoch nicht die benötigten Freiheiten. Dadurch zeigten sich die taktischen Defizite stärker.  

2. Wie agiert Stuttgart gegen den Ball?

Das Fundament für die Konter ist natürlich das Defensivspiel, aus welchem die Balleroberungen resultieren sollen. Dieses war unter Kramny von Beginn an recht simpel strukturiert und zeigt zuletzt immer klarere Schwächen. In einem - meist eher tiefen - Mittelfeldpressing warten sie recht kompakt auf den Gegner, doch bekommen zuweilen wenig Zugriff und reagieren nicht gut auf gegnerische Bewegungen. Oft werden einzelne Gegenspieler mannorientiert verfolgt, was Lücken öffnet und die Präsenz in Ballnähe schwächt.

Im 4-1-4-1 konnte Serey Die diese Lücken vor der Abwehr einigermaßen kontrollieren. Nach dem Ausfall des Ivorers stehen die Stuttgarter im Grunde ohne defensiven Sechser da, was sie noch nicht kompensieren konnten. Kramny wechselte deshalb auch das System. Gegen die Bayern versuchte er es mit einem 5-4-1. Gegen Augsburg scheiterte man mit einem 4-4-2.  

3.) Auf welchen Spieler muss der BVB besonders achten?

Daniel Didavi hatte zuletzt als Sechser nicht mehr die ganz große Präsenz in der Offensive. Stattdessen wurde es häufiger über die Seite von Filip Kostic gefährlich. Der Serbe wird oft mit Verlagerungen eingesetzt und kann die meisten Außenverteidiger einfach mit seinem immensen Tempo überlaufen. Seine Hereingaben sind zwar vorhersehbar, aber meist durch ihre Schärfe schwer zu kontrollieren.

 

4.) Wo liegen die Chancen für den BVB?

Entscheidend wird - wie gegen Hertha - die Kontrolle der gegnerischen Konterangriffe. Vermutlich wird Thomas Tuchel daher wieder auf eine Dreierkette im Aufbau setzen, um schnell auf die Flügel Zugriff zu haben. Wenn das funktioniert können abgestimmte Bewegungen im Zentrum Räume öffnen. Wenn die zentralen Spieler ausweichen und beispielsweise Mkhitaryan dann von außen in die Lücken zieht, kann Stuttgarts Defensive schnell ins Wanken geraten.

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