Urteile zum Skandalspiel BVB gegen Hertha: Freisprüche für die Polizei

mlzBorussia Dortmund

Nach dem Skandalspiel BVB gegen Hertha BSC sind Dutzende Urteile gegen Berliner Fans ausgesprochen. Die Polizei bleibt bislang unbehelligt. „Nicht nachvollziehbar“, meint eine Fananwältin.

Dortmund

, 26.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem umfangreichen Videomaterial, das nach der gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen einer Hundertschaft der Polizei und Fans von Hertha BSC im Dortmunder Stadion im Oktober 2018 vorlag, haben die Ermittler 140 verdächtige Personen ausgemacht. Rund die Hälfte, genau 74, sind den Behörden inzwischen namentlich bekannt. Ihre Identität konnten entweder die szenekundigen Beamten aus Berlin ermitteln oder sie sind in der internen Fahndung der Polizei aufgefallen.

46 Stadionverbote

Anzeige


In einer ersten Reaktion der Fußballklubs und des Verbandes gab es unter anderem 46 bundesweit geltende Stadionverbote zwischen zwölf und 36 Monaten, von denen neun zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Jetzt lesen

Auch gerichtlich sind diverse Verfahren abgeschlossen, auch wenn Anwältin Gloria Holborn aus Berlin vermutet: „Der ganze Komplex wird uns wohl noch längere Zeit beschäftigen.“

Strafen und zwei Freisprüche

Neben einer Reihe von Strafbefehlen und Urteilen mit Geldstrafen zwischen 30 und 90 Tagessätzen (15 Fälle) sowie Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr (10 Fälle) gab es auch zwei Freisprüche. In dem einen Fall handelte es sich um eine Verwechslung, der mutmaßliche Täter befand sich zur Tatzeit nicht in Dortmund, sondern bei einem anderen Fußballspiel. Und Anfang Januar bewirkte Holborn einen Freispruch, weil bei ihrem Mandanten der Tatnachweis nicht geführt werden konnte. Ein einheitlich getragener Pullover und weitere Indizien reichten dazu nicht aus.

Insgesamt sind 43 Prozesse gestartet worden. „Eine ganze Reihe der Verfahren ist noch nicht rechtskräftig, weil noch Rechtsmittel von Staatsanwaltschaft oder Verteidigung eingelegt worden sind“, sagt Holborn.

Ermittlungen gegen Polizisten ad acta gelegt

Zumindest vor den Dortmunder Gerichten sind auch die Ermittlungen gegen die Polizei ad acta gelegt worden. Sechs Anzeigen gegen Beamte sowie zwei gegen den damaligen Einsatzleiter Edzard Freyhoff wurden abschlägig beschieden. Juristin Holborn: „Nachvollziehbar ist das sicher nur aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft.“ Fanhilfen sehen in der engen Verzahnung von Polizei und Staatsanwaltschaft einen Grund dafür, dass die Beamten nicht belangt werden.

Jetzt lesen

Eine Klage ist allerdings noch anhängig: Der Anmelder der Choreografie, zu dem das Banner im Stadion gehörte, hat vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, das für den Signal Iduna Park zuständig ist, eine Fortsetzungsfeststellungsklage eingereicht. Der Antrag beinhaltet festzustellen, dass die Anordnung sowie die Sicherstellung der Fahne, also der Polizeieinsatz, der die Eskalation auslöste, rechtswidrig waren. Auf einem entsprechenden Urteil könnten Schadenersatzverfahren aufgebaut werden.

Dortmunder Fanhilfe meldet sich zu Wort

Auch der Sprecher der Dortmunder Fanhilfe, Henry Schulz, argumentierte, „entscheidend für die Eskalation war jedoch der ungerechtfertigte und nicht verhältnismäßige Einsatz der Polizei.

Lesen Sie jetzt