„Tut uns gut“: Zorc springt BVB-Kapitän Reus gegen Kritiker zur Seite

mlzBorussia Dortmund

Auch der Kapitän ist ein Gesicht der lange Zeit farblosen Vorstellung des BVB gegen St. Petersburg. Sportdirektor Michael Zorc springt Marco Reus nach dem 2:0 gegen alle Kritiker zur Seite.

Dortmund

, 29.10.2020, 22:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Rest des Tape-Verbandes flog mit Schwung über die Werbebande. Marco Reus war unübersehbar frustriert, als er von der Dortmunder Bank das Signal zur Auswechslung bekam. Reus, der auf der gegenüberliegenden Seite den Rasen verließ, stapfte mit hängendem Kopf vom Platz. Es war bis dahin nicht sein Abend gewesen, und auf die Siegerstraße bog der BVB erst ein, als er schon nicht mehr mitwirken durfte.

Jadon Sancho erzielt das erlösende 1:0 für den BVB

In der „Crunch Time“ brachte Lucien Favre in Thorgan Hazard einen frischen Spieler, ausgerechnet der Belgier war dann der Mann, der den Elfmeter herausholte. Und Reus, ein potenzieller Strafstoß-Schütze, sah von außen zu, wie Jadon Sancho das erlösende 1:0 erzielte.

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Für Reus und den BVB war es ein schwieriger Abend, der trotz des passenden Resultats nicht mit einer ausgelassenen Feier endete. Es war eher so, dass alle nach diesem Spiel schnell wieder zur Tagesordnung übergehen wollten. „Die Partie“, gab Sportdirektor Michael Zorc zu, „wird nicht in die Geschichtsbücher eingehen.“ BVB-Boss Hans-Joachim Watzke meinte am Donnerstag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten: „Es war ein schmuckloser Arbeitssieg, aber der hilft uns auch weiter.“ Der Blick zurück helfe bei der Einordnung: „Wir haben im vergangenen Jahr viel Lob für unser Spiel gegen Barcelona bekommen, da aber nicht gewonnen!“

BVB-Trainer Favre treibt seine Mannschaft permanent an

69 Prozent Ballbesitz gegen einen extrem tief stehenden Gegner, eine Dortmunder Offensive, der es an Esprit, Tempo und Überraschungsmomenten fehlte - das waren die wenig schmackhaften Zugaben an einem Tag, an dem die Politik weitere Geisterspiele mindestens bis Ende November beschlossen hatte. Wenn Dortmunds Auftritt gegen die destruktiven Russen ein Vorgeschmack auf die nächsten Wochen gewesen sein sollte, steht den Fans auch sportlich eine harte Zeit bevor.

Ein Vorteil der Geisterspiele: Man konnte auf der Tribüne sehr deutlich vernehmen, wie Lucien Favre an der Seitenlinie seine Mannschaft permanent antrieb und mehr Tempo und mehr Spiel in die Breite einforderte. Gegen die vielbeinige Deckung Zenits war es das Hauptmanko, dass der BVB vor allem über Raphael Guerreiro und Giovanni Reyna die Außenpositionen aufgab und immer wieder zu früh in die Mitte drängte, wo sich ohnehin schon etliche Spieler auf den Füßen standen.

BVB wendet Fehlstart in der Champions League ab

„Druck auf dem Kessel“ hatte Sportdirektor Zorc bei seinem Team verspürt, nachdem vor einer Woche der Start in die diesjährige Champions-League-Saison in Rom gründlich misslungen war. In der Tat war die Angst vor einem Nackenschlag mindestens so ausgeprägt wie die Lust aufs Gewinnen, was zu einem lange Hin- und Hergeschiebe führte, wenig ansehnlich und vor allem wenig zielführend.

„Sehr viel Geduld“ habe man gebraucht, gestand auch Innenverteidiger Manuel Akanji. Erst die ungestüme Aktion von Zenit-Verteidiger Karavaev gegen Hazard sollte die Erlösung bringen. Sanchos Elfmeter landete platziert im Eck (74.), in der Nachspielzeit machte Erling Haaland alle klar. Weil Zenit gar nicht vor dem Dortmunder Tor auftauchte, sei ihm klar gewesen, „dass wir mit dem 1:0 das Spiel auch gewinnen werden“, so Watzke.

Der BVB freut sich nach dem 2:0 über 2,7 Millionen Euro

Für den ausgewechselten Kapitän gab es nach der Partie aufbauende Worte des Sportdirektors, der Marco Reus auch gegen die bei „Sky“ von Didi Hamann geäußerte Kritik („Er ist entbehrlich und kein geeigneter Kapitän mehr“) in Schutz nahm. Die Diskussion um Reus verstehe er nicht, meinte Zorc. „Er wird nach seiner langen Pause mit jedem Spiel besser. Das tut uns gut!“ Optimistisch stimmte Zorc, dass Reus an zwei der wenigen Torszenen des Spiel beteiligt war. Nach Sanchos Pass scheiterte er aus spitzem Winkel an Kerzhakov, auch sein Freistoß wurde eine sichere Beute des Zenit-Schlussmanns.

Unter dem Strich zählte das nackte Ergebnis. Und auf der Tribüne dürfte Watzke auch daran gedacht haben, dass der Sieg 2,7 Millionen Euro Prämien in die leeren Kassen spülen wird. Auch das gehörte zur Wahrheit dieser Partie.

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