BVB-Coach Edin Terzic ist ein „Unruhestifter“ an der Seitenlinie. © picture alliance/dpa/Pool AP
Borussia Dortmund

„Unruhestifter“: Wie Terzic aus den BVB-Leisetretern Lautsprecher macht

Aus BVB-Leisetretern werden Lautsprecher: Man hört wieder, wenn Borussia Dortmund Fußball kämpft und spielt. Der „Unruhestifter“ Edin Terzic macht es vor.

Alles wird gezählt. Ballbesitzphasen, Pässe, Sprints. Und ein halbes Dutzend weiterer Kategorien, mal mehr und oft weniger aussagekräftig. Für eine messbare Größe beim Neuaufbau von Borussia Dortmund zu einem Topteam der Bundesliga wäre ein anderer Parameter hilfreich: Lautstärke. Beim BVB herrscht wieder viel mehr Leben auf dem Platz und in der Kabine.

BVB übernimmt in Leipzig akustisch und fußballerisch das Kommando

Beim vielschichtigen 3:1-Sieg in Leipzig hätte das Dezibel-Messgerät vermutlich wie ein Pendel ausgeschlagen. Erst hätte das Übergewicht auf RB-Seite gelegen, bis nach und nach die Schwarzgelben das Kommando übernahmen. Fußballerisch, und eben auch akustisch.

Allen voran Mats Hummels als Wortführer in der Defensive feuerte seine Mitspieler unentwegt an, er gab pausenlos Kommandos, er motivierte, insistierte, inspirierte. Auf Deutsch, auf Englisch, immer unmissverständlich. Die klare Botschaft aus der Abwehrzentrale: Wir geben nicht nach, wir weichen nicht zurück. In der Schlussphase des Spitzenspiels wurde jeder gewonnene Zweikampf gefeiert wie ein Tor.

BVB-Coach Edin Terzic: Der „Unruhestifter“ an der Seitenlinie

Der im positiven Sinne oberste „Unruhestifter“ ging dieses Engagement voll mit in seiner kleinen Coachingzone direkt am Spielfeldrand. Trainer Edin Terzic hat es sich auf die Fahnen geschrieben, aus den Dortmunder Leisetretern wieder Lautsprecher zu machen. Ihm und anderen im Verein war es viel zu still auf dem Feld, egal ob der BVB in einer Partie vorne lag oder zurück. Ex-Coach Lucien Favre versuchte auf seine Art auch, verbal Einfluss zu nehmen, er drang jedoch mit seiner dünnen Stimme selten durch. Jetzt hört man den Unterschied.

Bei der stilistischen Renovierung von Borussia Dortmund kommen nicht nur rein fußballerische Aspekte auf den Tisch, sondern auch der Zugang zum Beruf und der Umgang miteinander. Eine frühe Erkenntnis, die sich in den nächsten Wochen bewähren und bewahrheiten muss: Dank Terzics anderer Ansprache ist „das zwischenzeitliche Wirr-Gefühl wieder in ein Wir-Gefühl“ (Kicker) verwandelt worden. Der verbale Energieschub setzt Emotionen frei, verleiht Kraft. Wenn der Trainer sagt, er wolle „an der Intensität arbeiten“, lässt sich das eben nicht nur in Zweikämpfen und gelaufenen Kilometern abzählen. Sondern auch in der Haltung. Kürzlich lobte er Emre Can, weil der „die nötige Lautstärke die ganze Zeit vorgelebt“ habe.

Wer beim BVB Kommandos gibt, übernimmt auch Verantwortung

Wer Kommandos gibt, der übernimmt Verantwortung. Von diesen Typen gibt es nicht unendlich viele im Dortmunder Kader, aber ausreichend. Neben Hummels zählt sicher Can dazu, auch ein Roman Bürki. Erling Haaland geht mit Taten voran und versprüht mit jeder Faser seines wuchtigen Körpers Eigenschaften, die nach Technik, Tempo und Taktik vielleicht zu den „soft skills“ eines Fußballspielers gehören. Und manchmal helfen diese Nuancen wie am Samstag, den Unterschied auszumachen zwischen zwei guten Mannschaften. Die RB-Spieler waren sichtlich beeindruckt vom erstarkenden BVB, der sich Gehör verschaffte, bis es dem Gegner die Sprache verschlug. Kommunikativer K.o.

„Wir brauchen diese Energie“, sagt Terzic über seinen Ganzkörpereinsatz beim Coaching an der Seitenlinie. Er hat zweieinhalb Jahre lang als Co-Trainer miterlebt, wie seine Mannschaft sprunghaft zwischen Höhen und Tiefen wechselte. Auch deswegen macht er lautstark Druck von außen. Gibt Tipps, coacht im Spiel wie im Training fast durchgängig jede Spielsituation („Push“, „Press“, „Mehr Druck“, „Tempo“). Die Leistungsanforderungen hochzuhalten soll dazu beitragen, mehr Kontinuität zu erlangen. Hummels spricht davon, „ein Klima zu schaffen, in dem jeder jeden Tag Gas gibt und seriös arbeitet“. Haaland sagt treffend: „Wir müssen unsere große Qualität abrufen.“

Abrufen, im Wortsinn!

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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