Trotz BVB-Offenbarungseid: Klopp gibt nicht auf

Vom Jäger zum Opfer

Jürgen Klopp ist ein herausragender Rhetoriker, der mit seinen Worten spielerisch einen Raum voller Menschen in Sekundenbruchteilen für sich einnehmen kann. Doch selbst ihm, diesem TV-erprobten Showman unter den Bundesliga-Trainern, fällt es in der BVB-Krise immer schwerer, verbal zu überzeugen.

DORTMUND

, 06.02.2015, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Druck auf BVB-Trainer Jürgen Klopp nimmt nach der Niederlage gegen Augsburg zu.

Der Druck auf BVB-Trainer Jürgen Klopp nimmt nach der Niederlage gegen Augsburg zu.

18 Minuten lang parlierte er am Donnerstag über die Niederlage seines Teams gegen die Überraschungself des FC Augsburg. Er sinnierte über die Folgen der elften Saisonpleite und das kommende Abstiegsduell gegen den SC Freiburg. Allein - es blieb kaum etwas hängen. Der anhaltende Misserfolg hat auch Klopp zunehmend ratloser gemacht.

Maximal seriös

Nachdem er in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig auf die fehlende Fitness als Hauptursache für die miserable Hinrunde seiner Elf hingewiesen hatte, gehen ihm nach den zwei spielerisch enttäuschenden Auftritten gegen Leverkusen (0:0) und Augsburg so langsam die Argumente aus, warum seine Mannschaft weiter nicht das umsetzt, was er ihr vorgibt. Vom „erbitterten Jäger“, den der BVB-Trainer vor der Winterpause ankündigte, ist jedenfalls noch nichts zu sehen. Im Gegenteil, am Mittwoch verhielt sich seine Elf erneut wie ein wehrloses Opfer.

Man könne über ihn sagen, was man wolle, erklärte Klopp trotzig, aber eins stehe fest: „Wir sind in der Vorbereitung maximal seriös, akribisch und fleißig. Wir bereiten die Mannschaft so auf den Gegner vor, dass sie ihn schlagen kann“, sagte er, „das müssen wir aber auch auf den Platz bringen.“ Nur gelingen will das nicht. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierten die enttäuschten BVB-Fans nach dem Abpfiff. Doch diese verständliche und nachvollziehbare Polemik ging am Kern des Problems vorbei.

Fußballerisches Problem

Denn einer Mannschaft, die 122 Kilometer rennt, kann man nur schwerlich den Vorwurf machen, zu wenig Einsatz zu zeigen. Das Problem ist kein körperliches mehr, erst recht keins der Einstellung. Es ist ein fußballerisches. Diese nachgewiesen hochtalentierte Mannschaft voller individueller Einzelkönner wie Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan oder Shinji Kagawa hat in den vergangenen Monaten das Fußballspielen verlernt. Pressing und Gegenpressing funktionieren nach dreiwöchiger Winter-Vorbereitung wieder ordentlich, das zeigte die erste Hälfte gegen den FCA.

Doch sobald der BVB wie am Mittwochabend in Rückstand gerät, gehen ihm die Antworten aus. Die Dortmunder rennen, sie ackern, sie laufen sich kaputt – aber sie wissen nicht mehr, wie man einen Gegner ausspielt oder wie man einen Rückstand aufholt. So bitter es klingt: Ein Gegentor ist derzeit fast schon gleichbedeutend mit einer Niederlage.

Völlig aus der Spur

„Ich habe gedacht, dass wir schon weiter sind“, gab Klopp nach der kopflosen zweiten Hälfte gegen Augsburg zu, „dass wir uns nicht mehr in diesem Maße von den Unwägbarkeiten des Spiels durchrütteln lassen.“ Die Härte, mit der das Gegentor den BVB traf, hatte auch ihn überrascht und schockiert.

Es ist inzwischen nicht mehr zu übersehen, dass die immense Drucksituation zentnerschwer auf den Schultern der Spieler lastet. Sie lähmt die einst feinen Füße, blockiert den kreativen Kopf. Automatismen, die einst wie selbstverständlich da waren, sind verschütt gegangen unter dem bröckelnden Selbstbewusstsein der völlig aus der Spur gerissenen Borussen.

Frischer Impuls

Ein frischer Impuls muss her, soll die Wende trotz der aktuellen Blockade noch gelingen. Die Frage ist nur, welcher. Eine Trainer-Entlassung, das hat BVB-Boss Hans-Joachim Watzke mehrfach betont, werde es in Dortmund nicht geben. Einen Rücktritt schloss Jürgen Klopp aus. „Ein Spiel“, sagte er, „wirft mich nicht aus der Bahn. Ich bin vom Erfolg unserer Mission überzeugt. Das ist für mich kein Thema.“ Die kommenden Wochen werden auf die Trainer-Frage eine klare Antwort geben. Dass Klopp auch im März noch auf der Bank sitzt, falls die kommenden Abstiegsduelle gegen Freiburg, Mainz und Stuttgart sowie das Derby gegen Schalke keine Wende bringen, wird jedenfalls immer schwerer vorstellbar.  

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