Sven Bender hat das Offensivspiel für sich entdeckt

Arbeiter mit Tordrang

Ein Übersteiger in der Luft ist in erster Linie Nuri Sahin oder Mario Götze zuzutrauen – den Technikern im BVB-Dress. Dass das Kunstwerk gegen Köln aber Sven Benders Feder entstammte, war schon überraschend.

DORTMUND

von Von Thomas Schulzke

, 06.03.2011, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sven Bender (M.) im Duell mit Lukas Podolski.

Sven Bender (M.) im Duell mit Lukas Podolski.

Damit wollte Sahin nach eigener Aussage allerdings nicht andeuten, Bender sei kein guter Fußballer gewesen, als er im Sommer 2009 vom TSV 1860 München zur Borussia wechselte. Viel mehr wollte er sagen, dass der 22-Jährige neben seinen defensiven Qualitäten inzwischen auch zu einer ernsthaften Komponente der Offensive geworden ist. In der Hinrunde war Bender noch so etwas wie die „Ein-Mann-Schweizer-Garde“ für Nuri Sahin. Er hielt dem offensiver eingestellten Türken den Rücken frei, opferte sich in Zweikämpfen auf, musste immer wieder kleinere Verletzungen einstecken. Diego, Thomas Müller, Lewis Holtby, alle nahm er sie mit seiner unglaublichen Zweikampfstärke aus dem Spiel. Mit dieser Art Fußball zu spielen, schaffte Bender den Sprung in die Nationalmannschaft.

Auf seiner Prioritätenliste steht das Verteidigen zwar immer noch an erster Stelle, er hat sie aber erweitert. Jetzt ist auch das Offensivspiel auf ihr zu finden. Am Freitag, beim viel zu knapp ausgefallenen 1:0-Sieg gegen Köln, zauberte er nicht nur, als er in der 18. Minute den Übersteiger in der Luft zelebrierte, im Anschluss noch zwei Kölner stehen ließ und Lucas Barrios dadurch eine 100-prozentige Einschussmöglichkeit (Bender: „Wenn er den macht, wäre es natürlich noch besser gewesen“) vorbereitete. Er trieb sein Team auch immer wieder an und bereitete mit feinem Pass das 1:0 durch Robert Lewandowski vor (44.). „Es ist ja nicht verboten, als Sechser etwas für die Offensive zu tun. Ich finde immer besser in die Rolle neben Nuri hinein. Er bietet mir auch immer öfter an, etwas in der Vorwärtsbewegung zu tun“, erklärt Bender. Trainer Jürgen Klopp hatte vor wenigen Wochen bereits klargestellt: „Den Sven darf man ruhig anspielen, der kann kicken!“

Für Sahin ist die Weiterentwicklung Benders ein weiteres Plus im Spiel des BVB, nunmehr sei das Team noch unberechenbarer, weil beide „Sechser“ sich in der Offensivearbeit abwechseln könnten. „Während der ersten Hälfte hat Sven mehr nach vorne gemacht. Während der zweiten ich. Darauf muss sich der Gegner erstmal einstellen.“ Sven Bender bleibt zurückhaltend, nimmt sich nicht wichtig: „Wir haben heute mit dem 1:0 gegen Köln den Erfolg aus München vergoldet“, sagte er. „Wir“ – wohlgemerkt. Ein echter Teamplayer eben.  

Lesen Sie jetzt