U23-Coach Enrico Maaßen im Interview: Das sind seine Ziele mit dem BVB

mlzTeil 2

Enrico Maaßen ist der neue Trainer der U23 des BVB. Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews spricht er über seine Ziele mit Borussia Dortmund und erklärt seine Spielphilosophie.

Dortmund

, 09.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

BVB-U23-Trainer Enrico Maaßen wirkt selbstsicher und entspannt, als er zum Interviewtermin mit den Ruhr Nachrichten erscheint. Mehr als eine Stunde nimmt sich der 36-Jährige Zeit, spricht über seine Arbeitsweise, seine vorherigen Stationen und seine neue Aufgabe bei Borussia Dortmunds U23. Der Nachfolger von Mike Tullberg hat klare Vorstellungen. Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews sprechen wir mit ihm über seine Ziele mit der BVB-U23, Cheftrainer Lucien Favre und seine eigene Philosophie.

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Von Rödinghausen nach Dortmund: Muss sich beim großen BVB nun Ihre Arbeitsweise ändern?

Nein, das denke ich nicht. Es geht immer darum, jedes Spiel zu gewinnen – und die Spieler optimal zu entwickeln. Dabei bekomme ich jetzt nochmal mehr Unterstützung als in Rödinghausen. Hier in Dortmund verteilt sich das Know-how auf mehrere Schultern. Zudem haben wir eine sehr, sehr junge Mannschaft. Das ist ebenfalls neu und stellt eine interessante Aufgabe dar. Aus diesem hohen Potenzial, das hier zweifelsfrei vorhanden ist, gilt es nun, möglichst viel zu machen. Dafür brauchen wir einen starken Zusammenhalt. Der hat meine Teams bislang aber immer ausgezeichnet.


Wie wird eine Mannschaft zur geschlossenen Einheit?

Vor allem ist der Umgang miteinander sehr wichtig. Jeder soll gern zum Training kommen, jeder soll auf dem Platz lachen dürfen und dennoch konzentriert arbeiten. Am Wochenende muss jeder wissen, was er zu tun hat. Und die Spieler, die nicht zur ersten Elf gehören, sollen sich zwar ärgern, aber in der Lage sein, ihrem Mitspieler das entscheidende Tor zu gönnen. Wenn wir diese Atmosphäre erreichen, ist schon wirklich viel erreicht.


In Rödinghausen stand der Erfolg an erster Stelle, in Dortmund kommt jetzt noch mal verstärkt die Ausbildung der Spieler hinzu.

Für mich ist das sehr eng miteinander verknüpft. Wir müssen nicht nur das Aufdrehen mit Ball üben, sondern auch Widerstandsfähigkeit und Siegeswillen entwickeln. Das war auch in Rödinghausen nötig. In Dortmund geht es außerdem um die Durchlässigkeit zur Profi-Abteilung. Die Qualität oben ist sehr hoch. Es ist aber nicht absolut unmöglich, dort einen Spieler aus der Jugend unterzubringen. Das wollen wir jetzt gemeinsam probieren, den einen oder anderen haben wir da auch in den Startlöchern. Der erste Austausch mit der Profi-Abteilung – also mit Otto Addo, Edin Terzic und Lucien Favre – steht demnächst an.


Den jetzigen BVB-Cheftrainer Favre haben Sie vor ein paar Jahren mal lobend hervorgehoben. Was schätzen Sie an seiner Arbeit?

Das stimmt, ich habe vor einigen Jahren in einem Interview erwähnt, dass mich die klare Struktur in seinem Spiel beeindruckt.

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Wie soll es bei Ihnen auf dem Platz zugehen?

Mein Verständnis von schönem und gleichzeitig erfolgreichem Fußball ist die Balance zwischen strukturierter Defensive und einer mutigen, variablen offensiven Spielweise. Dementsprechend sehe ich auch die Anforderungen an meine Spieler sehr ganzheitlich.


Der BVB wird insgesamt viel Ballbesitz erhalten, davon ist auszugehen.

Das stimmt. Andererseits gibt es aber auch einige Mannschaften, die qualitativ sehr gut besetzt sind und uns defensiv fordern werden. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Für Anfang September ist das erste Regionalliga-Pflichtspiel geplant. Insgesamt stehen 42 Spieltage bevor, die Saison wird kräftezehrend. Bedarf das einer besonderen Vorbereitung?

Wir kommen aus einer langen Pause und versuchen die Mannschaft jetzt erst einmal an die Belastung zu gewöhnen. Das ist die erste Etappe, um dann im Anschluss so schnell wie möglich in den normalen Rhythmus zu kommen. In den letzten drei Wochen der Vorbereitung ist dieser Übergang geplant.


Ist der Kader für die vielen Spiele groß genug?

Wenn wir noch Spieler finden sollten, die uns qualitativ besser machen, dann denken wir vielleicht noch mal über Verstärkung nach. Wenn wir aber mit dem jetzigen Kader in die Saison gehen sollten, bin ich absolut zufrieden. Ingo Preuß und auch Mike Tullberg (der vorherige U23-Coach, d. Red.) haben tolle Arbeit geleistet und gute Jungs verpflichtet. Außerdem werden wir die Vorbereitung nutzen, um Spieler auf unterschiedlichen Positionen zu testen – und schauen, wie wir eventuell den einen oder anderen Ausfall kompensieren könnten.

Existiert die Zielsetzung, in der kommenden Runde in die Dritte Liga aufzusteigen?

Nein, die besteht so nicht. Zu planen, in einer so ausgeglichenen Liga letztlich ganz oben zu stehen, ist sehr schwierig. Für mich ist es daher wichtig, dass wir uns jede Woche neue Ziele setzen. Was wir uns unter der Woche erarbeitet haben, muss am Wochenende ganz deutlich zu sehen sein. Das fordere ich ein.

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