Teurer Abend für Dynamo

Chaos im Fanblock

Still war es in der 30. Spielminute auf der Nordtribüne. Ganz still. Den Fans von Dynamo Dresden verschlug es die Sprache. Denn gerade war Borussia Dortmund durch Robert Lewandowski im DFB-Pokal mit 1:0 in Führung gegangen. Im Signal Iduna Park feierten die Zuschauer im strahlenden Gelb. Den Anhang im dunkleren, indischen Gelb ereilte der Sekundenschock.

DORTMUND

von Von Thomas Schulzke

, 25.10.2011, 23:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Stadion brannten Dresden-Anhänger Dienstagabend die verbotenen Bengalischen Feuer ab.

Im Stadion brannten Dresden-Anhänger Dienstagabend die verbotenen Bengalischen Feuer ab.

Über 20 Bengalos zündeten die Dresdner Anhänger auf der Tribüne, brachten mit den bis zu 2500 Grad Celsius heißen Fackeln ihre eigenen Nebenleute in Gefahr. Der Klub darf sich auf eine Strafe vom Deutschen Fußball-Bund gefasst machen. Was den Verantwortlichen wehtun wird. Dresden hat den geringsten Etat (4,1 Millionen Euro) in der kompletten zweiten Liga. Von den 480 000 Euro Fernsehgelder werden die Dresdner einen Anteil gleich für die eigenen, unverantwortlichen Fans abdrücken dürfen. Dafür gibt es wohl den Begriff Dummheit. Mit in die Berechnung der Höhe der Strafe wird auch der Einsatz von Laserpointern einfließen. Schiedsrichter Peter Gagelmann musste aufgrund des Einsatzes dieser Geräte die Partie unterbrechen. Ohne Frage, für echte Pokalstimmung sorgten nicht nur die Dortmunder. Die Dresdner sangen inbrünstig. Immer wieder peitschten Dynamo-Rufe durch den Signal Iduna Park. Nur selten sind Gästefans im Dortmunder Stadion so stimmgewaltig.

Und nur selten so einheitlich angezogen. Fast alle Dynamos trugen das T-Shirt mit der Aufschrift „Europa, wir kommen!“ Aber nur selten treten die Gäste-Fans auch so unvernünftig in Dortmund auf. Während der ersten 45 Minuten wurden weitere Bengalos gezündet. Eine gelbe und eine weiße Rauchbombe vernebelte die halbe Nordtribüne. „Im ersten Abschnitt gab es innerhalb des Stadions nur Probleme aufgrund der Bengalischen Feuer. Keine weiteren Festnahmen sind zu vermelden“, berichtete Kim Ben Freigang, Pressesprecher der Dortmunder Polizei.

Als eine der Rauchbomben erlosch, erlosch auch die Stimmung in der Dresdner Kurve. Mario Götze trat mit seinem Treffer zum 2:0 (65.) kräftig auf die Dresdner Partybremse. Sie sangen weiter, aber die Gier nach einer Pokalsensation war in ihren Stimmen nicht mehr herauszuhören. Die Stimmung begann zu kippen. Die Dresdner wurden aggressiver, versuchten zu den BVB-Fans durchzubrechen, suchten die Konfrontation. Die Polizei und die Ordner konnten das aber verhindern. In der 80. Minute unterbrach Gagelmann wieder die Partie. Dresdens Kapitän Christian Fiel versuchte die Anhänger zu beschwichtigen. Kein schönes Ende für einen sportlich-fairen Vergleich. Auch nach dem Schlusspfiff wurden Polizisten massiv angegriffen.  

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